Tempelhofer Feld

Viele kleine Wünsche für den ehemaligen Flughafen

Viele kleine Wünsche für den ehemaligen Flughafen
Raum für Ideen: 300 Hektar groß ist das einstige Flugfeld in der Berliner Innenstadt.
Tempelhofer Feld - Schafe, Kino im Rosinenbomber und eine Mini-Straße für Harald Juhnke: Auf einer Internetplattform haben Bürger Ideen zur Zukunft des Tempelhofer Feldes entwickelt.

Valentins Wunsch hat sicher gute Chancen. Wer sollte etwas dagegen haben, dass ein Kaffeeverkauf und ein Falafelstand auf vier Rädern übers Tempelhofer Feld ziehen? „Es gibt einen Falafelmann im Görlitzer Park mit einem Bollerwagen, ich könnte ihn überreden, umzuziehen“, schreibt Valentin im Online-Diskussionsforum zur Gestaltung des einstigen Flugfeldes. Eine Mutter fügt noch „Wichtiges“ hinzu. Ihr Sohn wünsche sich einen Eiswagen, der im Sommer auf der früheren Startbahn Station macht.

Das sind nur zwei von rund 230 Vorschlägen, die Berliner seit November auf der Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter dem Motto „Platz für Ideen“ eingetragen haben. Am heutigen Sonntag ist dies zum letzten Male möglich. Die Bürger beteiligten sich ganz im Sinne des per Volksentscheid durchgeboxten Gesetzes zum Erhalt des Tempelhofer Feldes. Dieses sieht vor, dass für die zukünftige Entwicklung und Pflege der Freiflächen ein detaillierter Plan erstellt werden soll, und zwar „partizipativ“. Was bedeutet: Möglichst viele Berliner sollten Anregungen beisteuern und gleich online untereinander diskutieren. Dabei sind allerdings nur kleinere Wünsche und behutsame Eingriffe wie mehr Bänke oder schattenspendende Bäume gefragt. Ansonsten setzt das Tempelhof-Gesetz enge Grenzen.

Wie geht’s weiter auf dem Feld?

Wie geht der Beteiligungsprozess nun weiter? Die Senatsverwaltung und der Bund für Umwelt und Naturschutz werden in der nächsten Phase alle Vorschläge zusammenfassen, aufbereiten und eine Rankingliste erstellen, welche Ideen die meiste Zustimmung im Forum fanden. Das Ergebnis soll am 23. April auf einer Infoveranstaltung vorgestellt werden. Anschließend will man die einzelnen Anregungen bis Juni in öffentlichen „Werkstätten“ diskutieren. Danach folgt die letzte Phase: Der Gestaltungs- und Pflegeplan wird nun konkret festgelegt, gleichfalls zusammen mit den Bürgern. Ende September 2015 soll dies abgeschlossen sein – und das Tempelhofer Feld dann den letzten Schliff erhalten.

Auf den ersten Blick erscheint die Zahl von 230 Vorschlägen dürftig. Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die vorhandenen Einträge ein breites Interessenspektrum abdecken und sich wesentlich mehr Menschen an der Diskussion der einzelnen Ideen beteiligt haben. Und das oft höchst kontrovers. Selbst die Anregung, ein paar Kirschbäume als „blühendes visuelles Ereignis“ zu pflanzen, regt andere auf. Das visuelle Erlebnis in Tempelhof sei doch, „dass hier ausnahmsweise mal keine Bäume im Blick stehen!“, setzt jemand dagegen.

Streitpunkt Natur. Viele wünschen es sich offenbar noch ein bisschen ländlicher auf dem freien Feld. Ein User fände es „schön“, wenn ein Schäfer seine Herde grasen ließe, bekommt aber gleich die Abfuhr: „Dann wären die Wiesen nicht mehr für uns da.“ Eine mystisch veranlagte Gruppe will ein Labyrinth mit Mohnblüten anpflanzen und darin meditieren. „Dafür das schöne Feld verhunzen?“, fragt ein Gegner. Und die Besitzer der Allmende-Gärten, deren kunterbunte Pflanzen am Ostrand des Feldes in Kisten und Bottichen gedeihen, regen an, ihr Refugium des „glücklichen Gärtners“ noch etwas auszudehnen. „Zu exklusiv“, lautet das Kontra. Die Warteliste für so ein Gärtchen sei schon jetzt zu lang.

Begeisterung löst dagegen die skurrile Idee aus, zu Ehren von Schauspieler Harald Juhnke symbolisch eine 2,5 Meter lange Straße ohne Anfang und Ende anzulegen. Es müsse keine bestehende Straße nach ihm benannt werden, heißt es. „Der menschgewordene Sonderweg sollte einen besonderen Weg bekommen.“

Und was wird noch so vorgeschlagen? Zum Beispiel eine legale Graffitiwand, eine Open-Air-Bühne, mehr Spielfelder für Baseball und Softball. Oder ein begehbares Passagierflugzeug zur Erinnerung an die Geschichte des Flughafens, am besten einen Rosinenbomber, in dem Filme über die Luftbrücke gezeigt werden wie in der „Hastings TG-503“-Maschine des Alliiertenmuseums in Zehlendorf.

Auch mehr Events stehen auf der Wunschliste. Etwa eine „Nacht im T-Feld“ nach dem Vorbild der Fête de la Musique zum gemeinsamen Grillen und Feiern. Oder ein Teleskoptreffen für Hobbyastronomen. Andere Beiträge sind bescheidener. „Licht“ heißt es da schlicht – also ein paar Lampen für die Dämmerung. Und es melden sich auch die Totalverweigerer zu Wort. „Einfach mal nichts tun! Ist schwer, ich weiß“, schreibt einer. Der Charme des Feldes sei dessen Stillstand. „Es sollte absolut nichts verändert werden.“

Die Ideenbörse im Internet: www.tempelhofer-feld.berlin.de


Quelle: Der Tagesspiegel

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Tempelhofer Feld

Blick aufs Tempelhofer Feld.

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