Fotoserie von Christian Tagliavini

Warum diese Bilder ein echtes Abenteuer sind

Warum diese Bilder ein echtes Abenteuer sind
Tagliavini widmet drei Expeditionen je eigene Fotos, so wie hier einer Reise zum Mond. Ein vierter Teil porträtiert die daheimgebliebenen Familien. Zur Foto-Galerie
Kantstraße - Fotos machen kann jeder. Hinstellen, Abzug drücken, fertig. Das ist Christian Tagliavini aber zu wenig. Für seine Fotos entwirft, näht, bastelt und baut er alles selbst. Seine neueste Reihe "Voyages Extraordinaires" ist in Berlin weltweit das erste Mal zu sehen.

Ein kurzer Exkurs: Jules Verne wurde 1828 geboren und starb 1905. Der Franzose hat mit seinen Romanen das Science-Fiction-Genre praktisch im Alleingang erfunden. Seine fiktiven Expeditionen zum Mond oder dem Mittelpunkt der Erde faszinieren und inspirieren auch 150 Jahre später – nicht nur die Steampunk-Bewegung, sondern auch Christian Tagliavini. Der Fotograf greift in seiner Porträtserie „Voyages Extraordinaires“ die gleichnamige Romanreihe Vernes‘ auf.

Tagliavini erfindet Figuren, die den Welten von „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „Von der Erde zum Mond“ sowie „20.000 Meilen unter dem Meer“ entspringen und dort zuhause sind. Jede Person stellt er zwei Mal dar: einmal in einem „klassischen“ Porträt und ein zweites Mal in Aktion. Die Modelle transportieren in den Szenerien intensive Gefühle, die teilweise in krassem Kontrast zum Porträt stehen.

Tagliavini hat an alles gedacht

Was die Arbeiten aber so faszinierend macht, ist nicht ihr Ausdruck, sondern die Entstehung. Tagliavini hat jedes, wirklich jedes Detail original nachgebildet. Der Italo-Schweizer studierte die Porträts, Mode und Schneiderkunst des 19. Jahrhunderts eingehend. Die Kostüme schneiderte er selbst und benutzte nur Stoffe, mit denen schon damals gearbeitet wurde. Mit der gleichen Akribie baute er die Kulissen und Requisiten: den Innenraum eines U-Boots und einer Rakete, ein Topophon (ein frühes Ortungsgerät, mit dem Schallsignale aufgefangen wurden) oder Raumanzüge.

Objekte, die er nicht selbst bauen konnte, Handtaschen, Werkzeug oder Möbel, stellten ihm Sammler. Auch hier stammt alles aus der Zeit Jules Vernes‘. In einem Bild ist beispielsweise ein Globus zu sehen, nur am Rand, völlig vernachlässigbar. Für Tagliavini musste es aber ein seltener Erdglobus aus dem 19. Jahrhundert sein. Dieser Zwang zum Detail und Original macht die Illusion – und vor allem die Hommage – perfekt. Der Besucher sieht sich nicht nur Fotos an. Er erlebt die Welt von Jules Vernes, als wäre er selbst bei allen Abenteuern dabeigewesen.

„Voyages Extraordinaires“ ist noch bis zum 27. Februar 2016 in der Galerie Camera Work zu sehen. Sammler können die Fotos zu Preisen zwischen 4.800 und 8.900 Euro kaufen.

Neben den Forscher-Porträts sind auch originale, handgefertigte Requisiten und Kostüme zu sehen. ©VH

Foto Galerie

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