Der Kampf geht weiter

Hausbesetzung der Volksbühne beendet! Und jetzt?

Hausbesetzung der Volksbühne beendet! Und jetzt?
Es war eine Menge los vor und in der Volksbühne seit der Besetzung. Jetzt herrscht hier wieder Ruhe, leider auch auf den Bühnen...
Wer dachte, der Kampf um die Volksbühne finde nach dem Antritt des neuen Intendanten Chris Dercon ein Ende, der irrt. Ein Künstlerkollektiv besetzte plötzlich das Theater und erweckte es aus dem Dornröschenschlaf. Und was passiert nach der Räumung?

Doch Kunst – das Motto der Aktivisten, die letzten Freitag die Volksbühne besetzt hatten, prangte auf einem Plakat über dem Eingang des Theaters. Nun gehört die Aktion, die Volksbühne zu einem Anti-Gentrifizierungszentrum zu machen, zur abwechslungsreichen Geschichte des Theaters. Die Kunst als solche bleibt dem Haus hoffentlich erhalten, was nach wie vor von vielen Kritikern bezweifelt wird. Das Künstlerkollektiv jedenfalls wurde friedlich von der Polizei aus dem Gebäude geführt. Der umstrittene Neu-Intendant Chris Dercon hatte nach langem Zögern und noch längeren Verhandlungen Strafanzeige gestellt, nachdem Staub zu Glitzer, wie das Kollektiv sich nannte, nicht freiwillig gehen wollte… obwohl ihnen Kultursenator Klaus Lederer für sofortigen Abzug Straffreiheit angeboten hatte.

Falls du es in den letzten Monaten noch nicht mitbekommen hast, nach 25 Jahren Ära-Castorf beschloss 2015 der damalige Kultursenator Tim Renner, es sei Zeit für einen Führungswechsel an der Volksbühne. Sein Wunschkandidat: Chris Dercon. Begrüßen will diese Entscheidung bis heute kaum einer in der Stadt, schon gar nicht, seit Castorf und seine Getreuen ihren Abschied als Untergang des Abendlandes inszeniert haben. Und doch ist Chris Dercon mit seiner Mannschaft seit dem 1. August diesen Jahres für das Haus am Rosa Luxemburg-Platz verantwortlich. Ob das gut ist oder nicht, wird sich zeigen, wenn der Belgier jemals dazu kommt, sich um das Theater zu kümmern, statt gegen die Windmühlen von wütenden Fans zu kämpfen.

 

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Die Aktivisten wollten das Haus dauerhaft übernehmen. Aber hätten sie das Haus besser geleitet als Chris Dercon, der immerhin schon etliche Führungserfolge vorzuweisen hat? Die Tate Modern in London ist durch ihn zur Kultstätte geworden, das Münchner Haus der Kunst hätte ihn zu gern zurück. Wo ist die Biografie dieser Gruppe, die aus dem nichts kam und sich für Gewalt statt Kreativität entschieden hat? Nicht einmal ihr Name ist eindeutig, aber letztendlich ist es egal, ob sie Staub zu Glitzer oder VB 61-12 heißen. Oder findest du das nur fair, dass sie das Haus besetzen ohne irgendeine rechtliche Grundlage zu haben? Das ist revolutionär und damit total ok? Wäre es dann nicht richtiger gewesen, das Rote Rathaus zu besetzen statt in der Volksbühne „ein Parlament der Wohnungslosen“ entstehen lassen zu wollen?

Claus Hegemann, einer der bekannteste Dramaturgen Deutschlands, der auch lange an der Volksbühne mit Frank Castorf tätig war, erklärt in der FAZ, dass die Aktivisten Chris Dercon einen Gefallen getan hätten. Sie hätten immerhin abgelenkt von der Lückenhaftigkeit des Spielplans und der „peinlichen Ruhe… im Theatermonat Oktober.“ Da ist was dran: Chris Dercon weiß nicht erst seit gestern, wann die Saison in Berlin startet. Einen derart mauen Fehlstart kann er sich kaum leisten. Vielleicht werden wir ja ab November sehen, ob er nun wirklich mit aufregender, mitreißender, anregender, politischer oder auch nur unterhaltsamer Kunst aufwarten kann, um die bedeutende Tradition der Volksbühne nicht sterben zu lassen.

Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz , 10178 Berlin

Volksbühne

InhaltsangabeDas Akademikerpaar George und Martha kommt angetrunken von einer Feier nach Hause - und erwartet noch Besuch: den neuen Biologieprofessor Nick mit seiner Frau. Ungewollt werden die beiden Zeugen eines seit Jahren andauernden Ehekrieges zwischen den Gastgebern.zitty-Kritik 02/2012EHEDRAMAAb und zu geht den Akteuren die Puste aus und es wird still. Menschen, Flaschen, Bücher stehen stumm und verloren, angespült wie Strandgut auf der überraschend groß  anmutenden, sinnlos rotierenden Drehbühne. Aber es ist nur ein Moment zum Atemholen, bevor die nächste Zigarette angezündet wird und der „totale Krieg“ weiter geht. Wolken, Rauch und später Nebel ziehen durch das unwirtliche, fremde Heim, zuhause kann man in diesem Flughafenambiente nicht sein, nur auf der Durchreise.Edward Albees berühmtes Ehedrama über das amerikanische Mittelschichtspaar Martha und George wurde von der ehemaligen Ernst-Busch-Absolventin und heutigen Schauspieldirektorin in Thüringen, Amina Gusner, frisch und frech ans Theater am Ku’damm geholt, offensichtlich ohne Angst vor großen Vorbildern und konservativen Abonnenten. Gut so, denn einen solchen Battle, den sich nicht nur die Figuren, sondern auch ihre Darsteller liefern, hat man an diesem Theater wahrscheinlich lange nicht gesehen.Peter-René Lüdicke hat im Vergleich zum Star Katja Riemann spielerisch die Nase vorn; er exerziert den hier zum teilweisen Befremden des Publikums zelebrierten, schnoddrig-koddrigen Volksbühnen-Ton mit solcher Lust und Genauigkeit, dass viele Runden an ihn gehen. Die exzessive, verfremdende Spielweise verführt zur Nummernrevue, aber kleine dramaturgische Hänger verzeiht man diesem Gemetzel voller Sehnsucht, „Whisky and Cigarettes“. Regine Bruckmann

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