Berliner Clubszene im Wandel

Unendlicher Tanz

In der Kindl-Brauerei wurde 133 Jahre Bier gebraut - 2005 stellte das Unternehmen die Produktion ein.
In der Kindl-Brauerei wurde 133 Jahre Bier gebraut - 2005 stellte das Unternehmen die Produktion ein.
Das Thema Clubschließungen ist in aller Munde - dabei machen anderswo neue Läden auf. Doch auf längere Sicht könnten Clubs in zentraler Lage unfinanzierbar werden, befürchten die Betreiber.

Ob Bar 25, WMF oder E-Werk, sie alle waren Legenden der Berliner Clubgeschichte. Heute sind sie nur noch schöne Erinnerungen. Inzwischen feiert man im Prince Charles, im Ritter Butzke, im Horst Krzbrg, im Gretchen oder Kater Holzig. Und obwohl dieser Tage häufig vom großen Clubsterben die Rede ist, eröffnen immer wieder neue Läden. In den letzten Wochen kamen zwei Bars in Mitte hinzu, die Maria am Ostbahnhof heißt nun nicht mehr ADS, sondern Magdalena, und in der früheren Kindl-Brauerei lädt seit Anfang März das Cube Techno- und Rockfans zu langen Tanznächten. Auf den 3.500 Quadratmetern sollen künftig auch Veranstaltungen anderer Art stattfinden – ein Laufsteg ist schon vor Ort. Das Cube wird nicht allein bleiben: nach Angaben des Bezirksamts planen auch die Betreiber der Kneipe „Fuchs und Elster“ in der Weserstraße einen Club auf dem Brauereigelände.

Im Februar eröffnete die Butcher’s Cocktailbar in den Räumen einer ehemaligen Schlachterei an der Torstraße. Die Getränke hängen hier am Haken und der Zugang erfolgt durch eine alte Telefonzelle, die im Imbiss Fleischerei steht. Am Arkonaplatz gibt es ein Wiedersehen mit einem Klassiker der Berliner Clubszene. Das NBI war früher in der Schönhauser Allee und anschließend bis Oktober 2011 in der Kulturbrauerei beheimatet. Nun erfolgt das Comeback in der Zionskirchstraße 5 – als Bar, ohne Konzerte und Partys. „Wir wollen entschleunigen“, sagt Chef Dirk Mitlehner. Die Gäste dürfen sich aus Listen selber Songs aussuchen, die im NBI gespielt werden.

Selbst in Mitte eröffnen Clubs

Die dreistöckige vormalige Communal-Armenschule neben der Volksbühne soll ab Ende März das The Grand beherbergen. Den Machern Martin Hötzl (ex-Rodeo Club) und Jesko Klatt (Spindler & Klatt) schwebt ein gehobenes Restaurant mit angeschlossener Bar und Club vor. An zwei Tagen pro Woche und am Wochenende soll sich der Gastraum des Restaurants, das von Rainer Möckl (Borchard) geleitet wird, in eine Tanzfläche verwandeln. Bereits 2011 eröffneten in Berlin-Mitte die Clubs KTV in der Chausseestraße und Flamingo in den S-Bahnbögen am Monbijoupark.

Andere klangvolle Namen wie Tresor, Berghain, Cookies, Watergate und Weekend machen keine Anstalten, abzutreten. Auch das Magdalena passt in diese Reihe. So heißt inzwischen das zeitweise als ADS firmierende Maria am Ostbahnhof an der Schillingbrücke. Club-Veteran Ben de Biel hat die Lokalität unter neuem Namen wieder aufgemacht. Vor dem Verkauf des Grundstücks muss erst der Konflikt um die Instandsetzung der Ufermauer gelöst werden. Profiteur ist de Biel, er kann noch mindestens ein Jahr weitermachen. Gerade brütet er über einem neuen Konzept, sagt er. Am „operativen Geschäft“ wolle er sich aber nicht mehr beteiligen. Schließlich ist de Biel Hobby-Fotograf und Pressesprecher der Piratenpartei.

Wandel und Verdrängung

Der nie endende Wandel macht das Berliner Nachtleben für Einheimische und Gäste so attraktiv. Man feiert den Augenblick und wenn ein Club dicht macht, ist ein neuer nicht weit. Bis die Masse davon Wind kriegt, feiert die Szene häufig schon Monate. „Es machen viele Klubs auf, es hält sich vielleicht sogar die Waage gegenüber den Schließungen“, sagt selbst Lutz Leichsenring von der Clubcommission. Dennoch sieht er zumindest in der Innenstadt schwere Zeiten auf die Clubbetreiber zukommen. Er warnt vor Investoren und nicht erfüllbaren Auflagen durch die Ämter. Schon heute seien zentrale Standorte zu kostspielig, um neue große Clubs dauerhaft finanzieren zu können.

„Im Zentrum wird es schwieriger“, sagt auch Christoph Klenzendorf vom Kater Holzig. Er sieht eher im Osten Spielraum, in Stralau oder Lichtenberg. Obwohl „alles zu saniert und teuer“ werde, sei immer noch einiges machbar. Dieser Ansicht ist auch VisitBerlin-Chef Burkhard Kieker. „Clubs machen zu, aber es machen auch ständig welche auf. Das ist das Wesen Berlins“, sagt er. Es gebe immer noch unentdeckte Ecken. Selbst in Prenzlauer Berg, aktuell wegen der Schließungen von Klub der Republik, Icon und Knaack in Verruf geraten, wird im Dazzle oder Bassy weitergetanzt. Und die Clubcommission schaut sich derzeit nach neuen Betreibern für eine Location in der Nähe des Hauptbahnhofs um.


Quelle: Der Tagesspiegel

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