• Mittwoch, 23. Oktober 2013
  • von Kevin Grünstein

Kiezportrait

Der Landschaftspark Johannisthal

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  • Johannisthal Ehemaliges Flugfeld Bänke
    Eine breite, flache Steinmauer signalisiert die Barriere zwischen Naturschutzgebiet und Spazierweg. Immer wieder laden Sitzbänke und Informationstafeln zum Verweilen ein. Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein
  • Johannisthal Wolfgang Harlan Straße
    Eisiger Himmel, weites Land: Die Wolfgang-Harlan-Straße führt direkt zum ehemaligen Flugfeld. Im Johannisthal hatte der Flugzeugingenieur Wolfgang Harlan sein Unternehmen. Bis 1914 bauten die Harlanwerke hier ihre leistungsstarken Eindecker. Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein
  • Johannisthal Ehemaliges Flugfeld
    Der Landschaftspark ist fast kaum windgeschützt - er ist riesig groß und freistehend. Im Sommer wird die Fläche folglich sehr heiß und trocken, die Gräser sind angepasst an hohe Windgeschwindigkeiten und es herrschen große Unterschiede zwischen Tag- und Nachttemperaturen. Es sind breite Wege aus Holzplanken, die einen weiträumigen Blick über das Biotop ermöglichen. Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein
  • Johannisthal Ehemaliges Flugfeld Infokästen
    Noch heute ist das Flugfeld ein Flugfeld - zumindest für fliegende Tiere. Feldlerchen und Steinschmätzer, Wollbienen und Heidegrashüpfer bevölkern das Areal. Kinder und Erwachsene können von den Infokästen lernen oder - nicht im Bild, weil hinter der Kamera und damit außerhalb des BIotops - auf dem Spielplatz spielen. Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein
  • Johannisthal Ehemaliges Flugfeld Schafe
    Weil das Biotop ein künstlich enstandenes ist, braucht es gezielte Pflege. Schafe erfüllen die Dienste ewiger Gärtner; sie fressen wucherndes Gehölz und dominante Kräuter ab. Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein
  • Johannisthal Zettel geklautes Plüschtier
    Schlaflose Nächte im Idyll - Fielitzstraße, Ecke Hoevelstraße. Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein
  • Johannisthal Ehemaliges Flugfeld Bänke
    Die Friedrich-Wolf-Bibliothek - benannt nach dem Schriftsteller, Arzt und kommunistischen Politiker - in der Winckelmannstraße. Die halbstarken Jugendlichen des Ortes sitzen aber eher auf der anderen Straßenseite, sagen Sätze wie "In der Schule; ich kann dir mit allem aushelfen, ich kann alles besorgen ich schwör's." Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein

Johannisthal - Mit der Umgestaltung des ehemaligen DDR-Flugübungsplatzes zum Landschaftspark wird in Johannisthal die Vision einer nachhaltigen Nutzung brachliegender Flächen Realität. Über Vergangenheit und Gegenwart am Flugfeld, festgehalten in Text und Bild ...

Biesenhorster Sand wird wieder Vogelheimat

Bei der Bahn piepts wohl

Marzahn, Lichtenberg
Im Osten des Ortsteils reihen sich kurze Straßen wie Zacken eines Kamms aneinander. Es sind Straßen mit Namen wie "Melli Beese" und "Wrightallee", die an die erste deutsche Frau mit einem Privatpilotenschein bzw. an die US-amerikanischen Motorflugpioniere erinnern. Schon merkwüdig, von den Gebrüdern Wright zu lesen, in einer Parallelstraße zum ehemaligen Flugübungsplatz von Sowjet- und Volksarmee. Jedenfalls sind es Straßen, die aussehen, als seien sie mit dem Sandstrahler geleckt. Die nigelnagelneuen Eigenheime lassen dem Blick auf einen weiten Himmel Platz. Einem Himmel, den bis 1990 startende und landende Flugzeuge durchpflügt haben.

An die bemerkenswerte Geschichte des ehemaligen Bad Johannisthal erinnert kaum noch etwas. Der Absturz des Marinezeppelins LZ 18 vor ziemlich genau einhundert Jahren, am 17. Oktober 1913, ist so ziemlich vergessen. Dass von hieraus die erste zivile Luftpost startete, merkt man dem Ort auch nicht an. Auch dass Fritz Lang seinen "Doktor Marbuse" und "Nosferatu" mithilfe der Johannisthaler Filmanstalt abdrehte, hätte man nicht gedacht - bekannter sind die Studios weiter im Osten, in Adlershof. Die Friedrich-Wolf-Bibliothek ist eine der wenigen Gebäude, die von Seiten der Stadt mit Wandbildern aufgehübscht wurden - den Rest der freien Fassaden im Ort verzierten die Spraydosen der Jugendlichen. Im Zuge der dichter werdenen Bebauung ist die Adelung zum Kurort verloren gegangen, geblieben ist das Johannisthal, dessen Name wahrscheinlich auf einen ehemaligen Grund-Besitzer Johann Wilhelm Werner zurückgeht, der 1754 gestorben ist.

Auf dem ehemaligen Flugfeld grasen Schafe

Das alte Fluggelände ist an solches kaum mehr zu erkennen. Ein weitflächiges Gräsermeer lässt bis zu den Baukränen am fernen Horizont blicken. Vereinzelt stehen Bäume auf weiter Flur, daneben grasen Schafe. Hinter dem Ring aus Steinmauern kein Mensch weit und breit. Eine zwei Kilometer lange Begrenzungsmauer, die gleichzeitig erhöhter Rundweg ist, führt Besucher um den Landschaftspark herum - für den Erhalt der wind- und temperaturbelasteten Freifläche ist es wichtig, dass die Vegetation nicht betreten wird. Das an die 70 Hektar große Areal, dessen Fläche zu einem Drittel unter Naturschutz steht, bietet Spaziergängern einen idyllischen Ausblick, einen Wanderweg und viele kleinen Spielplätze und Informationstafeln für ein verständiges Nebeneinander von Familie und Natur.

Abseits der noch steril wirkenden Neubausiedlung entlang der Westseite des Flugfeldes hat die brachliegende Fläche für Berlin vielleicht Vorbildcharakter: Was hier im Kleinen seit 1992 vom Übungsplatz zum Landschaftspark wurde, kann Inspiration werden für die Freifläche Tempelhofer Feld, an der Stadt, Bürger und Immobilieninvestoren von allen Seiten ziehen.

Übrigens, durch das restliche Johannisthal sind wir hier spaziert.

Adresse

Segelfliegerdamm 68
12487 Berlin

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Quelle: QIEZ
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