Tempelhofer Bürgerinitiative

Für ein natürlich weites Feld

Wie soll die Zukunft des Tempelhofer Feldes aussehen?
Wie soll die Zukunft des Tempelhofer Feldes aussehen?
Über die Gestaltung des Tempelhofer Feldes wird kontrovers diskutiert. Eine Bürgerinitiative aus dem namensgebenden Stadtteil setzt sich dafür ein, das Gelände im aktuellen Zustand zu belassen und dessen Natur zu schützen. Ihr Vorsitzender Hermann Barges lehnt einen "Designerpark" ab.

Am vergangenen sonnigen Sonntag zog es rund 80.000 Menschen auf das Tempelhofer Feld. Es wurde gegrillt, die Inliner waren unterwegs und viele Besucher gingen einfach spazieren. Hermann Barges ist eher kontemplativer Gemütsmensch als Freizeitsportler, deshalb sieht er gerne zu, wenn die Menschen das Weite suchen. „Ich beobachte die Leute, wenn sie mit versteinerten Gesichtern ankommen und sich dann langsam ihre Züge entspannen.“ So versteht man wohl am besten, warum ein Landschaftsplaner die Landschaft ausnahmsweise nicht antasten will.

Barges, 62, ist Vorsitzender des Vereins „100 Prozent Tempelhofer Feld“, freier Landschaftsplaner und wohnt in Neukölln. In den Neunzigerjahren habe er ein Gutachten über den Flughafen als Kaltluftentstehungsgebiet geschrieben, berichtet er.

800 Jahre ohne Bebauung

Das Gelände beschäftigt ihn schon seit Jahrzehnten. Für Barges sind die Flughafenwiesen „Deutschlands letzte große Allmende“, seit 800 Jahren unbebaut. Dieser ökologische Schatz müsse erhalten bleiben. Die Weite des Feldes hält Barges für dessen „unique selling point“, also einen zusätzlichen Grund für Touristen und Kreative, nach Berlin zu kommen. Darüber hinaus müsse dafür gesorgt werden, dass nicht „150 Millionen Euro für einen Designerpark und seine Erschließung“ ausgegeben würden – das Geld solle besser in die Sanierung des Flughafengebäudes gesteckt werden.

In erster Linie geht es dem Verein darum, das Gelände unter Landschaftsschutz zu stellen. Seine Kollegen, die von der Grünflächenplanung leben, verstünden seine Position. Das mag daran liegen, dass Barges schon lange in der Branche tätig ist und als anerkannter Ökologe gilt. 1976 absolvierte er zunächst eine Gärtnerlehre, arbeitete in verschiedenen Berliner Bezirksämtern und begann zu studieren. In den Achtzigerjahren beriet er die Internationale Bauausstellung (IBA) in den Bereichen Hof-, Fassaden- und Dachbegrünung.

Breite Beteiligung an Initiative

Dem Verein „100 Prozent Tempelhofer Feld“ geht es vor allem um die Umwelt. Die rund 15 Aktiven wollen ein Volksbegehren initiieren, um die Senatspläne noch zu verhindern. Zweimal pro Monat tritt das Vereinsplenum zusammen, streng nach Tagesordnung. In der Initiative engagieren sich gestandene Bürger: Juristen, Geographen, Ingenieure und Leute aus der Verwaltung, die ihre Stadt verbessern wollen. Mit linksautonomen Farbbeutelwerfern verbindet sie nichts außer dem Interesse am Thema.

Einer der Mitstreiter ist Michael Schneidewind von den Grünen in Neukölln. Der Stadtplaner beschäftigt sich mit dem Themengebiet „Soziale Stadt im Klimawandel“. Unterstützer fänden sich aber auch bei den Piraten, bei SPD und CDU, sagt Barges. Zwischen dem Verein und linken Gruppen wie der Neuköllner Stadtteilinitiative, die gegen Gentrifizierung und Mietsteigerungen kämpfen, besteht eine „intensive Zusammenarbeit“. Letztere wenden sich vor allem gegen die geplante Bebauung im Ostteil des Flugfeldes. Durch die Neubauten werde ein wohlhabendes Publikum angezogen, das auch den angrenzenden Schillerkiez für Investoren attraktiver machen würde. Dort leben traditionell viele Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger.

Für den 23. September ist eine Auftaktdemo der 100-Prozent-Tempelhof-Initiative vorgesehen, bei der die Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren offiziell gestartet werden soll. Die Senatspolitik im Bereich Bauen und Wohnen soll bei dieser Gelegenheit ebenfalls diskutiert werden.

Über das Für und Wider eines Parkumbaus finden Sie einen weiteren Artikel im Tagesspiegel.


Quelle: Der Tagesspiegel

Für ein natürlich weites Feld, Mühlenstraße 15-17, 12247 Berlin

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