Vietnamesisches Lokal Saigon Green

Im Rausch der Aromen

Im Rausch der Aromen
Vietnamesisches Essen: Shrimps auf Rohrzucker
Das vietnamesische Restaurant Saigon Green ist zwar nicht groß, überzeugt aber mit fröhlicher Atmosphäre und geschmacklich vielfältigen Gerichten.

An manchen Abenden staunt man auf einmal, wie sehr sich die Hauptstadt kulinarisch herausgeputzt hat in den vergangenen Jahren. Das kann in einer Sterne-Gaststätte geschehen, es kann aber auch in einem kleinen vietnamesischen Restaurant passieren. Im ersten Moment erscheint das Saigon Green eher ein wenig puristisch. Im Hintergrund dominiert eine Wand in Grün mit vietnamesischen und deutschen Wörtern in Weiß. Auf den glänzend weißen Tischen strahlen grazil gearbeitete Windlichter und rote Anthurien Freude aus. Die Holzhocker wirken nur auf den ersten Blick ein wenig unbequem, auf den zweiten laden sie zum asiatischen Sitzgefühl ein, die Wände in Bronzefarben haben die Struktur von Blättern, und das Design der Lampen ist ebenfalls gut gelungen.

Der erste, eher unromantische Eindruck verschwindet schnell, sobald man genauer hinsieht und die zahlreichen liebevollen Einzelheiten entdeckt.

Flinke Bedienung und auffällige Kräutermischungen

Zwei zierliche Vietnamesinnen bedienen die Gäste flink und mit Effizienz, nur gelegentlich, wenn der Gast Fragen zu den exotischen Mahlzeiten hat, ist die Verständigung kompliziert. Der Küche Vietnams eilt der Ruf voraus, auffallend leicht und rein zu sein, also frische Ingredienzien mit kurzen Garzeiten so zu versehen, dass die Speisen fröhlich, aber nicht dick machen.

Die „Duftblätterröllchen“ stecken auf zwei kleinen hölzernen Spießen. Sie entpuppten sich als Spieße mit je drei saftigen Rindfleischröllchen mit Knoblauch, Zitronengras und Zwiebeln sowie einer entfernten Idee von Fisch, dazu eine Sauce mit frischen Kräutern. „Bo La Lot“ lautet der Name der kleinen Köstlichkeit mit knackigem Salat und zahlreichen Sprossen (4,80 Euro). Ganz wohlschmeckend sind ebenfalls die „Autumn Rolls“, die für uns eher nach Frühling schmecken mit ihren fröhlichen Minz- und Koriander-Noten – weiße Röllchen mit einer Füllung aus Reisnudeln, Salat, Gurken und mariniertem Rindfleisch, sehr auffällig wieder eine äußerst besondere Kräutermischung (3,50 Euro).

Treffsichere Farbkompositionen und aromatische Düfte

Der Umgang des Kochs mit Aromen ist geradezu meisterlich. Das Zusammenspiel der Konsistenzen von knusprig bis Zunge streichelnd weckt von fern Erinnerungen an die erwähnte Sterne-Küche, wobei sich deren Hauptakteure sowieso ihre Ideen gern aus asiatischen Küchen besorgen, wo das Essen nicht nur als Akt der Sättigung angesehen wird, sondern als Ausdruck ausgefeilter Lebenskunst.

Äußerst hübsch sind die leicht geschwungenen Schüsseln in Weiß, in denen die Hauptgänge gebracht werden. Am liebsten will man sie alle kosten, wie sie am Tisch vorbeigebracht  werden, denn unter den zahlreichen Einzelheiten, die hier stimmig sind, finden sich selbst die Farbkompositionen und Düfte. So entpuppt sich der Lotusstängelsalat als pittoresker Aromendschungel, der Reisknusper, Hühnchen und süßsaure Sauce beherbergt (3,50 Euro).

In einer Schüssel befindet sich mild gegarte Entenbrust mit wohltuend saftigen Kürbisstücken in einer sehr schmackhaften Curry-Kokos-Chili-Sauce (7,80 Euro). Unumgänglich für Fans von Koriander. Vegetarier bekommen hier sämtliche Gerichte entsprechend ihrer  Bedürfnisse umgestaltet.

Fruchtige Desserts und vietnamesisches Bier

Zum Dessert kosten wir schwarzen Klebereis mit frischem Joghurt, süßer Mangosauce, geröstetem Sesam und fleischiger rosafarbener Grapefruit (4,20 Euro). Auch gut. Noch besser ist das flüssige Dessert, ein Shake aus Grasjelly, Rotkohl, frischem Ingwer, Limetten und Passionsfrucht. Die satt rosane Färbung gibt ihm Ähnlichkeit mit einem Bellini, die Gesamtheit der verschiedenen Obstsorten überzeugt jedoch als passende Alternative zum Alkohol. Dasselbe lässt sich über die großzügig mit Früchten garnierte, saure, sprudelnde Limonade mit Rohrzucker sagen, die noch dazu hausgemacht ist (3,80 Euro). Auch der Ingwer-Tee mit Honig verdient Lob (2,30 Euro).

Eine kleine Auswahl an Bieren steht auf der Karte, darunter auch solches aus Vietnam. Gut zu den Gerichten passen die Weine aus Südafrika, beispielsweise ein frischer Sauvignon Blanc für 17,50 Euro.

Ob Berlin tatsächlich einmal die Hauptstadt der Schmalzstulle war? Dank der zahlreichen Zuwanderer sind wir weit gekommen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Saigon Green, Kantstraße 23, 10623 Berlin

Telefon 030 45086342

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Montag bis Samstag von 12:00 bis 23:00 Uhr | Sonntag und Feiertag 13:00 bis 23:00 Uhr

Saigon Green

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