• Montag, 08. September 2014
  • von Lea Albring

Rückblick aufs Berlin Festival

Techno-Twens und Hipster-Hip-Hopper

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  • Berlin Festival Glashaus
    Auf der Bühne im Glashaus spielte am Samstagabend unter anderem das Elektropop-Duo HVOB. Foto: externe Quelle - ©Berlin Festival / Stephan Flad
  • Berlin Festival Mainstage
    Volle Bude: Am Freitag spielten "Austra" als zweiter Act auf der Mainstage. Foto: externe Quelle - ©Berlin Festival / Stephan Flad

Treptower Park - Alles neu, vieles anders: So der erste Eindruck vom Berlin Festival 2014. Neben dem Standortwechsel - vom Flughafen Tempelhof ging es in die Arena Berlin - überraschte auch der Blick ins Line-Up einigermaßen: Weg von den gaaanz großen Namen, hin zu den 'undergroundigeren' Acts. Dazu das selbst auferlegte 48h-Durchtanz-Programm. Man könnte meinen, das Festival hätte sich eine Verjüngungskur verordnet. Und so war’s dann auch.

Mainstage Friday

Veranstalter ziehen in die Arena Treptow

Berlin Festival verlässt den Flughafen Tempelhof

Tempelhof
Dass der erste Act des Berlin Festivals ausgerechnet "Kid Simius" hieß, war durchaus symptomatisch für die gesamte Veranstaltung: Kids gab es hier so einige, vor allem coole Kids Anfang, Mitte Zwanzig. Und ältere Semester fühlten sich in der szenigen Club-Atmo augenscheinlich wieder wie Twens. So wippte am Freitagabend eine hippe, junge Partycrowd erwartungsvoll zu den Elektro-Beats von Kid Simius, der schon mit Rapper Materia gemeinsame Sache gemacht hat. Auch deshalb ein durchaus passender Eröffnungs-Act: Elektronische Musik und Hip-Hop waren die musikalischen Hauptspielarten auf dem Festival, und das in allen Facetten. Vom neuen, heißen Scheiß bis hin zu verdienten Pionieren stand alles auf dem Plan. Allein am Freitag gaben sich auf der Hauptbühne mit Darkside, DJ Koze und Ellen Alien bis in die frühen Morgenstunden drei Hochkaräter der Elektroszene die Kinken bzw. Plattenteller in die Hand.

Burger-Revolte von Bilderbuch am Samstag

Buntes Randprogramm.  (c) Stephan Flad Buntes Randprogramm. (c) Stephan Flad
Alles neu: Das wurde besonders am Samstag deutlich. Das kunterbunte Art Village fuhr mit Kunst, Mitmach-Aktionen und vor allem typischem Festival-Charme auf. Gab es auf dem Tempelhofer Feld noch geteerte Flächen und weite Wege, präsentierten sich auf dem kompakten Arena-Gelände Buden, Bühnen und Bierstände auf grünen Wiesen. Typisch Festival eben. Ganze acht Locations, darunter die Floors vom Partyschiff Hoppetosse oder auch die Mini-Stage im White Trash, wurden am Samstag unter anderem von Olson, den Chrystal Fighters oder Fünf Sterne Deluxe bespielt. Eine Entdeckung des Tages war sicherlich die New Yorker Rapperin Dynasty, die vor wenigen Hundert Leuten im Glashaus spielte. "I can hear you talking, but you ain’t say nothing" rappte sie ins Mikro.

Auch Elektro-Pionier Dieter Meier enttäuschte nicht, wenngleich er ahnungslose Zuschauer mit seinen bisweilen sehr experimentellen Ansätzen durchaus herausforderte. Indie-Liebhaber konnten im Anschluss zu Bombay Bicycle Club tanzen, während Party-Jünger zu HVOB – Elektropop mit "The-XX-Tendenzen" – feierten. Mit den Editors schließlich spielte der erste Headliner einen überzeugenden Gig, alleine der Sound (bei der großen Menge fiel das besonders auf) war ausbaufähig. Der größte 'Fail' bis hierhin war aber sicherlich der Auftritt von den Österreich-Rockern Bilderbuch im White Trash. Nicht die Qualität des Gigs (die Jungs gaben ordentlich Gas und den Hit "Maschin" gab es gleich zweimal auf die Ohren), sondern die Location ließ zu wünschen übrig. Und zwar gewaltig: Viel zu wenig Platz für viel zu viele Leute, am Ende standen mehr Menschen draußen als drinnen. Dass der spärliche Platz von Tischen und burgeressenden Menschen zusätzlich minimiert wurde, war vielleicht ja eine fancy Idee, in der Praxis aber schlicht dämlich. Und als eine Frau vom Personal zwei Konzertbesucher bat, das Rauchen einzustellen, musste man sich schon fragen, wie es hier mit den Prioritäten bestellt war, denn ihre Begründung lautete: "Hier essen Menschen!" Geschmeckt hat das alles aber auch der Band nicht: "Wir dachten, wir spielen auf dem Berlin Festival, jetzt stehen wir in einem Burger-Laden“, stichelten sie auf der Bühne.

Game Over am Sonntag

Gleich zwei Headliner – Woodkid und Moderat – mobilisierten die junge und internationale Partycrowd noch einmal am letzten Festivaltag. In gewohnt theatralischer Manier lieferte Woodkid episch-monumentale Musik und eine noch bessere Show ab, erst die langsamen Stücke, dann die Mitgeh-Nummern. Bei Moderat im Anschluss war es wieder mal ein bisschen zu leise (kein gutes Zeichen, wenn man mehr vom Telefonat des Nebenmanns als von der Atmo auf der Bühne mitkriegt). Außerdem bespielte DJ-Veteran Sven Väth die Plattenteller, während die Spaß-Rapper von KIZ für eine volle Splash! Mag Stage sorgten.

Und am Ende? Da sah man allen Festival-Besuchern die vergangenen 48h durchaus an. Und deshalb kann eine Verjüngungskur bisweilen eben doch zum Altwerden führen.

Die Veranstalter zogen am gestrigen Abend schon eine positive Bilanz und kündigten an, dass auch das Berlin Festival 2015 in Treptow stattfinden soll.
Weitere Fotos und Impressionen gibt's auf www.berlinfestival.de

Arena Berlin

Eichenstr. 4
12435 Berlin

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Quelle: QIEZ
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