Durch den Kiez

Wana Limar: "Ich habe einen inneren Rapper"

Wana Limar:
Das Café What do you fancy love in der Knesebeckstraße ist ein Lieblingsspot von Wana Limar. Hier trinkt sie gerne Smoothies. Zur Foto-Galerie
Savignyplatz Breitgebaut, braungebrannt und 100 Kilo schwer – so beschreibt sich die MTV-Moderatorin Wana Limar gerne selbst. Wir haben mit ihr über ihre Zeit im Asylbewerberheim, YouTube-Hate, Rap und Quantenphysik gesprochen.

Savignyplatz kurz nach 12.30 Uhr. Mit flottem Schritt, einem camelfarbenen Mantel, schwarzen Veloursleder-Stiefelletten und einer Puscheltasche bewaffnet hat Wana Limar auch ein Lächeln als Accessoire dabei. Warum sprechen wir über Mode? Klar, Wana arbeitet für MTV Style, ist für ihre Beauty-Videos auf YouTube bekannt und hat in ihrer Heimatstadt Hamburg Modejournalismus studiert.

Gemeinsam machen wir uns auf zu einem Spaziergang auf dem Ku’damm. Charlottenburg ist schon seit drei Jahren Wanas Hood. Ein kurzfristiges Jobangebot war der Grund für ihren Umzug aus der Hansestadt. Die Entscheidung fiel der 26-Jährigen nicht leicht, schließlich liebt sie die Routine und vor allem ihre sehr große Familie. „Ich habe 20 bis 30 Cousins und Cousinen allein väterlicherseits.“

Im Städtevergleich ermittelt sie schnell einen klaren Gewinner. „Hamburg kann nicht mit Berlin mithalten, absolut nicht. Trotzdem liebe ich die Stadt, schließlich bin ich Langenhornerin.“ Dieser Background hat Wana explizit ins schickere Charlottenburg gebracht. Wer aus einer Gegend kommt, die ein sozialer Brennpunkt ist, der möchte lieber mal an einem schönen Ort wohnen, erzählt sie. Außerdem hat sie das Gefühl, dass Charlottenburg viel authentischer als andere Berliner Bezirke ist, „weil hier nicht so viele Zugezogene sind. Ich bin zwar selber zugezogen und ich mache mich auch lustig über Hipster, habe aber selber viele Hipster-Eigenschaften in mir. Aber ich präferiere einfach Hermès-Bag-Tussis und Lamborghini-Mucker gegenüber einem zugezogenen Amerikaner, der sich weigert Deutsch zu sprechen.“

Geboren wurde Wana 1990 in Kabul. Nur ein Jahr später floh ihre Familie nach Deutschland und dort verbrachten sie beinahe fünf Jahre im Asylbewerberheim. Die finanziellen Sorgen, die Hilflosigkeit, die Sprache nicht zu sprechen und die tagelangen Wartezeiten in der Ausländerbehörde prägten die junge Frau.

Zusammen mit ihrer älteren Schwester Hila arbeitet sie für Visions for Children e.V. Der kleine ehrenamtliche Verein konzentriert sich darauf, in sogenannten Dritte-Welt-Ländern einen Zugang zu Bildung zu schaffen. Die Einnahmen von Wanas Kleidungs- und bald auch Accessoire-Linie beim Onlineshop Junique gehen an die NGO.

In der Kollektion zelebriert sie die Zeichentrickhelden aus ihrer Kindheit. Ob nun Sailor Moon, Dragon Ball oder Nelson von den Simpsons. „Wegen Sailor Moon habe ich angefangen zu zeichnen. Ich kann ziemlich gut zeichnen, besonders Porträts.“ Die bedruckten T-Shirts und Hoodies spiegeln auch ihre Liebe zur Musik wieder genauer zu Hip-Hop-Musik.

Wana vor einem Basketballplatz. Sie ist Rap-Fan und hat sich nach Kanye West benannt.

Zum Sport Massiv und Kollegah

„Ich höre viel amerikanischen Rap, wie Kendrick Lamar, Big Sean oder auch mal Drake. Aber ich feiere auch Zuna und die KMN-Gang, genauso wie die 187 Strassenbande oder MC Bomber„, erzählt Wana als wir uns ein Plätzchen im Café What do you fancy love (Knesebeckstraße) gesichert haben. Beim Sport läuft bei ihr gerne Massiv oder Kollegah. Kein Wunder also, dass Wana sich das Alter Ego Wanye West zugelegt hat. „Es ist mein innerlicher Rapper, der sich ständig neue Akas gibt.“ Übrigens, wir besitzen nun auch eine kleine Rap-Einlage von der sympathischen Wahlberlinerin auf unserem Diktiergerät.

Für die ruhigen Momente nutzt Wana Meditation, um den Stress von einem vollen Terminkalender abzubauen. Am liebsten geht sie in ihrer Freizeit Shisha rauchen, Essen, ins Kino oder trifft sich mit Freunden zuhause. Ihr kulinarischer Tipp: Im Dudu 31 die Veggie Crunchy Roll probieren oder im Kuchi (Kantstraße) den Spinat mit Sesam und Sojasoße. Abgefuckte Läden sind nichts für Wana. Wer gerne Streetwear shoppt, dem legt sie das Above and Dost (Prenzlauer Berg) ans Herz. Für ihren Style klaut Wana schon seit der 10. Klasse ihrem Vater die Hemden. „Er fragt schon, ob er es mal zurückhaben kann, dann bekommt er aber schnell ein schlechtes Gewissen.“

Bei einem Caffè Latte mit Mandelmilch sprechen wir über ihre Schminktutorials auf YouTube. Mit dem Video Wie sich Afghanen schminken beweist sie Selbstironie, Humor und überspitzt Vorurteile. Dabei ist das Schminken für Wana ein wichtiges Ausdrucksmittel. „Mit Make-up kannst du schnell frisch aussehen, Gesichtszüge hervorheben oder dich in einem künstlerischen Licht geben. Alle Aspekte finde ich spannend.“ Schon mit fünf Jahren trug sie Lippenstift und schminkte mit elf ihre ganze Familie.

Hater und Vorbildrolle

Wer auf YouTube unterwegs ist, kriegt aber auch schnell mal Hasskommentare ab. Die richten sich in Wanas Fall sehr oft gegen ihre Zahnlücke. Solche Kritik prallt an der 26-Jährigen ab. „Man muss selber seinen Wert definieren und den nicht abhängig von außen machen. Ich habe selber mit 15 oder 16 Jahren fleißig unter Aggro TV Halt die Fresse-Videos sowas wie ‚Du hast keine Technik, geh mal nach Hause‘ kommentiert (lacht).“

Auf Instagram hat die Moderatorin knapp 26.000 Abonnenten. Wie sieht es da mit der Vorbildrolle aus? „Keiner ist perfekt. Ich werde auch immer wieder Fehler machen. Ich bin mir meines Einflusses aber schon bewusst. Die Leute, die mir folgen, geben tolles Feedback. Es geht nicht nur um meinen Style, sondern sie sprechen mich auch auf mein soziales Engagement an.“

Genau hier will Wana aufbauen und mehr eigene Inhalte produzieren, die jenseits von Beauty und Fashion liegen. Denn neben den Hermès-Bag-Tussis interessiert sich Wana für Nachhaltigkeit, Ernährung, Politik und vor allem für Werner Heisenberg. Wer jetzt als erstes an die Serie Breaking Bad denkt, ist auf dem richtigen Dampfer. Die Hauptfigur Walter White benennt sich nach dem bedeutenden Physiker.

In den Bücherbogen am Savignyplatz findet Wana einen Bildband von Peter Lindbergh.

Bei unserem letzten Boxenstopp im Bücherbogen erzählt Wana, dass sie aktuell Quantentheorie und Philosophie liest, neben drei anderen Sachbüchern. „Ich setze mich mit physikalischen Erkenntnistheorien auseinander, um ein Verständnis für die Welt zu bekommen.“ Damit ist eines wieder belegt: hübsche Schale und smarter Kern funktioniert.

Foto Galerie

What Do You Fancy Love, Knesebeckstraße 68, 10623 Berlin

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