Treptopolis

Schandfleck wird neuer Kiez-Treff

Während die Zukunft des Tacheles noch unsicher ist, eröffnet einer der ersten Besetzer in Treptow ein neues Kunsthaus. Wie aus einem alten Supermarkt Treptopolis entstand ...

Von all der Aufregung, die es dieser Tage um das Kunsthaus Tacheles gibt, bekommt Kemal Cantürk nicht viel mit. Der 61-jährige Metallkünstler gehörte 1990 zu den ersten Besetzern des einstigen Kaufhauses in der Oranienburger Straße in Mitte. Vergangenes Jahr verließ er die Ruine und eröffnete nun in einem ehemaligen Supermarkt in Treptow ein Kulturhaus – das „Treptopolis“.

Wo einst Lebensmittelregale standen, befinden sich heute eine gezimmerte Bar und verrostete Werkzeuge. In der Ecke wurde eine Theaterbühne für die hauseigene Schauspieltruppe aufgebaut. Und für gemütliche Fernsehabende warten schon die alten Sessel aus dem Tacheles-Kino und eine Leinwand.

Ort der Inspiration

Mehr als 60.000 Euro will Cantürk bisher in sein Treptopolis investiert haben. 100.000 Euro hatte er bekommen, damit er das Tacheles verließ. Der Anwalt Michael Schultz hatte ihn und andere im Namen eines anonymen Investors herausgekauft. Im Mai 2011 mietete Cantürk schließlich das neue Gebäude. Dieses stand jahrelang leer, galt als Schandfleck im Kiez. Als Cantürk kam, gab es nicht mal Wasser und auch keinen Strom. Nun gibt’s sogar eine Küche – mit Pizzaofen.

Im Sommer soll im Hof ein Café errichtet werden, und aufs Dach könnte eine kleine Bühne. Was darauf soll? Na, Feuerspucker würden doch toll aussehen, meint Cantürk. Das Treptopolis soll schließlich Werkstatt sein, Galerie, Kino und Bar. Ort für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen von Künstlern, die sonst keine Plattform finden. Treffpunkt, wo Jugendliche kickern und ihr Fahrrad reparieren können. „Das Tacheles war doch anfangs auch nur eine Ruine“, erinnert sich Cantürk. „Ein Ort, an dem sich Künstler gegenseitig inspirieren.“ Er selbst habe im Tacheles nur noch Skulpturen für Touristen angefertigt. „Die haben alles gekauft.“ Nun wolle er sich wieder der Kunst widmen. Mit seiner alten Wirkungsstätte stehe er nicht mehr in Kontakt – dort nimmt man ihm den Abgang übel.

Wenn das Aus der Kunstruine in Mitte im jetzigen Zustand wirklich klar ist, könnten einige der Künstler auch vorübergehend im Treptopolis ausstellen, sagt Cantürk. Und nebenan werde ja demnächst die „Schlecker“-Filiale frei. Cantürk hat schon mal den Ansprechpartner ausfindig gemacht.


Quelle: Der Tagesspiegel

Treptopolis, Rinkartstraße 18, 12437 Berlin

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