Neuer Flughafen Berlin Brandenburg

Gut geplant ist halb gewonnen

Gut geplant ist halb gewonnen
Ein Mitarbeiter steht vor dem BER-Tower des beinahe startklaren Großflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt. Am 3. Juni sollen die ersten Flugzeuge abheben und landen.
Für die Airport-Betreiber des neuen Flughafens in Schönefeld läuft es nicht rund. Kurzfristig müssen 20 zusätzliche Check-in-Schalter im Terminal errichtet werden. Der unzureichende Lärmschutz wird kritisiert. Und viele Klagen wie etwa gegen die vorgesehenen Flugrouten sind noch nicht entschieden.

Wie gut – oder schlecht – ist der künftige Flughafen Berlin Brandenburg geplant? Nachdem die Flughafengesellschaft gerade bekannt gab, den Abfertigungsbereich noch kurzfristig vor dem Start des Flugbetriebs zu erweitern, gehen die Meinungen dazu auseinander.

Harte Kritik, aber auch Lob

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) ist der Ansicht, es habe bislang an keinem Flughafen eine „derart unprofessionell anmutende Planung und schon beinahe Hilflosigkeit“ gegeben. Die BVF kritisiert dabei den Schallschutz für die Anwohner. Experten der Luftfahrtbranche loben dagegen, dass der Flughafen aus den beim Probebetrieb festgestellten Mängeln schnell Konsequenzen gezogen habe und eine Reserve bei der Abfertigung schaffe.

Sie machen darauf aufmerksam, dass der Baukonzern Hochtief und das Immobilienunternehmen IVG schon Mitte der 90er Jahre mit der Planung begonnen haben. Erst nachdem die geplante Privatisierung des Flughafenbaus und -betriebs 2003 gescheitert war, trat die Flughafengesellschaft auch offiziell in Aktion. Zunächst wurde die zu großzügige Planung kritisiert. Von der Entwicklung wurde die Gesellschaft dann aber selbst überrascht: Die Zahl der Passagiere hat sich seither mit 24 Millionen im Jahr 2011 mehr als verdoppelt. Auch im ersten Quartal dieses Jahres ist sie um 5,6 Prozent gestiegen. Für das Jahr 2023 rechnete man ursprünglich mit 30 Millionen Fluggästen. In der Planungsphase wurde die Kapazität des künftigen Flughafens dann von 25 Millionen auf aktuell 27 Millionen Fluggäste erhöht – und dabei auch clever eine Kostensteigerung beim Bau versteckt.

Schalter- und Lärmschutz-Problematik

Das prognostizierte Passagieraufkommen war Basis für die Berechnung der benötigten Schalteranzahl. Doch die Zahl variiert. Mal nannte die Flughafengesellschaft 96 Schalter, dann waren es 104, die in einem Jahr auf 132 erweitert werden sollten. Am Dienstag waren es 94, die im nächsten Jahr auf 118 erhöht werden sollten und am Mittwoch waren es rund 100, weil nun auch die Schalter mitgezählt werden, die vorübergehend in einem Container untergebracht werden sollen, bis die ebenfalls nachträglich geplanten Erweiterungsbauten am Terminal, Pavillons genannt, fertig sind. Die unterschiedlichen Zahlen begründet Flughafensprecher Leif Erichsen mit Änderungen durch die Fluggesellschaften. Die 20 Schalter, die bis zur Eröffnung im Terminal aufgestellt werden, seien nur als Reserve gedacht – die 2,5 Millionen Euro kostet. Im Probebetrieb hätten stündlich nämlich nur 30 Passagiere an einem Counter abgefertigt werden können und damit weit weniger als gedacht.

Der Eröffnungstermin am 3. Juni soll aber nicht verschoben werden. Erichsen sagte, dass der am Dienstag bekannt gewordene Antrag mehrerer Anwohner daran nichts ändere. Sie fordern, den Start nach hinten zu legen oder ein Nachtflugverbot zu verhängen, weil die meisten der anspruchsberechtigten Anwohner bis dahin keinen Lärmschutz erhalten haben. Juristisch könne man dem Flughafen nichts anhaben, weil die meisten Bescheide zur Kostenübernahme rechtzeitig verschickt worden seien. Die Betroffenen halten die Regelungen für unzureichend.

Bisher ist noch nicht geklärt, wie laut es in den Häusern überhaupt werden darf. Die Flughafengesellschaft will den Maximalpegel durchschnittlich bis zu sechs Mal am Tag überschreiten können. Die Genehmigungsbehörde fordert, ganz ohne auszukommen. Hier will der Flughafen nun eine „Klarstellung“ bei der Behörde beantragen. Das hatte die harte Kritik der BVF zur Folge.

Klagen stehen bevor

Wenn die Brandenburger Planfeststellungsbehörde den Antrag auf Verschiebung des Eröffnungstermins zurückweist, wollen die Anwohner vor Gericht ziehen. Bereits jetzt sind nach Angaben eines Gerichtssprechers noch 13 Verfahren beim Bundesverwaltungsgericht in Bearbeitung, für die es noch keine Termine gibt. Mit Klagen gegen die vorgesehenen Flugrouten muss sich das Oberverwaltungsgericht beschäftigen, und beim Bundesverfassungsgericht sind Verfassungsbeschwerden eingegangen. Auch ein Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde angekündigt.

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