Befragung der Direktkandidaten (11)

Mobilität in Treptow-Köpenick

Mobilität in Treptow-Köpenick
Wie ist die Meinung der Bezirkspolitiker zur Verlängerung der Stadtautobahn?
QIEZ hat den Direktkandidaten auf den Zahn gefühlt und nach ihren Vorstellungen für die kiezige Zukunft gefragt. In Treptow-Köpnick regt sich Widerstand gegen den Ausbau der A100. Was halten die Politiker von der Stadtautobahn und wie sehen ihre Mobilitätskonzepte für den Wahlkreis aus?

Die Linke: Gregor Gysi

Den Weiterbau der A 100 (16. Bauabschnitt ) habe ich abgelehnt. Nun sind alle Entscheidungen, ob politisch oder juristisch anders gefallen und dieses Teilstück wird gebaut. Das hat zur Folge, dass der Stau nach Treptow verlagert wird. Probleme löst man nicht, in dem man sie verschiebt. Meine Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung hat ein Verkehrskonzept erarbeitet und auf www.linksfraktion-treptow-koepenick.de veröffentlicht. Dort sind die diesbezüglichen Vorstellungen der LINKEN nachzulesen.

Bündnis 90/Grüne: Harald Moritz

Stadtautobahnkonzepte hat man in den 1950er und 1960er Jahre als Elemente der autogerechten Stadt vorangetrieben. Heute will zum Glück niemand mehr die autogerechte Stadt. Daher geben diese Konzepte heute keinesfalls mehr brauchbare Antworten auf unsere heutigen Problemstellungen. Sie sind stadtzerstörerisch, ökologisch schädlich sowie klima- und gesundheitsschädlich. Sie und auch speziell die A100-Verlängerung von Neukölln nach Treptow lösen keine Verkehrsprobleme, bestenfalls werden die Probleme für sehr viel Geld von A nach B verlagert.

Bei der A00-Verlängerung werden Stauerscheinungen am Ende der Autobahn im Gewerbegebiet in Neukölln in den Bereich der Elsenstraße,-brücke verlagert, wo sie umliegende Wohngebiete belastet.  Das Ziel die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten wird nicht erreich. Im Gegenteil, der Autoverkehr wird direkt in die Innenstadt (Stralauer Allee) geleitet.

Auch eine weitere Verlängerung zur Frankfurter und Landsberger Allee wird diese Probleme nicht lösen, aber noch sehr  viel mehr Geld kosten. Dieses Geld muss unbedingt in den Erhalt der Infrastruktur investiert werden, sonst werden die bestehenden Straßen und Brücken bald unpassierbar werden. Mein oder unser Mobilitätskonzept für die Stadt beruht auf der Stärkung des Umweltverbundes (ÖPNV, Rad- und Fußverkehr).

Insgesamt sind die Bedingungen für den Umweltverbund  in Berlin gut, relativ geringe PKW-Dichte, gutes ÖPNV-Netz, relativ flaches Gelände und eine polyzentrale Stadt, in der Mehrzahl kurze Wege. Der Umweltverbund ist von fast allen BerlinerInnen nutzbar. Hier muss investiert werden, davon profitieren alle. S-, U- und Straßenbahnnetze, auch die Straßen müssen instandgesetzt werden. Darauf muss man sich konzentrieren und bei konkreten Problemen an Umsteigepunkten oder Kreuzungen müssen Verbesserungen herbeigeführt werden. Darüberhinaus muss auch die Komination von ÖPNV Fahrrad/Leihfahrräder und Carsharing verbessert werden.

Der Fahrradverkehr nimmt in Berlin glücklicher Weise stetig zu, allerdings wächst nicht in gleichem Maße deren Infrastruktur (Fahrradstreifen, Abstellplätze ect.). Hier kann man mit relativ wenig Geld viel bewirken.

Die Fußgänger haben oft Probleme die Straßen sicher überqueren zu können, auch hier muss in weiteren Querungshilfen (Zebrastreifen, o.ä.) investiert werden. Darüberhinaus muss die Barrierefreiheit in allen Bereichen hergestellt werden.

Durch diese Verlagerung, besonders des Personenverkehrs,  werden die Straßen auch etwas leerer und das nutzt dann dem Wirtschaftsverkehr und allen BerlinerInnen durch eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Straßen.

Piratenpartei: Volker Schröder

Bei diesen Themen stehe ich zu 100% hinter unseren Forderungen des Wahlprogramms zur Berliner Abgeordnetenhauswahl. Wir lehnen den weiteren Ausbau der A100 in den Innenstadtbereich ab – das gilt auch für den angefangenen 16. Bauabschnitt, der noch verkürzt werden könnte.

Unser Mobilitätskonzept sieht die Stärkung des ÖPNV vor. Wir arbeiten an der Einführung einer Fahrscheinlosen Nutzung des ÖPNV, finanziert durch eine kommunale Abgabe. Auch fordern wir eine Rekommunalisierung der Berliner S-Bahn, da wir den Öffentlicher Personennahverkehr als Daseinsfürsorge sehen und nicht als Mittel zur Erwirtschaftung von Gewinnen.

Im Bezirk kämpfe ich in der Bezirksverordnetenversammlung, im Ausschuss für Stadtentwicklung und Tiefbau und in der AG Radverkehr seit zwei Jahren intensiv für die Verbesserung der Radverkehrssituation.

Fritz Niedergesäß, Kandidat der CDU, Matthias Schmidt von der SPD und FDP-Direktkandidat Volker Thiel haben sich bis Fristende nicht zur Fragestellung geäußert.

*Die Reihenfolge der Beiträge ergibt sich aus den Wahlergebnissen der letzten Bundestagswahl im Bezirk.

QIEZ hat die Direktkandidaten aller zwölf Wahlkreise befragt und wird die Ergebnisse nach und nach online stellen.

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