Interview

Trost und Besinnung

Trost und Besinnung
Ölberg auf dem Luisenkirchhof III
Westend - Thomas Höhne ist der Kirchhofverwalter und Landschaftsarchitekt der Luisenkirchhöfe in Charlottenburg. Mit viel Einfühlungsvermögen kümmert er sich um die letzte Ruhestätte der Gemeinde und unterstützt Hinterbliebene bei der Auswahl eines geeigneten Platzes.

Herr Höhne, was ist das Besondere an den Luisenkirchhöfen?

T.H.: „Auf zwei Hektar haben wir am Fürstenbrunner Weg den ‚Kirchwald Charlottenburg‘ mit vielen unterschiedlichen Landschaftsformen geschaffen. Hier gibt es die Möglichkeit einer Waldbestattung. Ein  Vorteil zu sogenannten Friedwäldern ist, dass die Verbliebenen nicht erst aus der Stadt herausfahren müssen. Außerdem ist der Kirchwald zu jeder Jahreszeit begehbar, auch bei Eis und Schnee.“

Haben Sie einen Lieblingsort auf dem Friedhofsareal?

T.H.: „Das historische Grabmal auf dem neu angelegten Ölberg mit Blick auf die alte Eibe finde ich besonders schön. Dieses Stück Land haben wir dem Garten Gethsemane in Jerusalem nachempfunden. Dafür haben wir Ölweiden, duftende Rosen und Grabsteine aus Jerusalem-Kalk verwendet. Das ist einer dieser Orte, die einen zur Ruhe kommen lassen.“

Wie sucht man eine künftige Grabstelle aus?

T.H.: „Die Menschen kommen her und ich zeige ihnen bei einem Rundgang die Möglichkeiten für eine letzte Ruhestätte. Das kann manchmal zwei Stunden oder auch nur eine halbe Stunde dauern. Ich nehme mir so viel Zeit wie nötig – höre zu, nehme Anteil und  versuche ein Gespür dafür zu bekommen, was sie sich wünschen.“

Dann sind Sie auch Seelsorger?

T.H.: „Das bleibt in meinem Beruf nicht aus. Ich kann einfach schweigend mit jemandem über den Friedhof laufen, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber braucht diese Ruhe. Oder aber ich höre über lange Zeit aufmerksam zu.“

Muss man Kirchenmitglied sein, um hier bestattet zu werden?

T.H.: „Gar nicht. Konfession und Angehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft spielen dafür keine Rolle. Ein Friedhof soll ein Ort sein, der die Seele berührt und an dem auch überraschende Jesus-Begegnungen möglich sind.“    


Quelle: kompakt

Luisenkirchhöfe, Fürstenbrunner Weg 37-67, 14059 Berlin

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