Hertha BSC plant neuen Fantreff

Vom Wedding nach Westend

Bald können sich die Fans von Hertha BSC in einem eigenen Vereinsheim treffen - wie schon bis in die 1970er Jahre.
Bald können sich die Fans von Hertha BSC in einem eigenen Vereinsheim treffen - wie schon bis in die 1970er Jahre.
Den Anhängern von Hertha BSC fehlt seit vielen Jahren ein Fantreff, an dem sie zusammen feiern oder trauern können. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache – und auch das frühere Domizil in Gesundbrunnen soll neu genutzt werden.

Bier fließt hier schon lange nicht mehr aus den Hähnen. Das alte „Hertha-Domizil“ hinter dem Bahnhof Gesundbrunnen, ehemals Vereinsheim von Hertha BSC, verwahrloste seit den 1990er Jahren, die Scheiben waren zertrümmert, das Haus durch Gestrüpp versteckt. Jetzt ist das Eckhaus renoviert – doch die Heimstatt der Fans soll es nicht mehr werden.

Hertha plant seit geraumer Zeit still und leise mit Senat, Bezirk und Architekten den Bau eines neuen Vereinstreffpunkts, gleich neben dem Olympiastadion: das „Fanhaus“. Der Bau soll noch in diesem Jahr erfolgen, verkündet Geschäftsführer Ingo Schiller. Selbst im Abstiegsfall – Hertha benötigt am Samstag gegen Hoffenheim in jedem Fall einen Sieg – soll das Projekt umgesetzt werden, dann werde der Bau nur etwas kleiner ausfallen. Rechtzeitig zum 120. Geburtstag des Klubs – gegründet wurde Hertha am 25. Juli 1892 im Kiez rund um den Arkonaplatz in Mitte – wäre es ein Geschenk an die Anhänger. Der Verein hat fast 30.000 Mitglieder, und selbst die meist erfolglosen Auftritte im Olympiastadion sehen sich im Schnitt 53.000 Zuschauer an. Ohne Zwang.

Der genaue Standort des Fanhauses soll noch nicht genannt werden. Der präferierte, landeseigene Platz müsse vom Senat abgesegnet werden, verlautet es aus dem Klub. Sonst gebe es zwei Alternativen. Im Fanhaus könnten alle Fans zusammenkommen, Kuttenträger, Kinder und Ultras, auch außerhalb von Spieltagen. Mehrere hundert Leute sollen Platz finden. In einem großen Saal können die Fans debattieren, ihre Aktionen vorbereiten, Materialien lagern, Kicker spielen und Spiele im Fernsehen verfolgen. Büros sind ebenfalls vorgesehen, zum Beispiel für Dachorganisationen wie den „Förderkreis Ostkurve“.

In der zweiten Liga wird das Fanhaus kleiner

Wie groß das Haus wird, hängt von der Ligazugehörigkeit der Hertha ab. „Aufgrund der sportlichen Situation haben sich die Prioritäten verschoben. Erst mal geht es um den Klassenerhalt“, sagt Fanbetreuer Donato Melillo. Bei einem Abstieg dürfte das Haus kleiner ausfallen, aber mit der Möglichkeit zur Erweiterung. Zu den geschätzten Kosten in Höhe von einer Million Euro will sich der Verein nicht äußern. Obwohl sich die Fans bei der Finanzierung beteiligen und auch Eigenleistung erbringen können, wird der Verein den Großteil der Finanzierung übernehmen. Die Anhänger des 1. FC Union aus Köpenick hatten vor ein paar Jahren sogar große Teile des Stadions umgebaut – Hunderte nahmen sich extra Urlaub, um auf der Baustelle mit anzupacken.

„Die Sehnsucht ist groß, fast alle anderen Vereine haben so was“, sagt Björn Wilde vom Verein „Fanhaus 1892“. Die Initiative ist ein Jahr alt und hat bereits 200 Anhänger aus fast allen Fanklubs an Bord; auch Geld wurde gesammelt und an den Verein weitergegeben.

Dabei gab es früher ein Vereinslokal, das sogenannte „Hertha-Domizil“ in Gesundbrunnen, an der Behm-/Ecke Jülicher Straße. Hertha BSC übernahm die Lokalität nach dem Zweiten Weltkrieg vom Verein Norden-Nordost. Sie war in der Folge Geschäftsstelle, Kieztreff, Kneipe, Biergarten, Sitz der Jugendabteilung. Siege wurden dort begossen und draußen schauten die Kiebitze den Spielern beim Training zu. Gegenüber, neben der Swinemünder Brücke, steht heute eine Phalanx grauer Hochhäuser. Einst befand sich dort die „Plumpe“, das frühere Hertha-Stadion mit den steilen Tribünen für 35.000 Zuschauer. Doch der Verein musste seine Spielstätte aus Geldnot veräußern, 1974 wurde sie abgerissen. Ein zerfetzter Fußball aus Bronze in der Bellermannstraße und vier steinerne Fußballspieler in der Behmstraße sind die letzten Erinnerungen an die Vergangenheit.

Neuer Glanz ohne Fußball

Das Domizil sah lange Zeit heruntergekommen aus. Fenster waren zerschlagen, die Toiletten demoliert, aus den Angeln gerissene Türen lagen auf dem Boden und ruinierte Möbel neben Papierbergen, ein Zimmer war ausgebrannt. Herthas Herz schlage nun am Olympiastadion, sagt Geschäftsführer Schiller. Die Plumpe sei zwar die Wiege des Vereins, aber nicht die Gegenwart.

Inzwischen ist die Fassade des Eckhauses frisch gestrichen, neue Fenster eingesetzt und das Gestrüpp entfernt. Im Kiez wird gerätselt, wer oder was dort einziehen soll. Hinter dem Eckhaus wartet seit Jahren eine umzäunte Bauruine auf ihren Weiterbau. Der Investor plant an ihrer Stelle ein Hotel mit 600 Betten und einem Kongresszentrum sowie eine Seniorenresidenz mit Ärztehaus. Ein entsprechender Antrag liege vor, bestätigt Carsten Spallek (CDU), Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung. Die Genehmigung wurde jedoch noch nicht erteilt. Der Investor ist Ertac Ocak. Über dieses Projekt will Ocak allerdings noch nicht reden und verrät nur, dass ins Eckhaus ein Hostel mit 25 Betten und ein Restaurant kommen sollen, mit einer Kellerbar. Die Eröffnung soll noch in diesem Jahr stattfinden. Eine Verbindung zum Fußball oder Hertha BSC steht aktuell nicht zur Debatte.


Quelle: Der Tagesspiegel

Vom Wedding nach Westend, Behmstraße 25, 13357 Berlin

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