• Freitag, 03. August 2012

Anwohnerprotest

Bebauungspläne sorgen für Unmut

An der Fanny-Zobel-Straße in Alt-Treptow sind neue Wohnungen und ein Hotel in Planung. Anwohner protestieren dagegen, weil sie steigende Mietpreise, soziale Verdrängung und die Versperrung der Sicht befürchten.

Am südöstlichen Zipfel des Mediaspree-Projekts liegt Ärger in der Luft: Anwohner protestieren gegen die geplante Bebauung der Freifläche neben den sogenannten Twintowers, obwohl sie über die Pläne des Investors noch nichts Konkretes wissen. Sie fürchten, dass die Folgen steigende Mieten und eine Verdrängung sozial schwächerer Menschen sind. Auf den beiden insgesamt 7000 Quadratmeter großen Grundstücken an der Fanny-Zobel-Straße will der Projektentwickler und Grundstückseigentümer, die Berliner Firma Agromex, Wohnungen und ein Hotel errichten.

Anwohner-Initiative gegen die Pläne

Rentnerin Renate Borchert, 65, wohnt seit 1999 hier. Damals gab es dort noch kaum Wohnungen. Ihr Balkon bietet ihr die Aussicht auf die Spree und Friedrichshain. Borchert befürchtet, dass nach Bebauungsplan gebaut wird. Der lasse drei 19 Geschosse hohe Gebäude zu. "Und wenn die 20 Meter vor unserem Haus bauen, dann wird das hier wie in einem Hinterhof, das ist viel zu nah dran", sagt sie. Und: "Die Mieten werden sicher steigen."

Borchert organisiert sich mit anderen Anwohnern seit einigen Wochen in einer Initiative. Unterstützung bekommen sie vom Bündnis "Mediaspree versenken", das prinzipiell gegen eine Bebauung des Spreeufers ist, und von der Alt-Treptower Kiezinitiative "Karla Pappel". "Die Mieter dürfen nicht verdrängt werden", sagt Michael Schubert von Karla Pappel. Etwa 160 Mietparteien wohnten an der Fanny-Zobel-Straße. Schubert stellt die Forderung nach einem Bürgerpark statt der Bebauung. "Wenn überhaupt Bebauung, dann kein Hochhaus und bezahlbare Mieten", sagt er. Schubert und Anwohnerin Borchert üben Kritik daran, dass sie von den Planern nicht mit einbezogen worden sind. Sie fühlen sich übergangen.

Zuschlag für die Berliner Pysall Architekten

Agromex-Chef Franz Remboldt versucht zu beschwichtigen. Der Bebauungsplan "könnte zwar zeitnah und ohne Änderungen umgesetzt werden, ist aber von uns nicht erwünscht", erklärte er dem Tagesspiegel. Basis des bestehenden Bebauungsplanentwurfes sei ein Car-Loft-Projekt, das dort in Planung war, bevor Agromex Eigentümerin wurde. Diese Pläne verfolge man nicht weiter. Danach waren auf dem Spreegrundstück tatsächlich die von den Anwohnern befürchteten drei 19-geschossigen Türme angedacht. Auf der kleineren Fläche jenseits der Fanny-Zobel-Straße sollte ein zweigeschossiges Gebäude entstehen. Rembold hat vor, das nur eingeschossig zu bauen.

In einem von Agromex ausgelobten Architekturwettbewerb hat die Jury nun den Entwurf des Berliner Büros Pysall Architekten aus 15 Bewerbern zum Sieger gewählt. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bezeichnete den Siegerentwurf als "das ideale Architekturkonzept für die Fanny-Zobel-Straße". Wie dieser genau aussieht, wollte keiner preisgeben. Mitte August soll das Konzept öffentlich präsentiert werden. Es steht nur fest, dass der Uferweg auf zehn Meter verbreitert und ein Zugang von der Straße zum Ufer errichtet wird, sagte Remboldt. "Zusätzlich mussten die Architekten sicherstellen, dass großzügige Blickbeziehungen zur Spree und gute Lichtverhältnisse für alle Nachbarn erhalten bleiben, umfassende, öffentlich zugängliche Grün- und Spielplatzflächen entstehen und eine Tiefgarage für die Entlastung der derzeitigen Parksituation sorgt." An der bevorstehenden Bebauungsplanung will die Firma die Anwohner beteiligen. Schubert von Karla Pappel nennt es "Besänftigung".

Adresse

Fanny-Zobel-Straße 2
12435 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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