Gerangel um historische Villa Caré

Der Busen bleibt blank

Der Busen bleibt blank
Nackte Schöne. Über die Barbusige im Giebel der Villa Calé halten die Denkmalschützer ihre Hand.
Die Zehlendorfer Villa Calé ist ein architektonisches Schmuckstück, aber sie verkommt seit Jahrzehnten. Das Emirat Katar hat das Gebäude 1997 gekauft und will es nun endlich als Gästehaus seiner Botschaft herrichten. Die freizügige Dame im Giebel passte den muslimischen Besitzern wohl nicht, doch sie müssen die Nackte hinnehmen.

Wäre die Umwandlung zu einem Bikini-Haus die Lösung gewesen, die textile Verhüllung der steinernen Nackten an der Zehlendorfer Villa Calé durch die geschickte Hand eines Malers? Aber dergleichen liefe doch eher auf Bodypainting hinaus, und den Anforderungen des Denkmalschutzes wäre damit ganz und gar nicht Genüge getan. Dessen Losung ist eindeutig: Der Busen bleibt blank.

Aber leider verfällt er, und die Villa gleich mit, seit fast zwei Jahrzehnten, ein ständiges Ärgernis für Anwohner, Denkmalpfleger und alle anderen, denen solch ein architektonisches Schmuckkästlein wie das über ein Jahrhundert alte Haus des Verlegers Franz Calé in der Schützallee / Ecke Riemeisterstraße am Herzen liegt. Bereits 1997 hatte das Emirat Katar die Villa samt dem 3000-Quadratmeter-Grundstück erworben, als künftigen Sitz der Botschaft. Doch die sitzt mittlerweile in einem Neubau am Roseneck, während die Villa ungenutzt blieb und, wie berichtet, zunehmend verfiel. Ein auf dem Grundstück postierter Wachschutz hilft nur gegen Vandalismus, nicht aber gegen Wind und Wetter.

Doch nun gibt es neue Hoffnung, das langsame Zerbröckeln der neoklassizistischen Baukunst endlich zu stoppen: Die Botschaft will das Haus als Gästehaus nutzen, Sanierung und Umbau sollen, wie es scheint, schon bald beginnen.

Eigentlich wollte die Botschaft das Gebäude wieder verkaufen

In den Medien wurde der Verfall des Hauses in der Vergangenheit aufmerksam verfolgt, und stets konnte man sich das katarische Desinteresse an seiner für immerhin zwei Millionen Mark erworbenen Immobilie nur mit dem nackten Figurenschmuck an der Fassade erklären, der beim Kauf offenbar übersehen worden war, aber einem streng muslimischen Staat doch zu anstößig für eine eigene Nutzung erscheinen mag. Indirekt bestätigt hat das der Immobilienunternehmer Christian Gérôme, der, wie er vor Jahresfrist sagte, das Gebäude verkaufen sollte, doch fand sich kein Käufer, der die Preisvorstellungen der Botschaft akzeptierte.

Diese hat sich selbst in der Vergangenheit nie offiziell zu den unverhüllten Busen geäußert, ließ sich nur die dürre Auskunft entlocken: „Wir verkaufen nicht.“ Aber jetzt hat sie zumindest mit einem großen Schild auf dem Grundstück ihre Pläne für die Villa verkündet: „Sanierung/Umbau der denkmalgeschützten Villa Calé zum Gästehaus der Botschaft von Katar“. Baubeginn soll demnach im ersten Quartal 2015 sein, die Fertigstellung ist fürs dritte Quartal 2016 vorgesehen. Als Generalunternehmer wird die Firma Porr genannt, Angaben zu „Architektur, Restaurator, Tragwerksplanung, Haustechnik, Bauphysik, Brandschutz“ fehlen noch.

Der Außenbereich ist denkmalgeschützt

Mit dem Projekt sei der Generalunternehmer bei den Denkmalschützern des Bezirks zu einem ersten Gespräch vorstellig geworden, bestätigt Norbert Schmidt (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung in Steglitz-Zehlendorf. Dabei sei es darum gegangen, was bei der Sanierung zu beachten sei, um die denkmalrechtliche Genehmigung zu bekommen. Vor allem der Außenbereich sei betroffen, innen gebe es aus Sicht der Denkmalpflege kaum Erhaltenswertes. Besondere exterritoriale Freiheiten kann Katar nicht beanspruchen. Das Emirat hat nie eine diplomatische Nutzung beantragt, wie der Senat erst im Juni auf eine SPD-Anfrage antwortete. Es gelte also deutsches Recht.

Wenn es denn tatsächlich zum Gästehaus kommt, wäre das zweifellos eine würdige Weiternutzung der Villa. Gebaut wurde sie von 1904 bis 1907 für den damals offenbar erfolgreichen, heute weitgehend vergessenen Verleger Franz Calé, ein zwei Millionen Goldmark teurer Bau mit 800 Quadratmeter Wohnfläche, entworfen von der damals im Zehlendorfer Raum sehr aktiven Architektengemeinschaft Bastian &Kabelitz. Während der Inflation 1923 fiel das Haus an den Staat, wurde in der NS-Zeit als Marinekriegsakademie genutzt. Nach Kriegsende betrieben die Amerikaner hier einen ihrer Klubs für „German Youth Activities“. Später folgte das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht.

Ganz neu sind die Gästehaus-Pläne freilich nicht. So gab es schon vor einigen Jahren Ansätze, den Garten neu zu gestalten. findet man im Internet alte Überlegungen zur Gartengestaltung, mit denen ein Berliner Landschaftsarchitekturbüro betraut worden war. Als Bauherr wird das Emirat Katar, als Auftraggeber schon damals die Porr GmbH genannt. Avisierter Fertigstellungstermin: das Jahr 2011. Bauprojekte von Bedeutung dauern eben etwas länger in Berlin.


Quelle: Der Tagesspiegel

Der Busen bleibt blank, Schützallee 27, 14169 Berlin
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