Urlaub oder Kurztrip

Warum das Lausitzer Seenland jede Reise wert ist

TV LSL NQ_Sommerliche Fahrradtour auf Seerundweg
Wer alte Fotos ansieht, kann es kaum glauben: Hier, wo der Tagebau einst eine Wüste erschuf, erfrischt nun eine wunderschöne Seenlandschaft Menschen aus aller Welt. Baden, Bootfahren, Segeln, Surfen: Alles ist in der Lausitz möglich. Und vieles mehr…

Idylle, wohin das Auge schaut: Die Weite des Himmels spiegelt sich im klaren Wasser der Seen, die Natur schmiegt sich malerisch bis ans Ufer und die Abraumförderbrücke F60 des ehemaligen Bergwerks in Lichterfeld verleiht der vielfältigen Landschaft das gewisse Etwas. Dank des beeindruckenden Giganten der Technik gerät auch nicht in Vergessenheit, dass hier der Braunkohle-Tagebau vor gut 50 Jahren noch das Leben der Menschen bestimmte. Damals waren die 25 Seen nur eine bahnbrechende Idee des Landschaftsarchitekten Otto Rindt. Zum Glück konnte der die DDR-Oberen davon überzeugen, seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Fast 150 Jahre stand die Lausitz für Bergbau. Über zwei Milliarden Tonnen Braunkohle wurden aus bis zu 60 Meter Tiefe geborgen. So bildet sich hier eine Art Mondlandschaft, völlig unbrauchbar für irdische Bedürfnisse. Nichts schien möglich – keine landwirtschaftliche Nutzung, kein Tourismus, keine Lebensfreude. Doch mit der Flutung des Senftenberger Sees im Jahr 1967 setzte der Wandel ein. Es begann eine Zukunft, von der wir heute sogar als Hauptstädter etwas haben. Von Berlin aus ist man nämlich in anderthalb Stunden im Lausitzer Seenland – die ideale Entfernung, um einen erholsamen Wochenendtrip zu machen oder quengelfrei mit den Kids in den Urlaub zu fahren.

Aus der Luft sieht man erst, wie weitläufig das Gebiet des Lausitzer Seenlands ist.

Ferien nach Maß

Vor Ort findest du nun alles, was dein Urlauberherz begehrt. Für Wasserfans gibt es keinen Sport, den man hier nicht ausüben kann. Wasserski, Segeln, Kanu fahren, Paddeln, Motorboot fahren, Jetski fahren, Hausboot urlauben, Schwimmen, Baden, Planschen. Aber auch an Land gibt es viel zu erleben. Sehr empfehlenswert ist eine Fahrradtour, um sich die ganze Pracht aus der Nähe anzusehen. Gut 190 Kilometer Radweg stehen zur Verfügung, um große Runden, kleine Ausflüge oder echte Touren zu radeln. Dabei kannst du die verschiedenen Entstehungsphasen beobachten: vom stillgelegten Tagebau bis zum fertigen See mit Jachthafen und hellen Badestränden. Du kannst aber auch thematisch an die Sache herangehen und dir Gartenstädte in der Umgebung ansehen, dem Wolf auf die Spur kommen, das Reich der Seeadler erkunden oder die schönsten Dorfkirchen der Region bewundern.

Ein heißer Tipp ist die Entdeckertour am Großräschener See mit ganz unterschiedlichen Stationen. Ein guter Startpunkt ist dafür die Allee der Steine, in der eiszeitliche Findlinge als Steine-Meer, zu Säulen und in Gruppen in Szene gesetzt wurden – ein instagrammable Ort, für den sich entsprechend sogar Teenager begeistern können. Die Älteren lassen sich von der Schönheit der Anlage berauschen, die ganz im Sinne vom Gartenfürst Heinrich von Pückler-Muskau gestaltet wurde. Der Aussichtspunkt Victoriahöhe präsentiert dir anschließend einen Vorgeschmack auf die nächsten Highlights: den Weinberg, die IBA-Terrassen und den Hafen.

Skaten, Radfahren oder Wandern: Auch an Land ist der Urlaub abwechslungsreich.

Wenn du den Weinberg erreicht hast, kannst du dir eine Weinprobe gönnen oder bei einer Führung einfach nur den Weinanbau bestaunen. Über den Promenadenweg erreichst du dann die IBA-Terrassen – ein 270 Meter langes Bauwerk, das nach den Plänen von Ferdinand Heide errichtet wurde. Der Architekt aus Frankfurt am Main gewann damals den internationalen Architekturwettbewerb zur Konzeptionierung eines Informationszentrums.

In den drei Gebäudewürfeln findest du ein Bistro mit leckeren Kleinigkeiten zur Stärkung, eine Ausstellung – IBA meets IBA –, eine Touristeninformation und einen Souvenirshop. Du kannst an diesem außergewöhnlichen Ort übrigens auch Workshops, Tagungen und Events veranstalten. Moderne Technik, sehr gutes Catering, Kooperationen wie mit dem nahegelegenen Seehotel und der unschlagbare Charme der IBA-Terrassen lassen keine Wünsche offen.

Die nächsten Stationen führen dich zum Hafen, zum denkmalgeschützten Dreiseitenhof „Haus der Landwirtschaft“ mit einem tollen Hofladen, in dem du mit Sicherheit zuschlagen wirst, zu einer restaurierten Holländermühle, zur Wasseraufbereitungsanlage Rainitza und schließlich ins gerade schon erwähnte Seehotel Großräschen, wo hundert täuschend echt gefälschte Meisterwerke zu bestaunen sind. Wer rechtzeitig bucht, kann hier übernachten und die aufregende Tour mit einem leckeren Dinner beschließen.

Vom Tagebau zum Urlaubsparadies

Ein Muss – ob mit dem Rad, der Bahn oder dem Auto – ist natürlich ein Besuch des Besucherbergwerks F60. Der „liegende Eifelturm der Lausitz“, wie die imposante Abraumförderbrücke auch genannt wird, ist zurecht ein Besuchermagnet. Am besten buchst du dir eine Führung, dann erfährst du innerhalb von 90 Minuten Fakten, Historie und Hintergründe und kommst natürlich in den Genuss des Weitblicks, den du auf über 70 Metern Höhe erhältst. Es gibt auch Führungen, die dich ins „Gehirn“ der F60 bringen. Wer Höhenangst hat, wählt am besten die Führung „Vom Baggerwerk zum Bergheider See“. Auf dem Spaziergang kannst du dir vom Boden aus ein Bild von der Rekultivierung und den Maschinen machen.

Baden vor unglaublicher Kulisse: im Hintergrund die Abraumförderbrücke F60.

Wenn dich der Tagebau fasziniert, ist der Aussichtspunkt „Süd“ natürlich auch ein Ziel deiner Reise. Südöstlich der Stadt Welzow bietet ein kleines Aussichtshaus die Chance, dir einen einzigartigen Überblick über das aktive Braunkohlentagebau Welzow-Süd zu verschaffen. Tafeln zur Geologie der Region und zur Technologie der Kohleförderung liefern darüber hinaus interessante Informationen. Auch Tipps für weitere touristische Angebote der Stadt gibt es.

Ansonsten ist die Auswahl der Freizeitaktivitäten in der gesamten Region so enorm, dass du gleich mehrere Reisen ins Lausitzer Seenland planen solltest. Langeweile kommt nicht auf und selbst verwöhnte Berliner Kids, die ein großes Spektrum an Möglichkeiten gewöhnt sind, kommen voll auf ihre Kosten. Wie wäre es mit einer Alpaka-Wanderung oder eine Quad-Fahrt in Klein Partwitz, ein Wasserski-Kurs bei Wake & Beach am Halbendorfer See oder eine Paddeltour in Guben auf der Neiße.

Sommer vorbei? Tipps für den Frühling, Herbst und Winter

Auch bei schlechtem Wetter und in den nicht so warmen Monaten lohnt eine Reise ins Lausitzer Seenland. Nicht nur die Landschaften zeigen sich auch im Frühling, Herbst und Winter von ihren schönsten Seiten, es gibt zahlreiche Indoor-Aktivitäten. Wie wäre es, eigene Schokoladenkreationen in der Mitmach-Schauwerkstatt der Confiserie Felicitas zu basteln? Oder mit einem Esel auf Wanderschaft zu gehen? Die Tiere haben eine sehr beruhigende Wirkung – auch auf Kinder. Die Energiefabrik Knappenrode bietet eine Schatzsuche, eine Entdeckertour, Draisinenfahrten und vieles mehr für Groß und Klein.

Für Genussmenschen empfiehlt sich eine kulinarische Stadtführung, die verschiedene Gemeinden anbieten, oder du fährst gezielt die vielen Restaurants, Cafés und Landgasthöfe an, um den Geschmack der Region auf eigene Faust zu testen. Vom Imbiss über die Beach-Bar bis zum Fine-Dining reicht die Vielfalt. Um zu Hause die Vorzüge der Lausitz zu schmecken, kannst du dich mit Spezialitäten wie Wein, Kaffee, Lavendelprodukten, Öl und Likören eindecken. Falls du mal zu spontan unterwegs bist und tatsächlich kein Hotel, keine Pension und kein Campingplatz für deine Übernachtung buchbar ist, mach doch einfach einen Tagesausflug in Europas größte künstliche Wasserlandschaft – ja, den Titel hält das Lausitzer Seenland.

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