Massenflucht über Ungarn nach Deutschland

Tempelhof: Flüchtlinge kommen, Modemesse geht

Tempelhof: Flüchtlinge kommen, Modemesse geht
In die ehemaligen Hangars in Tempelhof sollen schon bald Flüchtlinge einziehen.
Platz der Luftbrücke - Der Senat hat einen Plan vorgestellt, was er angesichts der zusätzlichen Flüchtlinge aus Ungarn tun will. Die Modemesse Bread & Butter wurde abgesagt.

Nachdem tausende Flüchtlinge in Ungarn am Weiterreisen gehindert worden waren, strömen hunderte von Ihnen nun nach Berlin. Wegen der plötzlichen Entwicklung hat die Berliner Landesregierung neue Notmaßnahmen angekündigt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Sozialsenator Mario Czaja (CDU) und Innensenator Frank Henkel (CDU) traten deshalb gemeinsam bei einer ungewöhnlich kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Roten Rathaus auf: Bis zu 14.000 Flüchtlinge sind in Zügen aus Ungarn nach Deutschland unterwegs. Die Berliner Verwaltung erwartet in den nächsten 24 Stunden zusätzlich 1000 Flüchtlinge allein in der Hauptstadt. Darüber hinaus erreichen Berlin seit Wochen ohnehin jeden Tag 500 Männer, Frauen und Kinder. Sie alle wollen in Deutschland Asyl beantragen, die meisten der Flüchtlinge kommen inzwischen aus dem Nahen Osten.

Die geplanten Schritte des Senats in Kürze: Zelte sollen auf dem Gelände der schon mit Asylbewerbern belegten Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau errichtet werden. Zwei Hangars auf dem Flughafen Tempelhof sollen zu Notunterkünften werden, dort wollte der Online-Modehändler Zalando im Januar die von ihm übernommene Modemesse Bread & Butter veranstalten. Er verzichtet nun aber angesichts der neuen Entwicklungen auf diesen Termin. Man begrüße und unterstütze die dortige Unterbringung von Flüchtlingen, sagte ein Zalando-Sprecher dem Branchendienst „Textilwirtschaft online“. Zu dieser Situation passe aber keine Fashion-Party. „Deshalb werden wir die erste Bread & Butter in Tempelhof unter unserer Leitung erst im Sommer 2016 starten.“

Keine Denkverbote

Auch das frühere Landesbank-Gebäude in der Bundesallee in Wilmersdorf wird zur Erstaufnahmestelle. Es wurde am Mittag zu diesem Zweck beschlagnahmt. In dem Haus sind geschützte Wartebereiche und genug Tresore, in denen das auszuzahlende Bargeld gelagert werden kann. In dem Gebäude sollen Lageso-Mitarbeiter Flüchtlinge registrieren. Was eine mögliche Belegung des Internationalen Congress-Centrums (ICC) mit Flüchtlingen betrifft, sagte Müller, dürfe es keine Denkverbote geben. Mit Blick auf die Sicherheitslage – nicht nur im Bahnverkehr – dürfte Regierungschef Müller auch Innensenator Henkel dazu geholt haben: Henkel ist für Polizei und Ordnungsämter zuständig. Die Bundespolizeidirektion in Berlin bestätigte die erwarteten Zahlen vorerst nicht. „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, dass ein Zug mit einer größeren Zahl von Flüchtlingen nach Berlin unterwegs wäre“, sagte ein Sprecher, „wir stehen aber permanent in engem Kontakt mit den Kollegen aus Bayern und Sachsen, um reagieren zu können.“

Erst vor einigen Wochen hatte Sozialsenator Czaja mehr Befugnisse erhalten: Angesichts des Massenandrangs vor seinem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) konnte Czaja die Lage aber noch kaum verbessern. Vor dem Gebäude in der Turmstraße in Moabit herrschten aufgrund des großen Andrangs bis zuletzt teilweise chaotische Zustände. Jan Stöß, Landesvorsitzender der SPD, rief die Berliner in einer Pressemitteilung direkt dazu auf, durch Spenden und Arbeit mitzuhelfen: „Wir bitten die Berlinerinnen und Berliner um Unterstützung bei dieser großen Aufgabe. Es werden Sachspenden für die Erstunterbringung benötigt.“ Die Berliner hätten in den letzten Monaten bewiesen, dass die Stadt für Tolerenz, Offenheit und Mitmenschlichkeit stehe, so Stöß: „Beweisen wir es weiterhin!“


Quelle: Der Tagesspiegel

Flughafen Tempelhof, Columbiadamm 10, 12101 Berlin
XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Wohnen + Leben

Ausbildung + Karriere | Service | Wohnen + Leben

Werde freier Redakteur (m/w/d) bei QIEZ!

Dein Berlin. Dein Bezirk. Dein Kiez! Du erzählst gern selbst die Geschichten vor deiner Haustür […]
Wohnen + Leben

Döner essen und dabei Gutes tun

Seit 2012 versucht die Kampagne "One Warm Winter", junge Menschen für Obdachlosigkeit zu sensibilisieren. Gemeinsam […]
Ausbildung + Karriere | Wohnen + Leben

Plan B: Das Betahaus zieht um

Das Betahaus ist groß geworden, die Kinderschuhe zwicken – nächstes Jahr wird die Coworking-Location zehn […]