Tennisclub Mitte

Unfaires Senatsspiel: cooler Kiez-Verein vor dem Aus

Unfaires Senatsspiel: cooler Kiez-Verein vor dem Aus
Auch jenseits von Bling-Bling wird Tennis gespielt wie im Verein TC Mitte.
Der weiße Sport ist snobistisch? Im Multi-Kulti-Verein TC Mitte nicht! Hier trainieren große und kleine Menschen aus aller Welt und allen Schichten. Nun soll der jugendfördernde Verein gegen eine Schule ausgespielt werden, auf die niemand mehr gehen wollte…

Als die Nachricht der drohenden Schließung den Tennisverein Berlin-Mitte Albert Gutzmann e.V. erreichte, herrschte Fassungslosigkeit. Wieso soll eine Institution verschwinden, die seit Jahrzehnten beste Arbeit im sozialen Brennpunkt leistet, um einer Schule Platz zu machen, die aufgeben musste, weil die Kinder ausblieben? Der kleine Zipfel Mitte direkt an der Grenze zu Kreuzberg war bisher eher ein vergessener Ort. Die Anwohner, die sich vom wachsenden Drogenmilieu nicht vertreiben lassen wollten, sind am Ende vor der Vielzahl aufploppender Hostels und deren lärmenden Gästefluten geflohen. Die wenigen verbliebenen Kinder will man schon lange nicht mehr in dieser Gegend einschulen und shuttlet den Nachwuchs lieber zu umliegenden Lehranstalten. Der Verein aber gibt nicht auf trotz ständiger Einbrüche, Vandalismus und Randale. Im Gegenteil. Man zeigt sich immer offen und so wundert es nicht, dass hier Hipster neben Hartz-4-Empfängern und Unternehmer mit kreativen Freiberuflern und Studenten spielen: eine bunte Mischung aus 27 Nationen, die das Kiezleben bereichert.

Nun soll also die Schule an der Adalbertstraße nach elf Jahren wiederbelebt werden, obwohl sie dereinst trotz engagiertem Schulleiter und sehr zentraler Lage nicht einmal Eltern aus dem Einzugsgebiet überzeugen konnte. Abgesehen davon, dass die Gelder, die für diese Sanierung vom Senat aufgebracht werden müssen, auch in anderen (laufenden!) Schulbetrieben in Berlin dringend benötigt werden… Einstürzende Gebäude, marode Sanitäranlagen und mangelhafte Ausstattungen sind ja längst gang und gäbe in den hauptstädtischen Lehranstalten. Während also der Senat ungeschickt mit Sportäpfeln und Schulbirnen jongliert, hat der Verein sich schon vor über einem halben Jahr mit der Bezirksverordnetenversammlung darauf geeinigt, die jetzt so umstrittenen Außenplätze der künftigen Schule zur Mitnutzung zur Verfügung zu stellen. Insofern zeigt sich das Willkommenskonzept des bodenständigen Vereins als absolut konsequent. Auch haben sich Architekten, die als Mitglieder des Vereins verständliches Eigeninteresse haben, die Mühe gemacht, die Flächen zu berechnen und einen Plan zu skizzieren, wie die vierzügige Grundschule inklusive Schulhof und der Verein auf dem Gelände unterzubringen wären. Unter Einhaltung sämtlicher Auflagen, Mindestflächen und sonstiger Vorgaben versteht sich.

 

Ein Beitrag geteilt von Caleb (@calebmeyer05) am Mai 25, 2017 um 10:57 PDT

Abgesehen von der wachsenden Schülerzahl in ganz Berlin und den fehlenden Schulplätzen, ist das Unterangebot an Sportstätten ein echtes Problem – gerade im Bezirk Mitte. Befürworter des kooperativen Vereins finden sich entsprechend in den Reihen der Sportverbände und sogar der Politik, gilt der Vereinssport doch als wesentliche Stütze des gesellschaftlichen Lebens. Das meint auch Felix Rewicki vom Tennis-Verband Berlin-Brandenburg. Er lobt das zukunftsweisende Konzept des Tennisclubs Berlin-Mitte, die Jugendarbeit und die Inklusion, die hier geleistet wird – nicht zuletzt durch die Förderung von Hörbehinderten im Tennissport. Mittes Schulstadtrat Christian Spallek von der CDU, der die Pläne des Senats vollstrecken soll, möchte dem Verein den Todesstoß nicht versetzen und schlägt vor, dass auch im Architektur-Wettbewerb des Senats die Frage geklärt werde, ob eine gemeinsame Flächennutzung von Schule und Verein nicht möglich wäre. Immerhin liegen ja durchaus realisierbare Lösungsvorschläge professioneller Kollegen aus dem TC Mitte bereits vor.

Der Ball bleibt also weiter im Spiel. Das Kräftemessen zwischen Bezirksstadtrat Christian Spallek und Senatsbaudirektorin Regina Lüscher ist dabei ebenso spannend wie bedrückend. Am Ende geht es hoffentlich allen um das Wohl von Kindern. Im Sportverein wie in der Schule und auch in der Politik. Es wäre doch zu schade, wenn es keinen Weg gäbe, alle an einem Strang ziehen zu lassen…

Wer es nicht schafft in der Melchiorstraße vorbeizugehen, um mit seiner Unterschrift den Verein zu retten, kann auch online einen Unterschriftenbogen ausdrucken, mit Freunden und Nachbarn zusammen ausfüllen und an den TC Mitte schicken.

TC Berlin-Mitte Albert Gutzmann e.V., Melchiorstraße 19, 10179 Berlin

Telefon 030 27593533

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