• Mittwoch, 12. März 2014

Komparsin aus Tempelhof

Til Schweigers Liebling

  • Edelkomparsin
    Johanna Penski ist als Komparsin auch mit 85 noch sehr gefragt. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kai-Uwe Heinrich

Til Schweiger liebt sie, Leander Haußmann bucht sie immer wieder. Schon in 850 Filmen hat Johanna Penski mitgespielt. Und mit 86 Jahren ist die Edelkomparsin aus Berlin-Tempelhof noch längst nicht müde.

Es hat sich eigentlich nie jemand beschwert, wenn Johanna Penski gestorben ist. Sie wurde erschossen, wenn auch versehentlich, sie lag mal vornehm gekleidet tot auf einem französischen Bett, Konfekt neben sich, oder sie schied mit Herzschlag auf einer Toilette dahin. Nur die drei Feuerwehrleute motzten. Sie mussten die tote Penski aus einer Mülltonne hieven. "Mann, ist die schwer", brummten sie dem Mann entgegen, der die Szene lässig in seinem Lehnstuhl beobachtete. Doch der Regisseur grinste nur. Ein paar Sekunden später lag Johanna Penski auf der Erde, und die Szene war abgedreht. Klappe, nächste Einstellung.

Neun Leichen hat Johanna Penski bisher gespielt – die Szene mit den Feuerwehrleuten war für eine Folge der ZDF-Krimiserie "Der letzte Zeuge", damals noch mit Ulrich Mühe. Eigentlich ziemlich wenige Leichen für eine Frau, die in 26 Jahren in 850 Fernseh- und Kinofilmen aufgetreten ist. Die dauerhaft für die Serie "Soko Wismar" gebucht wird, die im "Baader-Meinhof-Komplex" auftaucht und die auch im "Tatort" eine Rolle besetzt hat. Aber Regisseure wie Leander Haußmann und Wim Wenders wollen sie lieber lebend. Sie schätzen Johanna Penskis Ausdrucksstärke, ihre Präsenz – deshalb buchen sie diese Frau aus Tempelhof immer wieder. Auch Til Schweiger hat sie längst entdeckt. "Zweiohrküken" und "Anderthalb Ritter" hat er mit ihr gedreht.

Sekundenauftritte mit Strahlkraft

Laut Drehplan ist Johanna Penski nur eine Statistin, eine Frau mit wenigen Sekunden Auftritt, mit kleinsten Nebenrollen, doch in Wirklichkeit gilt sie längst als Edelkomparsin. Sie hat diese Ausstrahlung, die schwer zu beschreiben ist, die einfach nur wirkt, auch in Sekundenauftritten. "Sie sind ein Naturtalent", hat ihr mal ein Regisseur gesagt. Deshalb ragt sie heraus aus der Masse der Mini-Darsteller. Momentan läuft sie bundesweit auf allen TV-Kanälen. Ein Kommunikationskonzern hat sie für einen langen Werbespot gebucht. Eine 86-Jährige.

Vielleicht liegt ihre Ausstrahlung an dieser Kombination. Markantes Kinn, wache, blitzende Augen, Falten, die sich in ihr Gesicht gekerbt haben, das herzliche Lachen, das sie jünger erscheinen lässt als sie ist. In ihrem Wohnzimmer lehnt an der Wand ein Plakat "80 Jahre Johannes Heesters". Mit Heesters hat sie zusammen "Anderthalb Ritter" gedreht. Sie eine "Eiserne Jungfrau" mit wallenden grauen Haaren, er der Mann, den diese Gestalt im Mittelalterkostüm anmacht.

Eine Flasche Wein von Til Schweiger

Bei diesem Film fiel sie Til Schweiger auf, der wollte sie später für "Zweiohrküken". Nachdem Johanna Penski dort ihre letzte Szene gedreht hatte, verkündete Schweiger: "Johanna ist abgedreht!" Die Crew klatschte, und Schweiger schenkte ihr eine Flasche Wein. Das Bild mit der Szene hängt in ihrem Flur.

Johann Penski holt eine Zigarrenkiste, sie hat dort Zeitungsausschnitte, Fotos, Briefe deponiert. Das ganze Archiv ihres Komparsenlebens. Sie spricht immer noch in diesem schwärmerischen Ton, als hätte sie gerade zum ersten Mal mit einem Star gedreht. "Dass ich die Chance hatte, mit so einem Mann zu drehen, ist ein so tolles Erlebnis." Die 86-Jährige holt noch ein Foto. Sie mit langen, grauen Haaren und Heesters, ebenfalls in Filmkleidung. Dazwischen Til Schweiger, und alle grinsen in die Kamera.

Es war ja nicht bloß Heesters. Bei Wim Wenders Film „In weiter Ferne so nah!“ trat Otto Sander auf sie zu. Johanna Penski mimte eine Blumenfrau, er wollte Rosen haben, sie fragte: "Soll ich sie einwickeln?" Im Film "Showmaster" mit Harald Juhnke war sie ebenso dabei wie beim Dreh mit Thomas Gottschalk.

Adresse

Tempelhofer Weg
Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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