Wasserturm in Frohnau

Kultur will hoch hinaus

Der Casinoturm wurde zwischen 1909 und 1910 als 30 Meter hohes Wahrzeichen des Ortsteils erbaut.
Der Casinoturm wurde zwischen 1909 und 1910 als 30 Meter hohes Wahrzeichen des Ortsteils erbaut.
Ein alter Wasserturm, der von Betreiber zu Betreiber wechselte und zuletzt des öfteren von den Bandidos frequentiert wurde, steht seit geraumer Zeit leer. Was soll aus dem Frohnauer Wahrzeichen mitten auf dem Ludolfingerplatz werden? Zwei Künstler haben da eine Idee.

Visionäre sind Menschen, die aus Gegebenheiten Chancen machen, die die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen können. Vielleicht ist es nur eine Theorie, die nicht umsetzbar ist, aber manchmal ist es der Anstoß zu einem Erfolgsprojekt. Die Geschichte mit der Arche Noah zum Beispiel war eine gute Idee. Aber warum konnte sie die Dinosaurier nicht retten? „Es könnte ja sein, dass sie die Arche Noah verpasst haben, weil sie noch ihr Golfspiel beenden wollten“, meint der  Karikaturist und Maler Günther Vieth aus Frohnau. Aus dieser Idee entstand ein Werk mit beträchtlichen Ausmaßen. Zwei mal zwei Meter misst die Leinwand, auf der zwei Tyrannosauri Rex die Schläger schwingen, während im Hintergrund die Arche bis zum Rand mit Tieren gefüllt ist.

Dieses Werk ist aber nicht die einzige ungewöhnliche Idee Vieths. Zusammen mit der Musikerin Marion Kokott Karliczek will er den Casinoturm von Frohnau wieder beleben. Er und seine Lebensgefährtin wollen im Wahrzeichen des Stadtviertels die golfenden Dinos und weitere Bilder ausstellen.

Der Turm wurde 1909/10 errichtet, feierte 2010 seine Hundertjahrfeier mit einem  von Vieth und Karliczek organisiertem Konzert im ersten Stock des Gebäudes. Das Alter sieht man dem Gemäuer an. Seit Jahren ist hier nichts mehr passiert. Das Innere ist von Staub und toten Fliegen bevölkert, die Räume sind zugestellt. Für viele gilt der Turm als nicht nutzbar, aber das Künstlerpaar hat Träume von Konzerten, Ausstellungen, Publikum und gastierenden Künstlern. Der Turm soll ein Kulturzentrum werden. Das Konzert lieferte die Idee, nun muss sie nur noch umgesetzt werden.

Ein Turm, der oft den Mieter wechselt

In einem Seniorenheim gibt es einen Saal, der allwöchentlich mit den Klängen eines Popsongchors und eines Klassikorchesters widerhallt. Den mietet sich das Künstlerpaar. Dort halten sie die Klassen der „Schule für Kunst und Kommunikation“, die sie zusammen leiten. Noch müssen sie sich den Saal teilen. Mit der Anmietung des Turms wäre das Vergangenheit. Die Schule ist aber nicht ihr einziges Projekt. Jedes Quartal bringen sie eine Zeitschrift über das Leben in Frohnau und über ihre Arbeit heraus. Die Auflage beträgt immerhin 10.000 Exemplare, die an die Haushalte in Frohnau geliefert werden. Damit soll es dann auch mit der Finanzierung für den Turm klappen: „In der nächsten Ausgabe rufen wir alle Leser dazu auf, jeweils 9,50 Euro zu investieren“, erklärt Karliczek. „Wenn das klappt, könnten wir die Restaurierung des Turms und die Miete für die nächsten zehn Jahre finanzieren.“ Der Turm scheint den Frohnauern ein Anliegen zu sein, da schon viele signalisiert hätten, dass sie auch gern mehr geben würden. Darunter ist auch der CDU-Abgeordnete Frank Steffel, für den Frohnau Teil seines Wahlkreises ist. „In zehn Jahren gibt es das Geld samt Zinsen zurück“, sagt Karliczek. „Man könnte hier Großes erreichen, wenn viele Bürger mitwirken.“

Veith hofft nun auf die baldige Erteilung der Genehmigungen, die zur Führung eines Gastronomiebereichs im Turm unerlässlich sind. „Er gehört einer irischen Investmentgruppe, die zurzeit hauptsächlich an den Mieteinnahmen aus den Geschäften in den Nebengebäuden verdient“, sagt er. „Sie will auf keinen Fall verkaufen, aber die Verwaltung hat uns signalisiert, dass wir den Turm mieten können.“ Nun planen die beiden schon ein Café im Erdgeschoss, das an die geplante Galerie angeschlossen werden soll. „Es gibt mehrere Gastronomen aus Frohnau, die sich beteiligen wollen – aber nur, wenn es tatsächlich ein Konzept mit Kunst und Kultur gibt“, sagt Vieth. „Auf dem Turm liegt nämlich eine Art Fluch: Alle Restaurants, Kneipen und Cafés hier drin haben nach kurzer Zeit Pleite gemacht.“

Zuletzt trafen sich hier die Rocker

Das letzte Vorhaben, einen Kneipe im ersten Stock, hielt sich nicht lange. Sie wurde von den meisten Frohnauern gemieden, „weil sich dort Rocker von den Bandidos trafen.“ Karliczek erzählt von einem früheren Bordell in den darüber gelegenen Etagen, einem „Etablissement, wie wir in Frohnau sagen.“ Da der gesetzlich vorgeschriebene Brandschutz mit dem Denkmalschutz nicht immer leicht zu vereinen ist, sind sich die Künstler noch nicht ganz im Klaren, was sie mit den oberen Etagen anfangen sollen. Ganz am Anfang gab es im fünften Stock einen Wasserspeicher, der aber bald zum Ausflugsziel mit Café und Aussicht wurde. Heute sendet ein Mobilfunkanbieter sein Signal vom fünften Stock aus in den Äther.

„Die Plattform ist seit mindestens 15 Jahren nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich“, meint Karliczek. Dabei kann man hier bei guter Sicht bis zum Alexanderplatz blicken. Auch ihre Gedanken gehen ins Weite: „Hach, im Sommer nach einem Konzert mit Champagner hier oben.“ Das führt Vieth zu ihrem nächsten Projekt. Ein Klassik-Festival soll es geben. Jeden Sommer soll es auf dem Ludolfingerplatz und der angrenzenden Wiese stattfinden. Ja, man muss nur eine Vision haben.


Quelle: Der Tagesspiegel

Kultur will hoch hinaus, Ludolfingerplatz 1, 13465 Berlin

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