Rückläufer-Schule in Alt-Tempelhof

Schüler auf dem Abstellgleis?

Wohin mit den Rückläufern? Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg wagt einen Vorstoß.
Wohin mit den Rückläufern? Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg wagt einen Vorstoß.
Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will gescheiterte Gymnasiasten im kommenden Jahr an einem gesonderten Schulstandort unterbringen. Für Experten sind die Rückläuferklassen eine bildungspolitische Katastrophe.

Eine alternative Lösung musste her: Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat sich entschieden, die Schüler, die ihre Probezeit am Gymnasium nicht bestanden haben, an einem neuen Schulstandort zusammenzufassen. Die bis zu 100 betroffenen Kinder können wegen des Mangels an Plätzen nicht auf die bestehenden Sekundarschulen verteilt werden.

Zunächst hatte Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) mit dem Gedanken gespielt, spezielle Rückläuferklassen am Askanischen und Robert-Blum-Gymnasium anzusiedeln. Die Pläne wurden verworfen; nun soll ein leeres Schulgebäude in Alt-Tempelhof die Schüler aufnehmen, dies bestätigte Kaddatz gegenüber dem Tagesspiegel.

Bei dem ungenutzten Gebäude handelt es sich um die ehemalige Werner-Stephan-Schule. Sie galt lange als eine hervorragende Hauptschule, konnte sich vor zwei Jahren aber nur durch den Zusammenschluss mit einer Realschule zur Sekundarschule Ringstraße entwickeln. Die Schulfusion verlief nicht ohne Probleme. Verschiedene Schulkonzepte und Lehrerkollegien konnten nur mühsam auf einen Nenner gebracht werden.

Unnötige Schulschließung

Zwar sei man heute laut Kaddatz „auf einem guten Weg“, doch bei den ehemaligen Mitarbeitern der Werner-Stephan-Schule ist die Irritation über die geplante neue Sekundarschule groß. „Ich versuche, darüber gar nicht nachzudenken“, so die ehemalige Leiterin Hannelore Weimar. Heute ist sie Rektorin der Sekundarschule Ringstraße und berichtet, dass ihre Kollegen durch die neuen Pläne das Gefühl hätten, „auf die Rolle geschoben worden zu sein“.

Die Bildungsstadträtin unterstreicht dagegen, dass man vor zwei Jahren noch nicht hätte absehen können, wie groß die Nachfrage nach Sekundarschulplätzen heute sei. In diesem Fall wären die Standorte von Werner-Stephan- und Hermann-Köhl-Schule nicht geschlossen worden.

Während Kaddatz die Klassen der Rückläufer für „pädagogisch schwierig“ hält, versucht die Bildungsverwaltung, den speziellen Einrichtungen etwas Gutes aubzugewinnen. Sandra Scheeres (SPD), Bildungssenatorin, erklärte vor Kurzem, dass die Schüler in den Rückläuferklassen wenigstens eine gemeinsame Erfahrung teilen könnten. Bei ihrer Eingliederung in normale Sekundarschulklassen würde dieses Verständnis untereinander fehlen.

Problematisches Lern-Klima

Für aktive Lehrer und viele Experten sind die speziellen Klassen für gescheiterte Gymnasiasten jedoch eine „pädagogische Katastrophe“. „Solche Klassen machen Stress und sind eigentlich nicht beschulbar“, so Reiner Haag, ehemals Pädagoge an der Werner-Stephan-Schule. Gemeinsam mit seinen Kollegen fühle er sich vom Bezirk „verhöhnt und vom Schulträger betrogen“.

So negativ will Kaddatz die Lage nicht sehen. Die neue Schule bedeute eine „zweiten Chance“ für die betroffenen Kinder. Sie habe zudem bereits einen erfahrenen Schulleiter als Betreuer der neuen Schule gewinnen können. Angeblich handelt es sich dabei um den ehemaligen stellvertretenden Direktor der Kreuzberger Zelter-Hauptschule. Weil das Gebäude in der Wilhelmstraße als zu klein befunden worden war, musste auch sie sich mit einer anderen Einrichtung zur Sekundarschule zusammenschließen.

Verwaltungstechnisch wird die neue Schule in Alt-Tempelhof zunächst an die Theodor-Haubach-Sekundarschule angeschlossen. 740 Schüler haben im vergangenen Schuljahr die Probezeit am Gymnasium nicht überstanden. Die überwiegende Zahl von ihnen wird nach den Sommerferien aufgrund fehlender Sekundarschulplätze in 20 Rückläuferklassen zusammengefasst.


Quelle: Der Tagesspiegel

Schüler auf dem Abstellgleis?, Alt-Tempelhof 53, 12103 Berlin

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