Vertragsverhandlungen

Ronny hebt ab!

Hertha Spieler Ronny beim Antritt.
Hertha Spieler Ronny beim Antritt.
Eigentlich hatte ich nicht vor, mich vor dem Spiel am Samstag bei der SG Dynamo Dresden zu äußern. Doch einige Entwicklungen der letzten Tage zwingen mich gerade, meinen Senf mit euch zu teilen.

Anfangen möchte ich mit unserer Nummer 12, dem in dieser Saison teilweise überragenden Ronny. Wie vielen bekannt sein dürfte, läuft sein Vertrag am Ende der Saison aus. Ja, er ist dann bereits drei Jahre an der Spree, auch wenn es einem noch gar nicht so lange vorkommt. Das ist jedoch auch nur bedingt verwunderlich, war sein Arbeitsplatz in den ersten zwei Jahren doch meistens nur die Tribüne oder bestenfalls mal die Bank.

Nun gut, unter Coach Luhukay ist er nun aufgeblüht und zeigt Tugenden, die man in der Zeit davor schmerzlich vermisste. Auch körperlich ist er in einem merklich besseren Zustand. Da passt es ihm, aber in meinen Augen vor allem seinem Berater Dino Lamberti, nur allzugut, dass man nun in die Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung gehen kann. Frei nach dem Motto, was interessiert mich meine Leistung von vorgestern.

Denn was aus Vereinskreisen so zu hören ist, liegt außerhalb von Gut und Böse. In die ersten Verhandlungen soll man mit einer Gehaltsvorstellung jenseits der 2 Millionen gegangen sein. Eine Summe, die sich Hertha schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten kann. Sportlich ist dieses Angebot noch weniger nachvollziehbar.

(Zu) viel Geld für wenig Leistung!

In drei Jahren bei der Hertha sind seine Werte in der Gesamtbetrachtung ernüchternd. 10 Bundesligaspiele (keine Torbeteiligung, nur ein Spiel über 90 Minuten) und 45 Zweitligaspiele (14 Tore, 15 Vorlagen, davon aber der Großteil in dieser Saison), dazu kommen 6 Pokalspiele und die zwei Relegationsspiele in der letzten Saison. Werte, die eine Nachhaltigkeit in der Leistung vermissen lassen.

Und genau diese Nachhaltigkeit ist es, die mit dem neuen Vertrag belohnt werden muss. Denn die wirkliche Bundesligatauglichkeit ist der Spieler vom Zuckerhut noch schuldig. Ist doch davon auszugehen, dass er in der Bundesliga weniger Platz bekommen wird. Und ob er dann immer noch so brillieren kann, das bleibt einfach abzuwarten.

Zu bedanken ist auch, dass Ronnys Bruder, der von vielen immer noch sehr geschätzte Raffael, in seiner Zeit bei der Hertha, deutlich weniger als 2 Millionen pro Jahr verdiente, und das trotz guter Leistungen auch in der 1. Bundesliga. Hier liegen Vorstellung und Realität bei Herrn Lamberti meilenweit auseinander.

Ich selbst bin ja ein bekennender Antifreund von Manager Michael Preetz. Zu viel hat er in der Vergangenheit sprichwörtlich verbockt. Doch in diesem Fall handelt er in meinen Augen zu 100% richtig. Nicht nur, dass er ein solches Angebot im Sinne des Vereins kategorisch ablehnt. Auch der frühe Schritt in die Öffentlichkeit ist richtig. Die herrschende Stimmung in der Medienwelt, aber vor allem auch in der Fangemeinschaft sollte Lamberti und Ronny die Augen öffnen und ihnen klar machen, dass die vorliegenden Vorstellungen außerhalb jeglicher Realität sind und man mit realistischen Vorstellungen zurück an den Verhandlungstisch gehen sollte.

Diese Meinung spiegelt sich auch in einer spontanen Meinungsumfrage auf der Facebook-Seite von den Berliner Jungs wider. Bei sehr reger Beteiligung unserer Follower zeichnet sich ein klares Votum dafür ab, dass Ronny und sein Berater wieder Boden unter die Füße bekommen sollten oder sich einen Verein suchen sollen, der bereit ist, solche Summen zu zahlen. Demnach könnte dieser Schritt in die Verhandlungen am Ende auch für die Beliebtheit des Technikers nicht gerade förderlich gewesen sein.

Immer wieder montags

Die DFL hat am gestrigen Tag die Terminierung für die Spieltage 28 und 29 bekanntgegeben. Und so langsam sollte man sich im Hause Hertha BSC von der DFL verschaukelt vorkommen. Augenscheinlich versucht man im fernen Frankfurt mit aller Macht den Zuschauerschnitt, und damit die Einnahmen der Hertha so gering wie möglich zu halten.

Denn das Spitzenspiel gegen Eintracht Braunschweig wurde natürlich, wie nicht anders zu erwarten war, auf einen Montag gelegt. Wieder werden dadurch tausende Herthaner, aber auch zahlreiche Gästefans von dem Genuss abgehalten, das Spiel live im Stadion mit verfolgen zu können. Und um es noch besser zu machen, darf Hertha nur vier Tage später am Freitag in Ingolstadt antreten. So werden dann auch gleich noch die willigen Auswärtsfahrer mitbestraft.

Generell ist es so, dass Hertha, wenn man die zwei englischen Wochen in der Hinrunde mit einbezieht, an 14 von bisher 23 Spieltagen unter der Woche gespielt hat. Das ist eine Farce für den Verein, aber auch für tausende von Fans. Hier findet eine Politik auf dem Rücken der Kleinen statt, die nicht mehr hinzunehmen ist. Man stelle sich vor, Bayern oder Dortmund würden nur noch am Freitagabend oder Sonntag das Spätspiel zugeteilt bekommen, ein berechtigter Aufschrei der seinesgleichen suchen würde, würde durchs Land schallen. Bei der Praxis der Spielansetzungen zeigt sich auf fatale Weise, welch schlechtes Standing Hertha bei der DFL und dem DFB hat.

Luhukay mit getrübtem Blick?

Der von mir geschätzte Trainer Jos Luhukay gab kurz nach dem Spiel am Montag ein Interview, in dem er verlauten ließ, dass er denkt, mit dem aktuellen Kader und nur wenigen punktuellen Verstärkungen mit mindestens sieben aktuellen Bundesligisten mithalten zu können. Natürlich ist es löblich vom Trainer, sein Team stark zu reden und auch aus vereinspolitischer Sicht macht es wenig Sinn etwas anderes zu sagen.

Doch die Realität scheint nicht ganz so rosig. Gerade die Spiele gegen Regensburg, Union und Aalen haben gezeigt, dass es einige Bereiche im Team gibt, wo man die Bundesligatauglichkeit doch arg bezweifeln muss. Es müssen dringend gerade für die Abwehr, die offensiven Außenbahnen und ggf. auch für den Sturm wirkliche Verstärkungen her.

Aktuell sehe ich Hertha, wenn überhaupt, mit fünf Teams aus der Bundesliga auf einer Ebene. Und davon werden auch noch zwei bis drei absteigen. Es wird also auch im kommenden Jahr ein reiner Kampf gegen den Abstieg werden und die wenigen Patronen, die man zur Verstärkung des Teams hat, müssen einschlagen. Doch wenn ich mir die bisherige Transferbilanz von Michael Preetz für die erste Liga ansehe, dann wird mir Angst und Bange. Oder wer denkt nicht mit Schrecken an Leute wie Ottl, Wichniarek oder César zurück.

Da passt es doch, dass sowohl Gladbach, als auch Maik Hanke, gestern bestätigt haben, dass der auslaufende Vertrag nicht verlängert wird. Der Name Hanke schwebt nun schon einige Wochen als Gerücht durch die Medien und auch die sportliche Leitung von der Hertha hat Hanke bereits als interessant betitelt. Ob an der Sache am Ende wirklich etwas sein wird, werden natürlich erst die kommenden Wochen zeigen.

In diesem Sinne, ich wünsche ein schönes Spiel am Samstag!
René ‚Mueggi‘ Jünemann
2. Vorsitzender Berliner Jungs OFC

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