Rund um den Klausenerplatz

Der roughe Bruder vom Kollwitzkiez

Streifzug durch den Kiez rund um Klausenerplatz und Danckelmannstraße in Charlottenburg.
Streifzug durch den Kiez rund um Klausenerplatz und Danckelmannstraße in Charlottenburg.
Klausenerplatz-Kiez - Viele Familien, nette Cafés, kleine Galerien und Kinderläden - rund um den Klausenerplatz erinnert vieles an den beliebten Szene-Kiez in Prenzlauer Berg. Doch bei einem Rundgang durchs Quartier wird schnell klar, dass Eltern, Anwohner und Besucher hier nicht so zart besaitet sein dürfen wie am Kollwitzplatz.

Zwischen Kaiserdamm, Schlossstraße und Spandauer Damm zeigt Berlin noch sein wahres Gesicht: Es ist laut, schmutzig und halbstarke Jugendliche langweilen sich auf Parkbänken. Auf der anderen Seite prägen Hinterhofidyllen, gutbürgerliche Cafés und Restaurants, junge Familien mit Bollerwagen und Tragetuch sowie schön sanierte Altbauten das Bild.

Mit diesem Spannungsfeld scheinen sich Anlieger im Klausenerplatz-Kiez gut arrangiert zu haben: Nur wenige Geschäftsräume stehen leer, bepflanzte Baumscheiben zeugen von einer aktiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensumfeld und die Straßen werden in trauter Eintracht belebt von türkischen Großfamilien, Westberliner Seniorenpärchen und Touristengruppen, die sich vom nahegelegenen Schloss Charlottenburg in die umliegenden Straßen verirrt haben.

Weder die mit Lenkdrachen, Tretroller und Einkaufstüten beladenen Eltern mit und ohne Migrationshintergrund noch die zurechtgemachten, ihre Hündchen Gassi führenden Charlottenburgerinnen scheinen sich von den weniger schönen Seiten des Kiezes sonderlich beeindrucken zu lassen. Ein wenig Müll hier und da, weniger herausgeputzte Häuserfassaden und Jugendgangs aus den Neubauten am Spandauer Damm, die sich mit ein paar Herumpöbeleien Eindruck verschaffen wollen, gehören eben einfach dazu. Relativ neu sind hingegen Bio-Kaffee-Latte oder die allgegenwärtigen Laufräder – doch auch an die hat sich der unkomplizierte Kiez schnell gewöhnt.

Noch einige historische Informationen zur Gegend: Der Klausenerplatz diente Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst als Reitplatz der Garden aus dem Schloss Charlottenburg, 1870 wurde er zum Schmuckplatz umgewandelt und bereits seit 1920 ist der Platz in Ruhe- und Kinderspielzonen unterteilt. Seinen Namen erhielt er 1950 in Gedenken an den von den Nazis ermordeten Führer der Katholischen Aktion Erich Klausener. Das umliegende Quartier, das in den vergangenen 300 Jahren unter anderem die Namen „Schlossviertel“, „Zille-Kiez“ oder „Kleiner Wedding“ trug, überstand den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet. Davon zeugt bis heute die reiche Altbausubstanz im Viertel.

Seit 1999 kümmert sich das „Kiezbündnis Klausenerplatz“ um die positive Entwicklung des Quartiers und das aktive Zusammenleben der Nachbarschaft. Weitere Infos erhältst du hier.

Der roughe Bruder vom Kollwitzkiez, Klausenerplatz, 14059 Berlin

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