Flucht aus Berlin

Bye, bye Chris Dercon: Volksbühnen-Nachfolger gesucht

Bye, bye Chris Dercon: Volksbühnen-Nachfolger gesucht
Auch die Berliner Streetart-Künstler überraschte Chris Dercons Abgang nicht, die Aufkleber waren schnell verteilt.
Letztes Jahr um diese Zeit wurde Chris Dercon schon verteufelt, da hatte er seine Intendanz an der Volksbühne noch gar nicht angetreten. Nun geht er und hinterlässt ein weites Feld offener Fragen. Die drängendste: Wer kommt jetzt?

Wirklich überraschend ist es nicht, dass Chris Dercon hinschmeißt. Der Mann hatte von Anfang an keine Chance, die Volksbühne als Intendant neu zu gestalten. Schon 2015 wurde er verteufelt, da wurde sein Name das erste Mal genannt. Der damalige Staatssekretär, Tim Renner, hatte Dercon vor die Kultur-Meute geworfen, die nichts Besseres zu tun hatte, als den Belgier zu zerfleischen, bevor er nur ein Wort zu seinem Konzept gesagt hatte. Gut, das mittlerweile bekannte Konzept des Unruhestifters wider Willen ist nicht aufgegangen, so heißt es jedenfalls in der offiziellen Mitteilung des Senats zum Abgang des Kurzzeit-Intendanten.

Auf verlorenem Posten

Wie denn auch? Unterstützung aus Berliner Theaterkreisen bekam Dercon nicht und alle Besserwisser wollten lieber seinen Untergang sehen, als ihre unendliche Weisheit mit ihm zu teilen. Renners Nachfolger Klaus Lederer ließ seine Abneigung gegen die Dercon-Intendanz zu gern durchblitzen, einen Rückenstärker fand der Belgier auch in ihm nicht. Die persönlichen Angriffe und Schmähungen aus Teilen der Stadt gegen Chris Dercon seien inakzeptabel gewesen, stellt Klaus Lederer nun klar. Zu spät, aus dem angesehenen und sympathischen Kurator ist ein trotziger (Buh)Mann ohne Weitsicht und Einsicht geworden. Und auch wenn wir versucht haben, für alle Inszenierungen offen zu bleiben, ahnten selbst wir, dass die Dercon-Ära eine kurze sein würde.

Ratlosigkeit macht sich breit

Und jetzt? An dieser Stelle müssten wir nun eine laaaaaange Pause entstehen lassen, um zu vertuschen, dass darauf gerade niemand eine Antwort hat. Während Klaus Dörr als Dercons geschäftsführender Direktor in die Leitungsbresche springen muss, lehnen sich alle verfügbaren Theatermacher in ihren Sesseln zurück, um nur ja nicht in die Diskussion zu geraten. Auf den einst begehrten Intendantenstuhl in der Volksbühne möchte niemand wechseln. Und trotzdem ploppen Namen auf: Der Maxim-Gorki-Retter Armin Petras wird gehandelt und angeblich sogar Castorfs einstiger Chefdramaturg Matthias Lilienthal. Letzterer winkt schon ab, ehe jemand ernsthaft auf die Idee käme, ihn zu fragen. Oder Herbert Fritsch, der sicher auch vor Dercon gern gefragt worden wäre…

Wunschkandidaten oder Unkenrufe

Uns fallen da noch mehr Kandidaten ein, die man zu ihrem Glück zwingen könnte: Leander Haußmann, der in Bochum als Intendant trainiert hat, selbst dümmste Anfeindungen auszuhalten; Claus Peymann, dessen Intendanten-Abgang vom Berliner Ensemble 2017 fast untergegangen ist, weil alle nur über Frank Castorf und die Volksbühne schrieben; Katharina Thalbach, die quasi im Theater geboren wurde und gegen die sich berlinweit wohl niemand stellen würde. Ersan Mondtag, Castorfs ehemaliger Hospitant und nun gehypter Jungregisseur, der mit seinem Migrationshintergrund vielleicht sogar noch andere Probleme in der Stadt lösen könnte, nachdem er gewohnt unerschrocken an der Volksbühne aufgeräumt hat. Ach was, vielleicht übernimmt den Job einfach Jan Böhmermann, als Satiriker ohne Furcht und Tadel wird er uns zumindest mitten in der Misere zum Lachen bringen.   

Rücken an der Wand

Das Hauptproblem ist allerdings, dass die Mittel für die Rettung knapp sind. Die Volksbühne steht vor der Pleite, munkelt man. Ein angesehenes Ensemble gibt es nicht mehr. Die (fast ungesehenen) Inszenierungen, die in den letzten Monaten hier liefen, waren teuer eingekaufte Produktionen. Egal wer sich breitschlagen lässt, die Intendanz zu übernehmen, wir sollten ihm oder ihr eine Chance geben. Mit dem Rücken an der Wand hat noch niemand Großes geleistet.

Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz , 10178 Berlin

Volksbühne

InhaltsangabeDas Akademikerpaar George und Martha kommt angetrunken von einer Feier nach Hause - und erwartet noch Besuch: den neuen Biologieprofessor Nick mit seiner Frau. Ungewollt werden die beiden Zeugen eines seit Jahren andauernden Ehekrieges zwischen den Gastgebern.zitty-Kritik 02/2012EHEDRAMAAb und zu geht den Akteuren die Puste aus und es wird still. Menschen, Flaschen, Bücher stehen stumm und verloren, angespült wie Strandgut auf der überraschend groß  anmutenden, sinnlos rotierenden Drehbühne. Aber es ist nur ein Moment zum Atemholen, bevor die nächste Zigarette angezündet wird und der „totale Krieg“ weiter geht. Wolken, Rauch und später Nebel ziehen durch das unwirtliche, fremde Heim, zuhause kann man in diesem Flughafenambiente nicht sein, nur auf der Durchreise.Edward Albees berühmtes Ehedrama über das amerikanische Mittelschichtspaar Martha und George wurde von der ehemaligen Ernst-Busch-Absolventin und heutigen Schauspieldirektorin in Thüringen, Amina Gusner, frisch und frech ans Theater am Ku’damm geholt, offensichtlich ohne Angst vor großen Vorbildern und konservativen Abonnenten. Gut so, denn einen solchen Battle, den sich nicht nur die Figuren, sondern auch ihre Darsteller liefern, hat man an diesem Theater wahrscheinlich lange nicht gesehen.Peter-René Lüdicke hat im Vergleich zum Star Katja Riemann spielerisch die Nase vorn; er exerziert den hier zum teilweisen Befremden des Publikums zelebrierten, schnoddrig-koddrigen Volksbühnen-Ton mit solcher Lust und Genauigkeit, dass viele Runden an ihn gehen. Die exzessive, verfremdende Spielweise verführt zur Nummernrevue, aber kleine dramaturgische Hänger verzeiht man diesem Gemetzel voller Sehnsucht, „Whisky and Cigarettes“. Regine Bruckmann

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