Preisgekrönt: Kunst-Stoffe in Pankow

Aus Müll wird Design

Aus Müll wird Design
Wer sich für einen nachhaltigen Umgang mit Müll interessiert, der muss Kunst-Stoffe in Pankow kennenlernen.
Berliner Straße - Upcycling – das ist wie Recycling eine Art der Müllvermeidung. Dabei wird Abfall als Material für die Kreation neuer Produkte, vor allem in der Kunst- und Designszene, verwendet. Berlins zentrale Anlaufstelle dafür heißt Kunst-Stoffe, hat ihren Sitz in Pankow und wurde gerade von der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" als "Ausgezeichneter Ort 2013/2014" prämiert.

Das Haus mit den bunten „Kunst-Stoffe“-Schildern in direkter Nähe zur S/U-Bahn-Station Pankow ist groß, sieht aber ganz schön mitgenommen aus. „Als gemeinnütziges Projekt ohne wirtschaftliches Interesse ist die Standortwahl natürlich nicht so einfach“, erklärt Judith Jacob, die für die Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit bei Kunst-Stoffe zuständig ist. Seit 2006 können Berliner Bürger, aber auch Firmen hier ihre Abfall- und Gebrauchtmaterialien loswerden. Diese werden dann entsprechend sortiert – Stoffe, Schaumstoff, Plastik, Metall, Planen, Holz, Artefakte. „Aber nur Dinge, die sauber und wirklich wiederverwertbar sind, nehmen wir an“, sagt Jacob.

Materiallager, Workshops, Werkstatt

Hauptsächlich Künstler, wie etwa die bekannte französische Recycling-Designerin Katell Gélébart, kommen dann vorbei und können sich gegen einen sehr geringen Preis an den Materialien bedienen, aber auch Schulklassen, Kitagruppen sowie Kunsthochschulen oder Unis sind regelmäßige „Kunden“. Im Grunde steht das Haus jedem offen. Neben dem Materiallager bietet Kunst-Stoffe ein großes Repertoire an kreativen  Workshops wie z.B. „Trashformer – Roboter bauen“ oder „Schnupperwerkstatt Metall“. Und ebenfalls interessant für Kreative ist die Tatsache, dass es offene Werkstätten gibt, die man mieten kann und in denen man seine Handwerksarbeiten – von Holz- bis zu Metallverarbeitung – vor Ort, auf Wunsch auch mit Hilfe einer Fachkraft, erledigen kann.

Gewinn wirft dieses Projekt natürlich nicht ab, im Gegenteil. Die Mitarbeiter, die großteils ehrenamtlich arbeiten, setzen sich mit viel Herzblut dafür ein, dass nachhaltige Wieder- und Weiterverwendung auch in Berlin eine echte Alternative zur Wegwerfmentalität wird. „Die Idee stammt aus New York, dort existiert das ‚Material For The Arts‘, das sich seit den 70ern schon sehr etabliert hat“, erklärt Jacob. „Dort gehen die Leute wirklich mit dem Einkaufswagen hin und shoppen. Das Ganze wird vom Land bezahlt und richtig gefördert. Das wäre auch unser Ziel für Berlin!“ Schließlich hätte es neben der Abfallvermeidung den positiven Nebeneffekt, damit Kunst und Kultur zu fördern.

Der Standort in Pankow sei nicht optimal, erklärt Jacob, weil er nicht wirklich zentral und auch nicht gerade in einem Künstlerviertel läge. Daher gibt es seit dem Sommer letzten Jahres noch eine kleine Filiale auf dem Tempelhofer Feld mit größerer Nähe zum Künstlerbezirk Neukölln. Darüber hinaus organisiert Kunst-Stoffe seit diesem Jahr jeden ersten Montag im Monat in einem Kreuzberger Atelier (Alexandrinenstr. 4, im Hinterhaus) das sogenannte „Repair Café“. Dies basiert auf einem Hilfe-zur-Selbsthilfe-Konzept: Jeder bringt seine kaputten Sachen mit, vom Stuhl über die Kochplatte bis zum Kopfhörer, und repariert diese mit Hilfe eines Experten direkt vor Ort selbst. Das Ganze ist kostenlos. Wichtig: Besser vorher anmelden, damit das passende Werkzeug vorhanden ist.

Weitere Informationen zu Kunst-Stoffe gibt es hier.

Kunst-Stoffe, Berliner Straße 17, 13189 Berlin

Telefon 030 34089840

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Materiallager:
Mittwoch und Freitag von 12:00 bis 18:00 Uhr
Donnerstag von 12:00 bis 16:00 Uhr
letzter Sonntag im Monat von 15:00 bis 19:00 Uhr
und nach Vereinbarung

Kunst-Stoffe

Im Hof hängt ein hübsch designtes "Kunst-Stoffe"-Plakat.

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