Bauarbeiten an der Staatsoper

Sorgen "Überraschungen" für Mehrkosten?

Sorgen
Auch die Bühne und der Zuschauerraum der Staatsoper werden umgebaut. Hier der Blick von den Rängen.
Nicht zum ersten Mal sorgen "überraschende" Funde auf der Baustelle an der Staatsoper für Verzögerungen. Im Abgeordnetenhaus sind sich Opposition und Regierung uneinig über den weiteren Fortgang der Arbeiten. Mögliche Kostensteigerungen könnten das Budget für die Sanierung sprengen.

Berlin hat es derzeit politisch nicht leicht: Durch die vom Senat mit zu verantwortende Verspätung bei Großprojekten wie dem Flughafen oder der Staatsoper Unter den Linden muss die Stadt bundesweit Spott einstecken. In der Hauptstadt hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dennoch die Ruhe weg – zumindest im Abgeordnetenhaus. Dort antwortete er im Kulturausschuss auf die Vorwürfe der Opposition sogar selbst mit bissigem Spott. Dabei hatten Grüne und Linke nur nachgefragt, ob die „überraschenden“ Holzfunde unter der Staatsoper wirklich das letzte Kapitel in der Geschichte der Pleiten und Pannen des 242-Millionen-Euro-Projektes seien.

Die Grünen-Abgeordnete Sabine Bangert erinnerte daran, dass schon in der Vergangenheit ein Tresorraum „überraschend“ aufgetaucht sei – was die erste Verzögerung des Projektes verursacht hatte. Von einem „Déjà-vu-Erlebnis“ sprach daher auch Linken-Genosse Wolfgang Brauer. Und erinnerte nicht ohne Genugtuung daran, dass er bereits in der Planungsphase der Sanierung gefordert hatte, die aufwendige unterirdische Tunnelanlage wegen der damit verbundenen Kosten- und Zeitrisiken zu streichen. Er möge seine Fähigkeiten doch der Bauwirtschaft andienen, schlug ihm Wowereit bissig vor und konterte: Es passierten immer unvorhergesehene Dinge, wenn man „mit Altbausubstanz arbeitet“. Dies sei eben zu akzeptieren – sonst „kann man gar nichts mehr bauen“.

Die Frage nach den Kosten

Doch bereitet der Senat die Stadt womöglich nach und nach darauf vor, dass nach der zeitlichen Verspätung auch das Budget gesprengt wird? Wowereit lobte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher jedenfalls für ihre vorsichtigen Worte im Abgeordnetenhaus: „Im Moment sind wir in den Kosten.“ Vor zwei Wochen, als der Planungs-Gau eingestanden worden war, hatte sie die Einhaltung des Budgets noch deutlicher zugesichert. Manager anderer Großprojekte, die anonym bleiben möchten, halten es ohnehin für unrealistisch, dass die zahlreichen bereits beauftragten Baufirmen nicht die Gelegenheit zu „Nachforderungen“ nutzen, die durch eine Verzögerung ihres Einsatzes entstehen könnte. Von den 242 Millionen Euro, die Sanierung und Erweiterung kosten, sind schon Leistungen über mehr als 170 Millionen Euro vergeben, sagte Lüscher.

Deshalb sei auch die Forderung der Opposition, das Vorhaben noch einmal „auf null zu stellen“ und Alternativen zu der aufwendigen unterirdischen Konstruktion zu prüfen, aus Sicht des Senats unrealistisch. Das Untergeschoss, dessen komplizierte Befestigung den Zeitplan aufhält, verbindet Magazin und Bühne miteinander und ist auch für Stromversorgung, Beheizung und Klimatisierung des Ensembles nach den aktuellen Plänen unverzichtbar. Immerhin ließ sich der Regierende nach einem Einwurf der Piraten darauf ein, die Bauverwaltung noch einmal um die finanzielle „Substanziierung“ einer solchen „Rolle rückwärts“ zu bitten.

Deutsche Staatsoper, Unter den Linden 5, 10117 Berlin

Deutsche Staatsoper

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