Schlagabtausch Merkel und Steinbrück

Das TV-Duell im Studio Adlershof

Das TV-Duell im Studio Adlershof
Moderatorenpärchen Stefan Raab/Anne Will und Maybrit Illner/Peter Klöppel.
Adlershof - Im Ortsteil kommen 2554 Einwohner auf jeden Quadratkilometer - aber auf den etwas mehr als drei Quadratkilometern der Filmstudios B und G ist vergangenen Sonntag die Bevölkerungsdichte explodiert. Von 20:30 bis 22:00 Uhr ist dort der Ring frei gewesen für Peer Steinbrück gegen Angela Merkel und hunderte Reporter haben live Bericht erstattet.

Bereits Tage waren Licht- und Tontechniker, Handwerker, Kameramänner und Kabelträger dabei, die Studio B und G umzurüsten. Sicherheitsdienste und Servicekräfte versuchten einen reibungslosen und kontrollierten Ablauf zu gewährleisten. Eine unzählbare Mannschaft an Redakteuren, Produktionsleitern und technischen Koordinatoren setzte den Sonntagabend in Szene. Die 2500 Quadratmeter von Studio G bevölkerten kurzerhand 800 Journalisten, außerdem vor Ort waren Edmund Stoiber (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei Günther Jauch. In Studio B hatten sich dutzende Kameraleute aufgestellt und ihre Linsen zum türkis ausstaffierten Hintergrund gerichten. Die wochenendliche Menschenmasse wurden zuletzt komplettiert von vier Moderatoren und zwei Kanzlerkandidaten. Rund 17,6 Millionen Menschen blickten live in die Studios Berlin Adlershof – ARD, ZDF, RTL und Pro7 haben übertragen. „Wer die Sendung nicht sehen will, muss dann wohl oder übel Sat.1 gucken!“, hatte Duell-Moderator Stefan Raab im Vorfeld gesagt, als Wink darauf, dass die Kanzlerduelle von 2002, 2005 und 2009 auf Sat.1 liefen.

Die Planung stand und verlief unter Hochdruck. Und wer hätte gedacht, wie friedlich und beidseitig sympathisch das Wortgefecht würde, als um 20:30 Uhr das einzige TV-Duell des Wahlkampfes stattfand. Die Moderatoren – allen voran Peter Klöppel, der mit Maybrit Illner ein Moderationspaar bildet – hatten alles daran gelegt, die Inhalte der drei Themenkomplexe für den Abend geheim zu halten. Auch Anne Will und Stefan Raab – das zweite Moderatorenteam – lehnten es strikt ab, sich in die Karten schauen zu lassen. Im Nachhinein sind gerade unter jungen Zuschauern die Twitterbeiträge und -beschwerden groß, Prism und die NSA hätten zu wenig Diskursraum bekommen.

Ein Abend, gleichsam uneindeutig, sympathisch und nicht toll

Die Kanzlerkandidaten hatten sich oftmals mit Nachdruck gegen das pointierte Nachhaken der sichtlich nachfragefreudigen Anne Will gewehrt und ihre Versprechen vom „Würde, könnte, werde“ durchgerungen. Die ersten Minuten hatte Angela Merkel mit Deutschland-Halskette und längerer Redezeit für sich vereinnahmt. Später war es Peer Steinbrück, der sich als angriffslustiger Herausforderer profilieren konnte – vor allem wenn er prägnantere Antworten als die Kanzlerin gab, zum Beispiel als er Moderator Raab mit einem flinken „Stimmt doch nicht“ die souveränste Antwort des Abends gab. Von beiden Kontrahenten hätte man sich mehr solcher Eindeutigkeiten gewünscht. Gerade auf Seite der Moderatoren waren die Debütanten der Gruppe – Will und Raab – besonders heiß, beide Kontrahenten aus der Reserve zu locken. Die thematischen Leitfragen waren zwar so streng untereinander abgesprochen wie geheim, die letzten Minuten hat Raab zunehmend eigenständig und für das eigene Image nutzbar gemacht.

Während die journalistische Berichterstattung aus der riesigen Halle von Studio G erfolgte, haben Steinbrück und Merkel ihren Schlagabtausch in Studio B durchgeführt – ohne Livepublikum, nur mit Kamerateams und Moderation. Zwar wurde nicht sehr exakt darauf geachtet, dass die Kandidaten nicht länger als 90 Sekunden für ihre Antworten brauchen, aber zumindst für ausgeglichene Redezeite während der 90 Minuten wurde gesorgt. So kam Steinbrück gerade im zweiten Drittel vermehrt zu Wort. Aus der Frage- in die Analysesituation kamen die Moderatoren nach dem Duell. Die Sender gaben sich alle Mühe, den Kampf um 22:00 Uhr nicht vorbei sein zu lassen, jeder Moderator hat in seinem ureigenen Format Analysen und Interpretationen des Abends betreiben – inklusive auseinanderdriftender repräsentativer Meinungsumfragen von Forsa und Infratest dimap. Damit sind die Blitzumfragen genau so uneindeutig ausgefallen, wie die Siegerehrung des Abends: Merkel und Steinbrück, beide sympathisch auf ihre Weise, keiner sonderlich toll.

Das TV-Duell im Studio Adlershof, Am Studio 20, 12489 Berlin

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