• Montag, 23. Januar 2012

Die Columbiahalle in Tempelhof

Heikle Nachbarschaft

  • Columbiahalle
    Rund 3500 Personen finden hier in der heutigen C-Halle zwischen Tempelhof und Kreuzberg bei Konzerten, Messen oder Sport-Events Platz. Foto: kompakt - ©Christian Kourik

Typisch Berlin: Einen Steinwurf entfernt von einem alteingesessenen Club werden Eigentumswohnungen in modernen Neubauten verkauft. Ob das nicht irgendwann Krach gibt an der Columbiahalle?

Möglicherweise haben sie dieses Mal Glück. Die Beteiligten wirken jedenfalls, als seien sie wirklich darum bemüht. Dabei hat das Szenario an der Grenze zwischen Tempelhof und Kreuzberg fast schon einen vertrauten Anstrich. Auf der einen Seite: der C-Club und die C-Halle, die über Berlins Grenzen hinaus früher unter dem Namen Columbiahalle bekannt waren. Zusammen ein gefragter Veranstaltungsort, vor allem für Konzerte. Auf der anderen Seite: ein riesiger Neubau in unmittelbarer Nähe. 220 Eigentumswohnungen entstehen hier, dazu 21 Gewerbeeinheiten, die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Im Juli 2012 sollen Mieter in den sechsgeschossigen Neubaukomplex einziehen, der die Konzerthallen zwischen Schwiebusser Straße, Columbiadamm und Friesenstraße L-förmig umschließt.

Droht damit eine Fortsetzung des Clubsterbens in Berlin? Werden sich die Mieter in den Neubauten über zu laute Musik und Lärm beschweren? Das Icon und das Knaack mussten bereits schließen, weil Anwohner über andauernde Lärmbelästigung klagten. Der Geschäftsführer der C-Halle, Norbert Döpp-Veidt, gibt sich ganz diplomatisch: "Ich bin zuversichtlich, dass eine vernünftige, gemeinsame Lösung gefunden wurde“, sagt er.

Die Umbauten zum Lärmschutz kosten die C-Halle 350.000 Euro

Von Beginn an, erzählt Döpp-Veidt, sei er in die Planung involviert gewesen. 15 Treffen mit den neuen Eigentümern und mit Vertretern des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg habe es gegeben. "Nach einem ausführlichen Lärmschutzgutachten hat jede Partei Auflagen erhalten“, so Döpp-Veidt. Für die C-Halle bedeutet das: eine neue Lüftungsanlage, neue doppelwandige Entlüftungsklappen, um die Emission von Bässen zu minimieren und den Bau einer Ladehalle für LKW, alles zusammen für 350.000 Euro.

Bisher nämlich war vor allem das Aufladen von Bühnenequipment auf Lkw im Hof regelmäßig mit einer gewissen Lautstärke verbunden. "Gegen mögliche Lärmbelastung durch an- und abreisende Besucher können wir allerdings nicht viel tun. Die meisten Gäste kommen zum Glück mit der U-Bahn und nicht mit dem Auto“, sagt Döpp-Veidt. Das ist schon viel wert, denn in der Halle ist Platz für 3.500 Besucher, im Club für immerhin 800.

Eine Lärmschutzwand und ein Quartierspark sollen den Geräuschpegel niedrig halten

Obwohl die Gespräche von Beginn an einvernehmlich verliefen, ist Döpp-Veidt lieber auf Nummer sicher gegangen. Gegen jede Baumaßnahme rund um C-Halle und -Club – einst Sporthalle und Kino der US-Luftwaffentruppen – hat er erst einmal Widerspruch eingelegt. "Wir wollten so sicherstellen, dass die Gegenseite ihrerseits alle Lärmschutzauflagen erfüllt.“ Das betrifft insbesondere eine zehn Meter hohe Lärmschutzwand, kombiniert mit Gewerbeeinheiten. Die Wand soll das Konzertareal und das zukünftige "Stadtquartier Friesenstraße“ voneinander trennen. Sie ist vier Meter höher als die C-Halle. Damit die Bewohner der unteren Neubauetagen nicht direkt die Mauer im Auge haben, wenn sie aus dem Fenster schauen, entsteht ein stellenweise 40 Meter breiter Quartierspark.

Barbara Rolfes-Poneß von der Projektentwicklungsgesellschaft Stadtquartier Friesenstraße sagt dazu: "Es ist uns als alteingesessenen Kreuzbergern sehr wichtig, niemanden zu vertreiben.“ Die Gesellschaft hat das 18.000 Quadratmeter große, zuvor kleingewerblich genutzte Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben, in 15 Parzellen unterteilt und an Bauträger, Baugemeinschaften und eine Genossenschaft weiterverkauft. Es sei sogar überlegt worden, die neuen Bewohner vertraglich zu verpflichten, zukünftig nicht gegen die C-Halle zu klagen. Das sei jedoch juristisch nicht machbar, sagt Rolfes-Poneß." Aber 80 Prozent der zukünftigen Bewohner kommen aus dem Kiez. Sie wissen genau, wo sie einziehen und schätzen die C-Halle als Kulturstandort.“

Nicht alle sind optimistisch

Für den Verkauf der Eigentumswohnungen sei keine Hochglanzbroschüre unters Volk gebracht und keine fesche Homepage geschaltet worden. Stattdessen sei der Verkauf überwiegend durch Mund-zu-Mund-Propaganda in Kitas, Schulen und Sportvereinen ins Rollen gekommen. "Die Nachfrage gerade von Familien aus Kreuzberg war riesig“, so Rolfes-Poneß. Bei vielen scheine ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis eine große Rolle zu spielen – zu bezahlbaren Preisen Eigentumswohnungen im eigenen Kiez zu bekommen, bevor man selbst verdrängt werde.

Während Döpp-Veidt und auch der Geschäftsführer des C-Clubs, Thomas Spindler, optimistisch in die Zukunft schauen, wirkt Harmen de Keijzer eher besorgt. Er ist der Betreiber des schräg gegenüberliegenden Clubs Silverwings auf dem Gelände des Tempelhofer Flughafens, in dem in den siebziger Jahren sogar einmal Johnny Cash aufgetreten ist. "Unsere Gäste gehen nicht in Pantoffeln nach Hause. Da muss nur mal der Wind falsch stehen oder jemand eine Flasche fallen lassen“, befürchtet de Keijzer. Seit 1998 betreibt er den ehemaligen Offiziersclub der amerikanischen Luftwaffe. Noch nie, sagt er, habe er es in 13 Jahren mit einer Anzeige wegen Lärmbelästigung zu tun gehabt.

Columbiahalle

Columbiadamm 13-21
10965 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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