Top-Liste

Top 10: Bücher für den Berliner Winter

Man kann Bücher verschenken – egal ob zum Geburtstag, zu Feiertagen oder einfach so –, aber noch schöner ist es, sie selbst zu lesen. Wir empfehlen dir die schönsten Neuerscheinungen des Winters, die das Wetter garantiert vergessen machen: Romane, moderne Klassiker und eine Biografie…

John Ironmonger: Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen

Wer „Der Wal und das Ende der Welt“ gelesen hat, kennt das Örtchen St. Piran an der Küste Cornwalls schon. Hier spielt auch der neue Roman von John Ironmonger, in dem ein Student der Geowissenschaft und ein Politiker aufeinandertreffen. Der Auftakt des Buchs ist ein Kneipenstreit zwischen den beiden, weil der Parlamentsabgeordnete des Bezirks Cornwall Süd angeblich den Klimawandel leugnet. Der Student wettet, dass das Haus des Politikers in 50 Jahren regelmäßig bei Flut absaufen wird. Sollte das nicht so sein, würde der Student ins Meer gehen und ertrinken. So schwarz und weiß wie es scheint, sind aber weder die Figuren, noch die Geschichte, die sich nun entspinnt. Mit gekonnter Leichtigkeit verpackt Ironmonger das schwere Thema des Klimawandels in einen spannenden Roman. Am Ende ist der Student Gletscherforscher und der Politiker Premierminister, so viel sei verraten. Alles andere solltest du selbst lesen.

„Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen“ von John Ironmonger ist im Fischer Verlag erschienen und für 24 Euro im Handel erhältlich.

Britney Spears: The Woman in Me

Fast jeder kennt einen Song von Britney Spears oder hat zumindest ihren Namen schon einmal gehört. Doch wer die Frau hinter dem Popstar-Drama ist, weiß natürlich keiner. Nun hat die Amerikanerin, die seit 1992 im Showbiz ist, ein Buch geschrieben, dass uns ihre Perspektive näherbringen soll. So gibt sie Einblicke in ihre Kindheit, die mit elf Jahren als Star im Mickey-Mouse-Club quasi endete, ihre Jugend zwischen Scheinwerfern und Pubertätskrisen und natürlich das Popstar-Dasein als junge Frau und Mutter, als Entmündigte und Wiederauferstandene. Offen zeigt sie, dass von Anfang an nicht alles rosig lief und dass sie selbst auch Fehler begangen hat. Wenn man das Buch gelesen hat, fragt man sich, warum Spears erst 2007 zusammengebrochen ist. „The Woman in Me“ ist kein Buch, was nur Fans beglückt. Es ist eine Lebensbeichte aus einer Welt, die wir nur aus der Klatschpresse kennen. Am Ende kaufst du dir vielleicht keine Spears-Platte, aber du verstehst ein wenig mehr, warum sie nun am Rand des Wahnsinns so sehr auf ihre Freiheit pocht.

„The Woman in Me“ von Britney Spears ist im Penguin Verlag erschienen und für 25 Euro im Handel erhältlich.

Mikki Brammer: Dieses schöne Leben

In unserer Gesellschaft hat der Tod keinen Raum, doch Mikka Brammer holt ihn endlich in unsere Mitte. Das ist schön, so schön wie das Leben. Also keine Sorge, das Buch wirkt lebensfroher, als du jetzt denkst. Die australische Autorin – in der Übersetzung von Carolin Müller – führt dich mit „Dieses schöne Leben“ sanft in das Universum der Sterbebegleiterin Clover. Auslöser für Clovers Berufswunsch war der plötzliche Tod ihres Großvaters, bei dem sie aufgewachsen ist. Und während sie nun Sterbenden beisteht, damit diese nicht einsam sein müssen, ist sie selbst sehr allein und droht, das Leben zu verpassen. Einige starke Charaktere, die Brammer mit Genauigkeit und Menschenkenntnis beschreibt, weisen Clover den Weg zurück aus dem Reich der fast Toten: die aufdringliche Nachbarin, die fordernde Klientin, der charmante Hugo… Ein paar Tränen wirst du bei allem Witz und Lebensfreude beim Lesen aber sicher trotzdem vergießen, Brammer ist einfach zu gut darin, dich tief in die gefühlvolle Geschichte zu ziehen.

„Dieses schöne Leben“ von Mikki Brammer ist im Knaur Verlag erschienen und für 16,99 Euro im Handel erhältlich.

Shehan Karunatilaka: Die sieben Monde des Maali Almeida

Zugegeben: Wir sind auf „Die sieben Monde des Maali Almeida“ erst durch den Booker Prize gestoßen, den Shehan Karunatilaka jüngst für den Roman erhalten hat. Sehr verdient, wie wir nach der Lektüre finden. Es ist unglaublich, wie er Tote und Lebende zu Wort kommen lässt, wie er Spannung erzeugt und zugleich ein schweres Thema wie den Bürgerkrieg in Sri Lanka in einen mitreißenden Roman verpackt. Dabei traut er sich, mit seiner Phantasie alles zu durchbrechen, was Regeln oder gar die Realität sonst von uns verlangen. Sieben Tage hat der Protagonist Maali Almeida nach seinem Tod Zeit, um herauszufinden, wer ihn umgebracht hat. Du wirst weniger Tage brauchen, um den Roman zu lesen. Man kann ihn nicht weglegen.

„Die sieben Monde des Maali Almeida“ von Shehan Karunatilaka ist im Rowohlt Verlag erscheinen und für 30 Euro im Handel erhältlich.

Maggie Shipstead: Kreiseziehen

Einige Kunstflieger, die Stunts auf einer Flugshow in Marian Graves‘ Heimat Montana präsentieren, wecken in dem jungen Mädchen den Traum vom Fliegen. Und tatsächlich ebnet ihr ein Financier einige Jahre später den Weg ins Cockpit. Berühmt wird Marian, weil sie Ende 1949 als erste Frau versucht, die Erde in der Längsachse zu umrunden. Drei Monate nach ihrem Aufbruch ist sie verschollen. Klingt spannend und das ist es auch. Vor allem, weil die Autorin Maggie Shipstead diese Story mit einer zweiten verwebt: von einem Hollywoodstar, der Jahrzehnte später das Leben der Pilotin verfilmen möchte. Die Lebensgeschichten der beiden sehr unterschiedlichen Frauen verbindet, dass sie sich emanzipieren wollen, was es auch kostet. „Kreiseziehen“ ist ein tiefgreifender Roman, der einen inspiriert, das Leben viel mutiger selbst in die Hand zu nehmen.

„Kreiseziehen“ von Maggie Shipstead ist im Verlag dtv erschienen und für 18 Euro im Handel erhältlich.

Johanna, Luise und Marc-Uwe Kling: Der Spurenfinder

Die Erwartungen sind hoch, wenn Marc-Uwe Kling zur Tastatur greift. Dieses Mal hat er sich Unterstützung von seinen beiden Töchtern Johanna und Luise geholt. Kein schlechter Schachzug, wenn man einen Jugendroman schreiben möchte. „Der Spurenfinder“ ist ein Fantasybuch, das auch für jugendliche Leser*innen ab 12 Jahren geeignet ist. Und wenn man alles, was man mit dem versierten Poetry-Slammer und Erfolgsautor verbindet, vergisst, macht „Der Spurenfinder“ viel Spaß. In der Geschichte über den berühmten Spurenfinder Elos von Bergen blitzt zwar immer wieder der Klingsche Humor auf, ansonsten ist es aber eher ein unterhaltsamer Krimi und ein mittelalterliches Märchen mit charmanten Details. Dieser Roman ist wie Urlaub, den man nachmittags im Lesesessel immer wieder verlängern kann, bis das Buch dann irgendwann leider doch ausgelesen ist…

„Der Spurenfinder“ von Johanna, Luise und Marc-Uwe Kling ist im Ullstein Verlag erschienen und für 19,99 Euro im Handel erhältlich.

Rešoketšwe Manenzhe: Wir zerrissen

Es gibt diese Bücher, bei denen man denkt, sie behandeln ein wichtiges Thema und man müsse sie lesen, aber dann stauben sie auf dem Nachtisch ein. Meist sind genau diese Bücher nämlich trocken oder moralisch oder beides. „Wir zerrissen“ ist nichts davon. Hier wird die Apartheid in Südafrika, die vor fast hundert Jahren einen traurigen Höhepunkt erfuhr, Teil einer emotionalen Geschichte. Damals wurde ein Gesetz erlassen, das Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen unter Strafe stellte. „Wir zerrissen“ erzählt von Abram und Alisa, einem recht wohlhabenden Paar, das mit seinen zwei Töchtern auf einer Farm lebt. Durch das Gesetz werden sie 1927 plötzlich zu Straftätern. Unglaublich vielschichtig und nachvollziehbar lässt uns Rešoketšwe Manenzhe an diesem Albtraum teilhaben. Kaum zu glauben, dass dieses sprachgewandte Werk ein Debütroman sein soll…

„Wir zerrissen“ von Rešoketšwe Manenzhe ist im Penguin Verlag erschienen und für 25 Euro im Handel erhältlich.

Daniel Kehlmann: Lichtspiel

Muss man einen Bestseller-Autor wie Daniel Kehlmann noch empfehlen? Ja, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man einen Hit nach dem anderen liefert – zumal jedes neue Buch immer mit seinen vorherigen Meisterwerken verglichen wird. Mit „Lichtspiel“ knüpft Kehlmann an die eigene fulminante Schreibtradition an und erweckt erneut eine historische Figur auf unnachahmliche Art und Weise zum Leben. Dieses Mal ist es Georg W. Pabst, der für seinen künstlerischen Erfolg moralische Grenzen überschreitet. Dabei gibt sich Kehlmann nicht als Biograf, sondern als fantasievoller Schriftsteller, der mit nahezu cineastischen Mitteln einen Kosmos baut, der das Dilemma des Filmkünstlers verdeutlicht. Wie weit darf man gehen, um seine Visionen Wirklichkeit werden zu lassen? Gekonnt verknüpft Kehlmann reale Charakter wie Nazi-Größen und Filmstars aus der Zeit mit der fiktionalen Geschichte – ohne Moral-Keule, sondern mit ganz vielen Anreizen zum Nachdenken über das Hier und Heute.

„Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann ist im Rowohlt Verlag erschienen und für 26 Euro im Handel erhältlich.

Hendrik Bolz: Nullerjahre

Wenn du genug hast von Winterromantik und Weihnachtsgedudel, bist du mit dem Roman „Nullerjahre“ bestens aufgestellt. Hier lässt Hendrik Bolz seine Jugend auferstehen, die in der Nachwendezeit alles andere als idyllisch war. Zwischen Hoffnungslosigkeiten und Depressionen suchen sein literarisches Alter-Ego und dessen Freunde nach einer Zukunft, die womöglich in Berlin zu finden sein könnte. Doch das Leben ist kein Rap. So müssen die Jugendlichen erstmal durch Nazi-Sümpfe und Drogentäler, um härter zu werden. Dabei scheut Bolz keine Klischees, um Wahrheiten zu transportieren, die auch im Westen ankommen sollten. Die Sprache ist ruppig, der Humor derbe, aber so ist das Leben halt jenseits der Ponyhöfe.

„Nullerjahre“ von Hendrik Bolz ist im KiWi-Verlag erschienen und für 14 Euro im Handel erhältlich.

Jasmin Schreiber: Endling

In nicht allzu ferner Zukunft sieht die Welt nicht mehr ganz so rosig aus, wie wir sie uns vielleicht noch erhoffen. Baumsterben, Artensterben, Pandemien, Rechtsradikale an der Macht… Zoe ist Biologin und mehr mit Schmetterlingen beschäftigt als mit dem ganz normalen Leben. Als ihre Mutter in den Entzug geht, kümmert sie sich um ihre sechzehnjährige Schwester Hannah und Tante Auguste, die sich kaum noch aus dem Haus traut. Doch ausgerechnet Auguste drängt zu einer Reise nach Italien in ein Frauendorf, wo sie ihre verschollene Freundin Sophie vermutet. Immer mit dabei: der Endling HP14, die Weinbergschnecke der Tante. Der Roadtrip bringt dann doch so etwas wie Hoffnung und Humor in den dystopischen Roman, der zum Nachdenken anregt: Sollen wir wirklich so weitermachen, als hätten wir keinen Einfluss auf die Zukunft?

„Endling“ von Jasmin Schreiber ist im Eichborn Verlag erschienen und für 23 Euro im Handel erhältlich.

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