Mit Hilfe von Fundraising

Neue Loveparade soll im Juli 2021 in Berlin stattfinden

Dr. Motte (lila Baseballkappe, grünes Shirt) und tätowierter Mann mit Punk-Outfit bauen an Modell der Straße des 17. Juni
Dr. Motte (links) beim Aufbau des Love Parade-Modells: Wenn die Techno-Fans fleißig spenden, wird auf der Straße des 17. Juni vielleicht bald wieder 'in echt' geravet.
Matthias Roeingh aka Dr. Motte, Gründer der weltbekannten Techno-Parade, arbeitet an einer Neuauflage des Events nächstes Jahr in Berlin. Außerdem möchten er und seine Mitstreiter*innen mit einem großen Plan die Clubkultur retten…

Die Geburtsstätte von Dr. Mottes neuem Projekt ist die Mall of Berlin gegenüber vom Bundesrat: Hier findet die Pressekonferenz zur Vorstellung von Rave the Planet statt, hier hat auch das zugehörige Fundraising-Projekt seine Heimat. An dieser Stelle befand sich aber einst auch der legendäre erste Tresor Club – lange bevor die Shopping Mall hochgezogen wurde. Der Standort passt also bestens zum Anliegen, das Matthias Roeingh und die anderen Mitglieder von Rave the Planet, einer vor einem Jahr gegründeten gemeinnützigen GmbH, haben: die nach ihrer Ansicht durch Verdrängung und Auflagen bedrohte elektronische Musik- und Clubkultur zu schützen und zu fördern.

Dr. Motte redet von „bunten, strahlenden (…) Leuchttürmen“, die in Berlin und Deutschland verlorengehen könnten, wenn die Kultur nicht geschützt wird. Er und sein Team setzen zwei neue Leuchttürme dagegen. Zum einen soll es – unter welchem Namen auch immer – wieder eine Loveparade in Berlin geben. Dafür hat Rave the Planet bereits Konzepte erarbeitet und den Umzug sogar schon für den 10. Juli 2021 angemeldet. Pläne, ihn bereits dieses Jahr abzuhalten, werden nicht weiter verfolgt. Ob die Parade jedoch nächstes oder überhaupt in irgendeinem Jahr stattfindet, hängt vom Erfolg des Fundraving ab, eines Fundraising-Projekts, das die gemeinnützigen Ziele von Rave the Planet möglich machen soll. Denn gemeinnützig und werbefrei soll sie werden, die Loveparade der Zwanzigerjahre – im Kontrast zum einstigen Mega-Event einer Fitnesskette.

Miniaturfiguren auf Straßenmodell

Parade auf alter Strecke

Quirin Graf Adelmann v. A., neben Dr. Motte und Florian Löhlein Geschäftsführer von Rave the Planet, erläutert gegenüber QIEZ, dass Unternehmen natürlich für den Zweck spenden, aber keine Gegenleistung erwarten könnten. Die Parade soll auch ohne öffentliche Mittel auskommen. Der vielfache Unternehmer ist unter anderem Geschäftsführer des DDR-Museums und hat selbst zur Anschubfinanzierung des neuen Projekts beigetragen. Seinen Worten nach hat für die Neuauflage der Techno-Parade die ehemalige Streckenführung über die Straße des 17. Juni klare Priorität.

Für das Fundraising hat Rave the Planet im ehemaligen TresorGarten, heute eine Passage zwischen zwei Teilen der Mall of Berlin, ein Modell der einstigen Parade-Strecke aufgebaut: vom Ernst-Reuter-Platz über die Straße des 17. Juni bis zum Brandenburger Tor im Format 1:87. Wer die neue Loveparade unterstützen will, kann online oder im Shop vor Ort ab 5 Euro Modellfiguren kaufen, die dann als kleine Raver auf die Strecke geklebt werden. Auch Floats und andere Bestandteile der Parade sind im Angebot. Das Modell soll im Idealfall in drei „Bauabschnitten“ fertiggestellt werden und aus 1,5 Millionen Mini-Ravern bestehen. Bis Ende 2020 wollen die Macher*innen 1,5 Millionen Euro zusammen haben, um die Loveparade veranstalten zu können – derzeit liegt das Spendenaufkommen bei rund einer halben Million Euro.

Vier Männer auf Pressekonferenz

Techno bald Kulturerbe?

Ob die Loveparade wiederkommt oder nicht – das zweite Projekt von Rave the Planet wird auf jeden Fall vorangetrieben. Es ist vielleicht noch ambitionierter, wäre aber auch nachhaltiger: Die elektronische Tanzmusikkultur soll immaterielles Kulturerbe der UNESCO werden. Ein entsprechender Antrag wird laut Graf Adelmann bereits seit einem Dreivierteljahr vorbereitet und soll in diesem Jahr gestellt werden. Auch andere Initiativen und Akteure wie die Berliner Clubcommission seien eingebunden.

Was sich gewagt anhört, hätte im Erfolgsfall ganz handfeste Vorteile für Clubs und Partyveranstalter. Während es nach Dr. Mottes Einschätzung derzeit noch an Rücksicht von Investoren sowie am Verständnis von Politik und Behörden gegenüber der (elektronischen) Clubkultur mangelt, könnte die Einstufung als Kulturerbe eine veränderte Haltung herbeiführen – und obendrein mehr Rückhalt in der weniger Techno-affinen Bevölkerung schaffen. Bei Genehmigungen oder Bauanträgen hätten Clubbetreiber*innen ein Gegengewicht zu überzogenen Schall-, Brand- und Denkmalschutzauflagen in der Hand. Unabhängig vom Erfolg des Antrags, wird sich Rave the Planet ab sofort für den Erhalt von Clubs einsetzen.

Weitere Infos bekommst du auf der Webseite von Rave the Planet.

Mall of Berlin, Leipziger Platz 12, 10117 Berlin

Die "Mall of Berlin" hat eröffnet!

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