Berlin-Duell

Moderat vs. Seeed auf dem Hurricane-Festival

Moderat vs. Seeed auf dem Hurricane-Festival
Voll lazer, diese Show. Zur Foto-Galerie
Scheeßel – Für viele stand der Underdog und damit auch die Bandwahl eindeutig fest: Wer gegen Seeed antritt, hat schlechte Karten. Dass die beiden letzten – und damit zeitgleich spielenden – Acts des Hurricane Festivals 2014 aus der Hauptstadt stammten und ausgerechnet "Moderat" und "Seeed" hießen, war wohl das größte Ärgernis im Timetable– zumindest für uns. Schweren Herzens haben wir uns für den (vermeintlichen!) Underdog entschieden – und wurden nicht enttäuscht.

Das erste, was auffällt: Kaum einer drängelt sich am letzten Abend in das Zelt, in dem die kleinste der vier Festival-Bühnen – die White Stage – steht. Nix zu sehen von den imaginierten (und in den letzten Tagen auch schon vorhandenen) Schlangen an den Einlasspforten. Immerhin sind die Berliner Elektrokünstler von Moderat, die in wenigen Minuten hier spielen werden, nicht irgendwer. Sie haben einfach nur das Pech, gegen den sehr bekannten und sehr verdienten Band-Giganten Seeed anzutreten. Die „Dancehall Caballeros“ werden  eine halbe Stunde später auf der grünen Hauptbühne ihren ersten Ton spielen. Wer weit vorne steht (und das will offenbar das gesamte Publikum), der stellt sich nicht erst dreißig Minuten früher an. Wir hingegen gehen zu Moderat.

Moderat – das ist der Zusammenschluss von zwei Berliner Elektro-Acts. Der erste Teil der Band ist das DJ-Duo „Modeselektor“ (Moderat), der zweite Part kommt Sänger Sascha Ring zu, der unter dem Künstlernamen „Apperat“ (Moderat) als Techno- und Elektro-Sänger unterwegs ist. Ihr gemeinsames Projekt ist, einfach gesprochen, in Bässen und Rhythmik nicht so hart wie Modeselektor und in den Songs nicht so Vocal-lastig wie Apparat.

Tanzen im Bassgewitter

Im Zelt freuen sich die relativ wenigen – wahrscheinlich Hardcorefans oder Elektrojünger – über freie Sicht und genug Platz zum Tanzen. Mit einem lang gezogenen Intro geht es dann los, auf einer Leinwand werden die einzelnen Buchstaben des Bandnamens nacheinander eingeblendet. Man bekommt eine Ahnung von der Light- und Video-Show, die folgen wird. Während sich der Song langsam steigert, stellen sich die drei Jungs vor ihre Mischpulte, hinter ihnen flimmert eine große Leinwand. „A new Error“ heißt der Track, der heute als erstes auf der Setlist steht und der mit seinen Bässen das Durchhaltevermögen der Boxen prüft.

Nachdem eine halbe Stunde gespielt ist, mit zu den ersten Tracks gehörten „Rusty Nails“ vom ersten  und „Milk“ vom zweiten Album, schwappt in den Spielpausen immer mal wieder die Stimme von Peter Fox durch das Zelt: Die Boxen der Main Stage sind voll aufgedreht, doch Moderat hält dagegen. In einem Laser- und Bassgewitter tanzen die Leute ekstatisch, tauchen in eine wunderbare Elektro-Sphäre ab. Das Lied „Sick With It“, dem Dellé seine Stimme leiht, wird – surprise, surprise – nicht gespielt. Der Sänger steht nämlich ein Paar hundert Meter weiter mit seinen Bandkollegen von Seeed auf der Bühne.

Nach weit über einer Stunde ist dann allerdings Schluss, die Ehre des allerletzten „Hurricane-2014-Songs“ gebührt Seeed. Mit dem Gefühl, alles richtig gemacht zu haben, geht es raus. Mit dem Gefühl, nichts verpasst zu haben, laufen die letzten Lieder des Seeed-Auftritts. Denn, kein Witz, die ersten Zeilen, die draußen zu hören sind, lauten: „Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau.“ Peter Fox gibt seine Berlin-Ode „Schwarz zu Blau“ zum Besten und setzt damit einen herrlich passenden Schlusspunkt für den „Berliner-Duell-Abend“ beim Hurricane.

Übrigens: Viele Hurricane-Konzerte und Interviews gibt’s bei Arte Concert als Video on Demand. Und wer Moderat lieber live sehen will, der muss sich gar nicht mehr sooo lange gedulden: Anfang September spielen die Musiker auf dem Berlin Festival.

Foto Galerie

Moderat vs. Seeed auf dem Hurricane-Festival, 27383 Scheeßel
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