Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Vegan aus Vietnam: Chay Village

Vegan aus Vietnam: Chay Village
Das Chay Village überzeugt sogar passionierte Fleischesser von veganer Küche.
Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und mehr. Diesmal entdeckt sie im Chay Village, wie lecker vegane Küche sein kann.

Es gibt einige Fragen, die muss man mir nicht stellen, weil man die Antwort eigentlich kennen sollte. Sowas wie: „Stehst Du gerne im Stau?“ „Möchtest Du gerne eine Wurzelbehandlung ohne Narkose machen lassen?“ Oder: „Hast Du Lust, vegan essen zu gehen?“ Diese letzte Frage stellt mir meine Freundin Amanda, obwohl sie weiß, dass ich eigentlich von Bacon und Hamburgern leben könnte. Amanda ist Vollblutveganerin und Grünzeugmissionarin. Weil ich aber keine Spielverderberin sein möchte, und per se gerne Neues ausprobiere, stimme ich zu.

Wir verabreden uns bei Chay Village in Schöneberg, Eisenacher Straße, direkt am U-Bahnhof. Vietnamesische Küche. Ein Hot Spot, sagt sie, man müsse mindestens drei Tage im Voraus reservieren. Kurz bevor ich ankomme, halte ich an einer Tankstelle und esse eine Minisalami. Ich schäme mich dafür nur ein bisschen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass veganes Essen schmeckt. Ich möchte nicht zu enttäuscht sein und wenigstens schon was im Magen haben. 

 

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Wo es hip ist, wird es eng

Das Chay Village sieht von außen unspektakulär aus. Traurig baumelnde Lichterketten, Plastikpflanzen in den Fenstern. Die Bänke an den Tischen vor dem Laden stehen abschüssig und sehen nur mittelmäßig gemütlich aus. An der Tür hängt ein Biozertifikat für die Einhaltung der Vorgaben für organisch – biologischen Landbau. Ich fühle mich jetzt schon wie ein besserer Mensch, mit voll gutem Gewissen. Das kleine Restaurant, innen gibt es 25 Plätze, ist brechend voll. Wir sitzen gequetscht an einem kleinen Tischchen in der Ecke. Ich fühle mich trotzdem wichtig. Ich mag, wenn es hip ist in Berlin. Als Mädchen aus Lichterfelde bietet mir meine Stadt doch immer wieder besondere Momente, an die ich mich im normalen Tagesgeschehen gar nicht so richtig gewöhnen kann. Für Berliner Verhältnisse bin ich ein Landmädchen. Mit Fleischeshunger.

Ich arbeite mich durch die Karte. Xoi Cuon: Kokosklebreisrolle gefüllt mit mariniertem Seitan, übergossen mit dicker Sojasauce, garniert mit Kräutern, Erdnüssen und geröstetem Porree. Klingt nicht nach etwas, das sonst auf meinem Speiseplan steht.  Klingt aber auch nicht ganz schlimm. Überhaupt wirken die Gerichte, als seien sie mit Liebe und Sorgfalt zusammengestellt. Vietnamesischer Bibimbap. Unten Reis, oben karamellisierter Tofu, Sojafilet in Tomatensauce, Gemüse und Ei. Ja, Ei ist nicht vegan, aber jedes Gericht lässt sich auch komplett ohne tierische Produkte bestellen. 


Kein Fleisch? Kein Problem! 

Die Preise auf der Karte irritieren mich. 5 Euro für ein Hauptgericht? Das kann ja nur ein Fingerhut voll sein. Misstrauisch bestelle ich was für 6 Euro 90. Sicher ist sicher. Ich nehme Frühlingsrollen mit dünnen Reisbandnudeln. Vorher teilen Amanda und ich Dumplings. Als Getränk wähle ich einen grünen Smoothie, als Dessert gibt es Kokos-Bananenpudding mit Tapiokaperlen, das sind diese lustigen Bubbletee-Kügelchen. 

 

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Ganz ehrlich? Ich werde wahrscheinlich leider nie Vegetarier. Ich würde meine Leberwurststulle zu sehr vermissen. Aber nach diesem Geschmackserlebnis könnte ich es zumindest werden. Ich habe Fleisch nicht vermisst in meinen Gerichten, bei den Dumplings konnte ich nicht mal fassen, dass keines darin war. Die Frühlingsrollen waren mein Highlight. Knusprig, würzig, wirklich lecker. Mit toller Sauce und frischem Gemüse. Und die Portion ist riesig. Wer günstig in einem angesagten Restaurant essen und mit gutem Gewissen genießen will, kann das im Chay Village perfekt. Auch in eine kleine Ecke gequetscht.

Chay Village, Eisenacher Straße 40, 10781 Berlin

Telefon 030 89204554


Montag bis Freitag von 11:30 bis 22:00 Uhr
Samstag von 15:00 bis 23:00 Uhr
Sonntag von 14:00 bis 22:00 Uhr

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