• Freitag, 10. Juli 2015
  • von Eve-Catherine Trieba

Kupferstichkabinett

So lockt man keinen Hund hinter'm Ofen vor

  • Adolph Menzel: Spannhund und Katze (aus dem Kinderalbum), 1863/83.
    Adolph Menzel: Spannhund und Katze (aus dem Kinderalbum), 1863/83. Foto: externe Quelle - ©Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Foto: Jörg P. Anders

Kulturforum - In den Sommermonaten widmet sich das Kupferstichmuseum erneut einem publikumswirksamen Thema. Nach der Schau "Wir gehen Baden!" von 2014 geht es in der aktuellen "Sommerausstellung" um Hunde und ihre Darstellung in der Kunst. Was sich spannend anhört, wird im Ergebnis leider allzu konservativ aufbereitet, findet QIEZ-Redakteurin Eve-Catherine Trieba.

Als interessierte Hundehalterin hätte meine Erwartungshaltung in Bezug auf die aktuelle Sonderausstellung "Wir kommen auf den Hund!" im Kupferstichkabinett kaum größer sein können. Was könnte man mit solch' einer Schau alles aufbereiten. Wie und warum sich die Gestalt des Hundes in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat. Welche Beziehung verschiedene Künstler zum ältesten Haustier des Menschen hatten. Oder wie sich die Aufgaben des Hundes in verschiedenen Epochen verändert haben.

Verhagen der Stomme: Wasserhund, 16. Jhr. (c) SMB / Jörg P. Anders Verhagen der Stomme: Wasserhund, 16. Jhr. (c) SMB / Jörg P. Anders
Das alles, wünscht man sich, modern in Szene gesetzt und mit vielen Infos, die vielleicht auch hundeinteressierte Menschen noch überraschen. Die hohe Erwartungshaltung ist nicht ganz unbegründet. Schließlich wird die Ausstellung angekündigt als Sommerschau, die "besonders attraktive und populäre Themen der Kunst- und Kulturgeschichte" präsentieren möchte. Wobei "humoreske und ironische Züge" nicht zu kurz kämen.

Was den Besucher dann aber tatsächlich erwartet, ist ernüchternd altmodisch. In einem einzigen Raum werden Abbildungen von Hunden aus fünf Jahrhunderten präsentiert. Aufgeteilt ist das Ganze in die Kapitel "Ein Bild von einem Hund", "Hunde, Hunde überall", "Künstler, Kunst und Hunde", "Viele Hunde sind des Hasen Tod" sowie "Das Tier und wir. Herrchen, Frauchen, Kind und Hund". Dazu ein paar erläuternde Texte an der Wand. Und das war's.

Ziemlich lieblos

Lediglich das Gefühl, die historischen Originale vor sich zu haben, macht das Ganze noch ein bisschen spannender als den Ausstellungskatalog. Doch alles in allem drängt sich der Verdacht auf: Hier werden mit einem netten Thema Besucher angelockt, die sich dann mit einer trockenen und nicht zu aufwändigen bzw. nicht zu teuren Schau zufrieden geben müssen.

Ponce: Unschuld bewacht von der Treue, um 1770. (c) SMB / Volker-H. Schneider Ponce: Unschuld bewacht von der Treue, um 1770. (c) SMB / Volker-H. Schneider
Thematisch in die Tiefe geht man auch nicht sonderlich. Der Betrachter wird mit den ausgestellten Bildern dafür ziemlich allein gelassen.

Glücklicherweise schaffen es ein paar Werke auch ohne großes Brimborium, einen nachhaltigen Eindruck beim Museumsbesucher zu hinterlassen. Unser trauriges Titelbild "Der Spannhund und die Katze" von Adolph Menzel etwa. Oder "Die Unschuld bewacht von der Treue" aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zu anderen Bildern und Themenbereichen wünscht man sich dagegen mehr Input. Etwa zur Bedeutung der Jagdhunde für die höfische Gesellschaft, zum tradierten Blick auf die Beziehung zwischen Hund und Kind oder den veränderten Schönheitsidealen beim Vierbeiner. Wer darüber mehr erfahren möchte, wird das Kupferstichmuseum recht unbefriedigt verlassen.

Zu sehen ist die Sommerausstellung "Wir kommen auf den Hund!" noch bis zum 20. September 2015.

Kupferstichkabinett

Matthäikirchpl. 8
10785 Berlin

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Quelle: QIEZ
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