Unterwegs im Viertel

Es schillert viel im Schillerkiez

Es schillert viel im Schillerkiez
Anarchie trifft auf Sub-Romantik: Der Schillerkiez hat viele Facetten.
Neukölln-Nord – Eingerahmt vom Tempelhofer Park im Westen, dem St.-Thomas-Kirchhof im Süden, der Flughafenstraße im Norden und der Hermannstraße im Osten, haben wir uns auf einen Spaziergang durch den nur auf den ersten Blick unscheinbaren Schillerkiez begeben.

Am U-Bahnhof Boddinstraße im Norden Neuköllns angekommen, sieht die Umgebung, in der zahlreiche Casinos und Wettbüros wie Pilze aus dem Boden schießen, zunächst noch wenig ansehnlich und einladend aus. Doch wie in fast allen Ecken Berlins, hält oft schon die nächste Querstraße überraschende Ein- und Ausblicke bereit, mit denen der unvoreingenommene Besucher augenblicklich entlohnt wird.

So auch das Viertel rund um die Neuköllner Schillerpromenade. Eine breite Mittelpromenade mit Spielplätzen und Grünanlagen, die einige prächtige Fassaden und Altbauten vorzuweisen hat – einige davon saniert, andere sanierungsbedürftig und wieder andere von Anwohnern oder Kiezgängern mit Parolen, Plakaten oder Plaka Farbe (gut deckende Farbe, die oft in Kindergärten oder Schulen verwendet wird) versehen. Zum Flanieren lädt diese einst für gutsituierte Bürger angelegte Straße heutzutage vielleicht nicht mehr ein, dafür aber zum Entdecken!

Kaum von der Flughafenstraße in das nördliche Ende der Weisestraße abgebogen, benannt nach dem Volksdichter Karl Weise, geht es auch schon bunt los. Ausdrucksstarke Graffitis auf der einen, farbenfrohe Kindermalereien auf der anderen Seite, welche die Fassade der gleichnamigen Karl-Weise Ganztagsgrundschule schmücken.

Eine Ode an den Schiller

Die Herrfurthstraße kreuzend, wird es allmählich lebhafter und auf andere Art und Weise bunt. An einer Ecke befindet sich der Schilleria Girls Club, ein Café für Mädchen und junge Frauen. Schräg gegenüber formiert sich die Schiller Bar, zu der auch noch ein Schiller Burger und eine Schiller Backstube gehören. Die anderen beiden Ecken bleiben frei: Zum einen für von Anwohnern aufgestellte Tische und Bierbänke, auf denen man sich zum Diskutieren und Sinnieren trifft, zum anderen für den politischen Protest, der ebenfalls in Schiller’scher Manier oft lyrisch ausfällt.

 

Am Herrfurthplatz schließlich, dem Zentrum des Schillerkiezes, wird man von dem Ruhe ausstrahlenden Anblick der Genezareth-Kirche begrüßt. Kein Zufall wohl, dass die unmittelbar angrenzende Lokalität mit mediterran anmutendem Flair den Namen Café Selig  trägt. Übrigens eine von Anwohnern entwickelte Idee im Rahmen der „Projektwerkstätten zur Umgestaltung der Grünflächen der Schillerpromenade“, durch den Anbau eines Cafés, die Kirche in die Kiezentwicklung einzubeziehen.

Eine Mischung mit Profil

Geschäftig und gemütlich zugleich, belebt, aber nicht laut, lassen sich auf der Schillerpromenade Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Herkunft und verschiedener Überzeugung beobachten. Eine Mischung, die sich auch im Straßenbild widerspiegelt: Anarchie trifft hier auf Sub-Romantik, Kinderspielplatz auf Eckkneipe und traditionelle Häuser auf modernen Elektromüll.

Wer sich von „ein wenig dreckig“ und „ein wenig unkonventionell“ nicht abschrecken lässt, kann hier viele kleine Kuriositäten entdecken und interessante Eindrücke sammeln. Ob ein nur kurzer Abstecher oder längere Verweildauer – mit seinen zahlreichen Cafés, Szene-Treffs und urigen Kneipen ist der Schillerkiez, trotz seines Rufs als Problemviertel, in jedem Fall einen Besuch wert.

Schilleria, Weisestraße 51, 12049 Berlin

Telefon 030/ 62723602

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