Italiener in Steglitz

Altvertrautes erstklassig interpretiert

Toni's Ristorante
Zu Besuch in Toni's Ristorante: Frische Antipasti, gegrillte Hühnerbrust mit Pfifferlingen und ein Grappa aufs Haus versetzen Gastro-Kritikerin Elisabeth Binder in Nostalgie-Seligkeit.

Manche Restaurants haben so eine Aura, die sich dem zufälligen Passanten mitteilt, die ihn lockt und begleitet und ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Toni’s Ristorante ist so ein Beispiel. Das liegt vielleicht an dem schönen Sommergarten. Die sauberen, rot-weiß gewürfelten Tischdecken wirkten schon anheimelnd genug. Aber darauf befanden sich auch noch große Schalen mit Früchten und Gemüse. Auf unserem Tisch türmte sich ein großer Berg Zitronen auf einer Porzellanplatte im Toskana-Stil und signalisierte Fülle und Sommer.

Ein Windlicht brannte dazu, und die Sommerbrise sang Mignons Lied vom Land, wo die Zitronen blühen. Es gab sogar ausreichend flotte Kellner. Auch innen ist „Toni’s“ ganz schön eingerichtet, luftig-weiß mit bequemen Stühlen und modernen Bildern. 

Gelungener Einstieg

Zart und gleichzeitig würzig schmeckte die gegrillte Hühnerbrust mit einer großzügigen Portion gut gebratener kleiner Pfifferlinge. Dazu gab es einen Beilagenteller mit Kartoffeln, Karotten und Brokkoli (15 Euro). Die gemischte Fischplatte ist ebenfalls ein Klassiker, war hier erstaunlich, ja, fast erschreckend reichlich portioniert, mit einer großen Garnele und mächtigen Filetstücken von Lachs und Zander, Seeteufel und Loup de Mer. Das war fast zu großzügig für den Preis, gut gemacht, zart auch, aber dass alle Fische zugleich gerade aus dem Wasser gesprungen waren, diesen Eindruck konnte man nun nicht haben. Die Qualität der Stücke auf dem Teller war zwar unterschiedlich, aber insgesamt doch ganz gut. Dazu gab es vom Öl glänzenden guten Spinat und Röstkartoffeln (18,50 Euro). Und natürlich Zitrone. Weniger Fisch, aber dafür ein Dip dazu, wäre auch eine gute Idee gewesen.

Anständiges Preis-Leistungs-Verhältnis

Zum Nachtisch teilten wir die Dessertplatte, die es anstandslos mit jeweils zwei Löffeln und Gabeln gab. Auch hier fanden wir eine reichhaltige Auswahl vor, in der Mitte thronte ein schöner Würfel Tiramisu mit köstlichem Schokoladenabschluss, ringsum gab es Tartufo in einer hellen und einer schokoladig-dunklen Variante, außerdem Cassata und Erdbeeren (7 Euro). Die Weinkarte ist nicht über die Maßen lang, aber vom Chef selber gut sortiert. Der Prosecco perlte kalt und einwandfrei im Glas, vorhanden wäre auch die moderne Rosé-Variante (5,40 Euro).

Die rot-weißen Tischtücher machen Appetit auf Rotwein, vielleicht weil sie an die bauchigen Korbflaschen erinnern, in denen sich die deutsche Italien-Liebe der frühen Jahre manifestierte. Wir tranken einen leichten 2009er Sangiovese (19 Euro). Dass es noch den Grappa aufs Haus gab, verstärkte die Nostalgie-Seligkeit, in die uns die ganze Atmosphäre versetzt hat. Zu der zählte durchaus auch ein anständiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Man will ja nicht immer Veränderung, Abenteuer und Szeniges. Es gibt Tage, da reicht das Altvertraute völlig aus, besonders wenn es erstklassig neu interpretiert wird. Sicher könnten sie am Fischgericht noch etwas feilen, die Qualität schwankt vermutlich immer, wenn das Budget für den Wareneinsatz nicht nach den Sternen greift.


Quelle: Der Tagesspiegel

Toni's Ristorante, Bornstraße 5, 12163 Berlin

Telefon 030-85076799

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Montag bis Sonntag von 16 bis 24 Uhr

Toni's Ristorante

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