Ratgeber

Von der Umschulung zum Reskilling: Ein neuer Weg in die digitale Arbeitswelt

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Die Digitalisierung revolutioniert den Arbeitsmarkt und bringt damit viele Berufszweige mit einer eher analogen Ausrichtung in Bedrängnis. Brechen 5 Millionen Jobs jetzt einfach weg, oder müssen wir uns einfach nur fit machen für digitales Arbeiten?

Die Digitalisierung entwickelt sich rasant. Die jüngsten Ereignisse haben sich zwar in vielen Bereichen wie eine Art Katalysator auf die digitale Entwicklung ausgewirkt, trotzdem ist das Phänomen alles andere als neu. Der Startschuss zur sogenannten vierten Revolution ertönte bereits gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Im Fokus des tiefgreifenden Wandels steht die Digitalisierung analoger Technologien und Arbeitsprozesse und die zunehmende Implementierung intelligenter Steuerungsprozesse, die Arbeitsabläufe automatisieren und erleichtern sollen. Viele neue Arbeitsplätze sollen auf diesem Wege geschaffen werden, doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite stehen Arbeitsbereiche mit einer stark analogen Ausrichtung, die nun möglicherweise ihre Daseinsberechtigung verlieren.

Umfangreiche digitale Kompetenzen und neue Skills scheinen für die Menschen hinter der Statistik die einzige Möglichkeit zu sein, um den Sprung von der analogen in die digitale Arbeitswelt zu schaffen. Was braucht Deutschlands Manpower, um den Arbeitsmarkt der Zukunft aktiv mitzugestalten?

Deutschland und die digitale Kompetenz

Wie stark die vierte Revolution in der Arbeitswelt bereits angekommen ist, lässt sich an vielfältigen Beispielen zeigen. In der Unterhaltungsbranche wird die Digitalisierung besonders stark spürbar. Hier haben sich virtuelle Angebote längst als Ergänzung zum klassischen Kulturprogramm etabliert. Die Entstehung und rasante Verbreitung von Online Casinos ist ein weiteres deutliches Merkmal des Wandels. Dass der Wunsch nach Live-Atmosphäre allein nicht ausreicht, um den Schritt zurück in die analoge Welt des Entertainment zu machen, zeigt die Hybrid-Variante Live Casino, die zwar die Brücke zu den Räumlichkeiten in den niedergelassenen Spielbanken schlägt, gleichzeitig aber der Digitalisierung verpflichtet bleibt.

Auch das traditionelle Berufsbild des Automobilmechanikers ist längst der zeitgemäßen Variante des KfZ-Mechatronikers gewichen. Wer sich heute für eine Ausbildung in diesem Traditionshandwerk interessiert, muss deutlich andere Kompetenzen mitbringen, denn das Berufsbild des KfZ-Mechatronikers ist eine Verschmelzung von drei Tätigkeitsfeldern: Kfz-Mechaniker, Kfz-Elektriker und Automobilmechaniker. Die Umgestaltung des Handwerks ist den immer komplexeren Technologien in der Automobilbranche geschuldet. Absolventen der neuen Ausbildungsberufe in diesem Bereich sind breit aufgestellt und haben gute Perspektiven. Die Kompetenzen, die für einen erfolgreichen Abschluss und auch die Weiterbildung im Beruf erforderlich sind, haben sich allerdings stark gewandelt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales prognostiziert, dass sich allein in der Automobilindustrie bis zum Jahr 2030 rund 400.000 Arbeitsplätze einer digitalen Neuqualifizierung unterziehen müssen. Branchenübergreifend sollen etwa 40 bis 50 Prozent der bestehenden Arbeitsplätze betroffen sein.

Ein Symptom der zunehmenden Digitalisierung sind auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen traditionelle Reisebüros seit Jahren zu kämpfen haben. Zu stark ist die Konkurrenz durch digitale Beratungs- und Buchungsplattformen, die insbesondere durch günstige Preise, uneingeschränkte Verfügbarkeit und die Möglichkeit schneller und vielfältiger Vergleiche per Mausklick überzeugen. Insbesondere die jüngere Generation wählt für die Recherche und Buchung von Urlauben nur noch selten den Weg ins Reisebüro, sondern plant hauptsächlich online.

Vor dem Hintergrund des tiefgreifenden Wandels bleiben die digitalen Beschlagenheiten in Deutschland allerdings noch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland in Sachen Digitalkompetenz weit hinter Global Playern wie China und den USA, aber auch hinter den skandinavischen Nachbarländern zurück. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums sagte bereits für das Jahr 2020 einen Abbau von 5 Millionen Stellen aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung in Fabriken und Büros voraus.

In Deutschland stehen den Arbeitslosenzahlen Zehntausende offener Stellen in stark digitalisierten und technologisierten Berufszweigen gegenüber. Konsequentes Reskilling und Upskilling könnte die Lücke zwischen dem Bedarf des Arbeitsmarktes und dem Angebot an Manpower hierzulande schließen und den Weg ebnen in Deutschlands digitale Zukunft.

Reskilling und Upskilling könne Arbeitsplätze retten

Wie wirkungsvoll Reskilling und Upskilling für den erfolgreichen Wandel des deutschen Arbeitsmarktes sein können, weiß Nicole Gaiziunas. Die Betriebswirtin und Sozialpädagogin, leitet die XU Group in Berlin, einem Anbieter für Weiterbildung und Neuqualifizierung in digitalen Jobs. „Wir haben keinen Mangel an Fachkräften, sondern einen Mangel an Qualifizierung“, sagt die Gründerin im Gespräch mit Business Insider. Sie hat in ihrer Arbeit mit Unternehmen und Fachkräften erlebt, dass Re- und Upskilling-Firmen wirkungsvoll dabei unterstützen können, ihr Wissen und ihre eigenen Fachkräfte zu halten und das große Ganze fit für modernisierte Arbeitsprozesse und Technologien zu machen. „Gleichzeitig können diese das Profil der Belegschaft und damit die Arbeitsweise des Betriebes den Anforderungen der Zukunft anpassen“, erläutert Gaiziunas.

Es geht um den gezielten Ausbau bereits vorhandener Fähigkeiten im digitalen Bereich und die Um- und Weiterqualifikation von Fachkräften vor dem Hintergrund neuer Anforderungen und digitalisierter Arbeitsprozesse und Arbeitsplatzgestaltungen. Das Angebot der XU Group richtet sich an Kunden mit und ohne Vorkenntnisse im IT-Bereich, die die Chance ergreifen möchten, sich für den neuen Arbeitsmarkt zu qualifizieren und damit einen wertvollen Beitrag zu leisten. Somit wird quasi garantiert, dass ihr Arbeitsplatz und in Folge auch das gesamte

Unternehmen zukunftsfähig werden. In vielen Bereichen lässt sich so der Abbau von Stellen oder die Neubesetzung durch anders qualifizierte Fachkräfte verhindern.

Um ihre Vision noch stärker weitergeben zu können, hat Gaiziunas in Kooperation mit der Verlagsgruppe Klett die Gründung einer Hochschule für Digitalisierung initiiert. Die Hochschule mit Sitz in Potsdam richtet sich nicht nur an Studierende auf dem Weg ins Berufsleben, sondern insbesondere auch an angestellte und freiberufliche Fachkräfte. Unabhängig von der Hierarchieebene in zukunftsorientierten Unternehmen, wird hier die Qualifikation erweitert und an die neuen Anforderungen angepasst.

Das Ziel, das sich Nicole Gaiziunas gemeinsam mit ihrem Team gesteckt hat, klingt ambitioniert: Bis zum Jahr 2024 sollen rund 250.000 Menschen in Deutschland die Chance erhalten haben, sich in verschiedenen Kursmodellen für ein digital geprägtes Jobprofil zu qualifizieren. Der Einstieg auf den neuen Arbeitsmarkt soll auf diesem Weg drastisch verbessert werden.

Die digitale Grundbefähigung für einen zukunftsfähigen deutschen Arbeitsmarkt

Bislang schöpft Deutschland die gegebenen Möglichkeiten in einer stark von Digitalisierung geprägten Arbeitswelt nicht aus. Zu groß ist noch die Lücke zwischen den zur Verfügung stehenden Fachkräften und den erforderlichen Qualifikationen im Bereich technologisierte Arbeitsprozesse. Nur eine digitale Grundbefähigung kann den deutschen Arbeitsmarkt langfristig zukunftsfähig machen.

Das setzt voraus, dass Berufsbilder hierarchieübergreifend, sowie Aus- und Weiterbildungen neu definiert und in ihren Grundvoraussetzungen und ihrem Kompetenzprofil angepasst werden müssen. Anstatt den hiesigen Fachkräften vor Augen zu führen, dass ihre Qualifikation für den sich verändernden Arbeitsmarkt nicht mehr ausreichen wird, sollten vielmehr Wege aufgezeigt werden, um den eigenen beruflichen Horizont zu erweitern. Die Herausforderung der digitalen Zukunft als Chance zu sehen ist das Ziel. Das bedeutet nicht, dass jeder plötzlich den IT-Spezialisten in sich entdecken muss. Vielfach ist es jedoch möglich, durch gezielte Schulungen innerhalb eines Jahres die erforderlichen Kompetenzen auszubilden, um die notwendigen Veränderungen und Modernisierungen von Arbeitsprozessen mittragen zu können.

In der Vergangenheit hat technologischer Fortschritt immer dazu geführt, dass Arbeitsplätze an der einen Stelle überflüssig wurden und an anderer Stelle in großem Umfang neu entstanden. Nun wird es wichtig sein, das vorhandene Kontingent an Fachkräften durch gezieltes Reskilling und Upskilling so zu qualifizieren, dass sie die neu entstandenen Position erfolgreich besetzen können.

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