Clubfotos der besonderen Art

Vernissage des Nachtschwärmers Ben de Biel

Ben de Biels ehemaliger Club Maria am Ufer der Spree.
Ben de Biels ehemaliger Club Maria am Ufer der Spree.
Der Betreiber des ehemaligen Clubs Maria am Ostbahnhof Ben de Biel prägte die Berliner Szene seinerzeit entscheidend mit. Jetzt zieht er mit einer Fotoausstellung seine persönliche Bilanz aus dem Nachtleben.

Sein Dasein als Clubbesitzer sei jetzt unwiderruflich zu Ende, erzählt der 49-Jährige de Biel. Er kam 1990 nach Berlin, fotografierte verlassene Hinterhöfe und das Chaos der Wohnkommunen. „Ich habe immer was gemacht, was mit meinem eigenen Leben zu tun hat“, sagt er. Das spiegeln auch die Fotos der Vernissage im Ritter Butzke wider: de Biel genoss das Clubleben in vollen Zügen. Doch die geschäftliche Seite des Jobs habe ihm nicht so zugesagt, lieber fotografiere er, erklärt der Künstler, der sich nicht als Künstler bezeichnen mag.

13 Jahre lang betrieb Ben de Biel den Club Maria am Ostbahnhof und hatte dadurch exklusiven Zugang zum Backstage-Bereich der Musiker. Während der letzten zwei Jahre machte er 850 Fotos von Künstlern und Partygängern in Maria, White Trash und Ritter Butzke. In der Ausstellung wurden nun viele der Fotos zu einer Slideshow zusammengestellt, die in Endlosschleife an eine Leinwand geworfen wird. Doch es gibt auch klassische Drucke zu sehen.

Nostalgische Nachtleben-Porträts

Ein Großteil der Besucher wird wohl aus Nostalgiegründen zu der Vernissage kommen. Tatsächlich ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass man sich auf einem Foto wiedererkennt. Rund die Hälfte der Bilder sind Schwarz-Weiß-Fotografien, meist dann, wenn ein Gesicht das Foto dominiert. Die bunte Realität der Clubnacht hat de Biel dann aber wieder in Farbe abgelichtet. Er will dokumentieren, nicht manipulieren oder inszenieren, darauf besteht de Biel.

Trotz Dokumentationsanspruch sieht de Biel, heute Pressesprecher der Berliner Piraten, die Welt wohl doch ein wenig anders als die meisten seiner Mitmenschen. Er sei schon immer visuell orientiert gewesen, erklärt er. Während seiner Schulzeit hätte ihm das Probleme bereitet. So schaute er in einer Geographiestunde aus dem Fenster und versuchte der Lehrerin zu erklären, dass er eine Wolke mit den Umrissen Frankreichs gesehen habe. Das brachte ihm eine glatte Sechs ein.

Heute erzielt er mit seiner Vorstellungskraft mehr Erfolg. Aus dem Nachwendeberlin hat er schon viele Fotos verkauft. Ob die Clubfotos auch so viel Zuspruch finden, davon kann sich jeder selbst überzeugen: Vernissage im Ritter Butzke, Ritterstraße 26, Kreuzberg, Dienstag, 02.10.2012, 20 Uhr. Die Ausstellung ist jeweils Freitag und Samstag im Oktober zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

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Quelle: Der Tagesspiegel

Ritter Butzke, Ritterstraße 26, 10969 Berlin

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