Berliner Unterwelt

Gas aus dem Tiefsee-Speicher

Viele Berliner nutzen Gas zum Heizen und Kochen. Ein großer Teil der Energiequelle stammt aus unterirdischen Lagerstätten, u.a. aus Spandau.
Viele Berliner nutzen Gas zum Heizen und Kochen. Ein großer Teil der Energiequelle stammt aus unterirdischen Lagerstätten, u.a. aus Spandau.
Vor 40 Jahren wurde tief im Spandauer Boden nach Rohstoffvorkommen gesucht. Alles, was die Geologen fanden, war jedoch speicherfähiger Sandstein - der sich im Nachhinein als Segen für die Gasversorgung der Stadt entpuppte.

Statt wie erhofft Erdöl oder -gas aus 4039 Meter Tiefe ans Tageslicht zu befördern, stieß man tief unter Spandau vor einigen Jahrzehnten auf speicherfähige Sandsteinlagen. Aus Angst vor einer neuerlichen Blockade des Westteils der Stadt beschloss man, die Schichten als Gasspeicher zu nutzen.

20 Jahre später ging die Speicheranlage in einem Kilometer Tiefe in Betrieb – und hat trotz Wiedervereinigung nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt. Der Gasspeicher kann Liefer- und Preisschwankungen ausgleichen. „Jetzt im Sommer wird Erdgas mithilfe starker Kompressoren eingelagert“, beschreibt der Leiter der Anlage Holger Staisch das Vorgehen.

„Das Gas wird in die Poren des Sandsteins gedrückt und verdrängt dabei Wasser, das sich normalerweise in den Schichten befindet, an den Rand.“ Höhergelegene Salz- und Tonschichten verhindern ein Verflüchtigen des Gases. „Wir haben zahlreiche Messgeräte an der Oberfläche und in den Deckschichten, die zeigen uns: Der Speicher hält dicht.“

Winterliche Wärmegarantie

Durch dreizehn, je zehn Zentimeter dicke Rohre wird das Gas im Winter entnommen. Nur etwas mehr als die Hälfte der zulässigen Speichermenge werde laut Staisch dabei genutzt. 40 Prozent des gespeicherten Gases, insgesamt eine Milliarde Kubikmeter, bleibt unangetastet. Solle mehr gefördert werden, müsse man weitere Technik in Anspruch nehmen und zusätzliche Bohrungen vornehmen, dies werde derzeit aber nicht geplant, so Staisch. Die umliegenden Speichergebiete könnten die Versorgung Berlins auch ohne eine zusätzliche Förderung in Spandau gewährleisten.

Durch die Gaseinlagerungen im Untergrund wölbe sich sogar der Hauptstadtboden, erklärt Staisch. Hoch empfindliche Messgeräte haben  einige Zentimeter Bodenbewegung ans Licht gebracht. „Allerdings wurden solche Bewegungen auch schon vor der Inbetriebnahme gemessen – vermutlich spielen Schwankungen des Grundwasserspiegels ebenfalls eine Rolle.“ In jedem Fall seien Hebung und Senkung so gering, dass für Gebäude oder Gleisanlagen keine Gefahr bestünde, so der Gas-Experte.

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Quelle: Der Tagesspiegel

Gas aus dem Tiefsee-Speicher, Glockenturmstraße 18, 14053 Berlin

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