Berliner Ärztelandschaft

Mehr Mediziner für unterversorgte Kieze

Begehrte Ärzte: In vielen Bezirken müssen Berliner Patienten lange auf einen Termin beim Spezialisten warten.
Begehrte Ärzte: In vielen Bezirken müssen Berliner Patienten lange auf einen Termin beim Spezialisten warten.
Noch immer fällt die Versorgung mit Fachärzten in den einzelnen Berliner Bezirken sehr unterschiedlich aus. Das neue Versorgungsstrukturgesetz soll das ändern. Derzeit verhandeln die Kassen über einen kiez-spezifischen Ärzteschlüssel.

Im Ganzen betrachtet weist die Hauptstadt eine hohe Anzahl von Medizinern auf. Mit 6000  niedergelassenen und 8500 Klinikärzten sowie 1600 Psychotherapeuten sind die Berliner laut Statistik ausreichend versorgt. Augenärzte zum Beispiel gibt es 22 Prozent mehr als nötig. Doch Senioren im Süden Köpenicks etwa können sich über diese statistischen Daten nur wundern. Bei ihnen ist die Versorgung mit Augenärzten weit schlechter als in den westlichen Bezirken des Stadtgebiets.

Das vom FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler konzipierte Versorgungsstrukturgesetz soll für ein Schließen solcher Versorgungslücken sorgen. Seit diesem Jahr ist es in Kraft und schreibt Ärzten vor, sich dort niederzulassen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Derzeit verhandeln die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Krankenkassen über die Kriterien, nach denen Ärzte künftig über die Niederlassung ihrer Praxen bestimmen müssen. Auch das Durchschnittsalter der Bewohner eines Bezirks soll dabei eine Rolle spielen.

Heute sind 25 Prozent aller Versicherten älter als 60 Jahre – das sind doppelt so viele wie noch vor zwei Jahrzehnten. Neben der veränderten Altersstruktur fällt in Berlin auch die hohe Zahl von Pendlern ins Gewicht: Jeder fünfte Patient in einer Berliner Arztpraxis ist eigentlich in Brandenburg wohnhaft.

Keine Psychotherapeuten in Marzahn

Derzeit wird die medizinische Versorgung in der Hauptstadt jedoch nur im Ganzen betrachtet. Beachtung findet, dass ein Gynäkologe durchschnittlich 3500 Berlinerinnen versorgt und die Versorgung mit stadtweit 116 Prozent mehr als gewährleistet ist. Dass ein Frauenarzt in Neukölln jedoch 5500, in Charlottenburg hingegen nur 1700 Frauen betreuen muss, fällt unter den Tisch.

Auch die tatsächliche Versorgungsdichte an Psychotherapeuten ist zwischen den Bezirken unausgeglichen. In Marzahn-Hellersdorf steht Patienten nur ein Drittel der tatsächlich notwendigen Praxen zur Verfügung. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es hingegen ein Überangebot: Hier eröffnen viermal mehr Psychologen als notwendig ihre Praxisräume. Diese Aufzählung ließe sich für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (zu wenig in Treptow) und Hautärzte (Unterversorgung in Neukölln) fortsetzen.

Ist ein Bezirk mit Spezialisten überversorgt, führt das jedoch nicht zwangsläufig zu einer raschen Terminvergabe. Dies gilt zum Beispiel für das kinderreiche Pankow. Obwohl man mit 163 Prozent an Kinderärzten eigentlich überversorgt ist, müssen Eltern oft lange auf einen Platz in der Sprechstunde warten.

Mehr Ärzte auch in die Kieze

Der neue Ärzteschlüssel soll diese Missstände ausräumen. Unklar ist jedoch, ob er tatsächlich für jeden Bezirk errechnet wird. „Wir werden entscheiden, ob und für welche Fachgruppen wir welche Kieze wählen“, so der Vize-Chef der Berliner KV Uwe Kraffel. Außerdem müsse die Nachfrage nach einem bestimmten Arzttyp in die Berechnungen einfließen. Anders als Allgemeinärzte könnten die weniger stark nachgefragten ambulanten Chirurgen auch Gebiete versorgen, die außerhalb ihres angestammten Bezirkes lägen.

Auch Falko Liecke (CDU), der Gesundheitsstadtrat von Neukölln, wünscht sich eine Planung, die auf die Bedürfnisse der Kieze eingeht. „Wir können kranke Senioren aus Gropiusstadt nicht auf eine S-Bahn-Reise ans andere Ende der Stadt schicken.“


Quelle: Der Tagesspiegel

Mehr Mediziner für unterversorgte Kieze, Alt-Köpenick 21, 12555 Berlin

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