Theater in Schöneberg

Märchen und Realität

Siegfried Heinzmann und Barbara Kilian auf der Bühne des Theaters Hans Wurst Nachfahren.
Siegfried Heinzmann und Barbara Kilian auf der Bühne des Theaters Hans Wurst Nachfahren.
In Schöneberg überwiegen die kleinen, aber feinen Bühnen – das Jugendtheater ist in dem Stadtteil besonders stark vertreten.

Wer das Nachtleben von Schöneberg genießen will, dem geht es meist nicht in erster Linie ums Theater. Der Stadtteil lebt von seinem Ruf, vor allem rund um den Nollendorfplatz. Dort stand einst das „Neue Schauspielhaus“, auch als „Theater am Nollendorfplatz“ bekannt. Ein Ort der leichten Unterhaltung, der Operetten, das eine kurze, provokante Phase hatte, als Erwin Piscator sein politisches Theater auf der Drehbühne inszenierte. Im Anschluss kamen die Operetten wieder, bis die Bomben fielen. Heute heißt das Ex-Theater „Goya“ und erinnert daran, dass es eine harte Nuss sein kann, mit Amüsement Geld zu verdienen.

Doch ehe man unter dem Regenbogen in die Schöneberger Version des Nachtlebens abtaucht, bietet der Bezirk durchaus Möglichkeiten theatraler Abendunterhaltung. Im Gegensatz zu den klassischen Theaterstandorten geht es hier meist recht intim zu. Das „Scheinbar kleinste Theater Berlin“, seit 1984 ein Ziel für Freunde moderner Kleinkunst, ist tatsächlich ein Laden in Wohnzimmergröße an der Monumentenstraße. Die Veranstaltungen laufen unter dem Namen „Scheinbar Varieté“ – und jeden Donnerstag ist die Bühne für Amateur-Comedians geöffnet.

Vielleicht hat die Nähe zu diesem traditionsreichen Ort der Berliner Komik zum Entschluss der O-Ton-Piraten beigetragen, in Schöneberg ein eigenes Theater zu gründen. Die „Bundesligatruppe der Playbackshows“ zieht seit zehn Jahren mit Erfolg durchs Land – und erfüllte sich zum Jubiläum den Traum von einer kleinen Bühne in Schöneberg, mitten im Kiez. O-Ton-Pirat André Fischer erzählt, im Theater gäbe es nicht nur Show und Comedy, sondern auch anspruchsvolles Kindertheater. Auch für die reifere Generation seien interessante Veranstaltungen in dem kleinen Theater geplant. „Was Dieter Hallervorden in Steglitz, wagen wir nun in Schöneberg“, verspricht der Theatermacher. Quietschbunte Playback-Shows als Theatermotor: seit gut zwei Jahren in der Kulmer Straße 20.

Schwerpunkt Jugend

Schöneberg ist eine Hochburg des Berliner Kinder- und Jugendtheaters. Das Theater Strahl ist seit 1987 mit smartem Volkstheater für Jugendliche mit von der Partie. Ein überaus engagiertes Team inszeniert nach akribischer Recherche Stücke, die von den Perspektiven, Fähigkeiten, Wünschen und Ängsten der jungen Generation handeln. Dazu gehören Stücke über Sucht, Mobbing und Aids ebenso wie eine moderne Fassung von „Romeo und Julia“. Das Theater Strahl bespielt das Kulturcentrum „Die Weiße Rose” und die Open-Air-Bühne im Theatergarten am Wartburgplatz in Berlin-Schöneberg – und freut sich über 30.000 Zuschauer im Jahr, viele unter ihnen Theaterneulinge.

Barbara Kilian und Siegfried Heinzmann setzen seit 29 Jahren mit fachlich versierter Dramaturgie Puppenspiel für alle Altersgruppen um. Seit 1993 bespielt ihre Truppe „Hans Wurst Nachfahren“ ein leuchtend gelbes Haus am Winterfeldtplatz und pflegt das für das Puppentheater eher seltene Ensemblespiel. Das selbst entwickelte Repertoire umfasst 20 Stücke, darunter Adaptionen von bekannten Märchen, Puppenmusicals und komplett eigene Stücke. Damit haben sich die „Hans Wurst Nachfahren“ ein treues Stammpublikum erspielt.

Die Urania, der alte Volksbildungstempel, bietet mittlerweile ebenfalls der Komik eine Bühne und hat neben ihren Vorträgen eine Comedy-Reihe im Programm. Die Schöneberger Lust aufs Theater scheint nichts aufzuhalten.
 


Quelle: Der Tagesspiegel

Hans Wurst Nachfahren, Gleditschstr. 5, 10781 Berlin

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