QIEZ-Kooperation: AusserGewöhnlich Berlin

Was nun, Michael Müller? Tipps für Berlins neuen Bürgermeister

Was nun, Michael Müller? Tipps für Berlins neuen Bürgermeister
Was nun, Herr Müller?
Alles Müller, oder was? Nach 13 Jahren Wowi-Glamour soll es nun ganz bodenständig "müllern" im Roten Rathaus. Eines ist klar: die ‘To-Do’-Liste von Berlins neuem Regierenden Bürgermeister ist relativ lang. Der politische Philosoph Andreas Kellner hilft beim Kürzen mit ein paar Tipps …

Regierender Bürgermeister von Berlin, so lehrt uns ein Blick in die entsprechenden Auflistungen, war zu Zeiten der alten BRD nicht nur ein Amt, sondern auch ein Sprungbrett für (noch) Höheres. Ernst Reuter, Otto Suhr, Willy Brandt, Hans-Jochen Vogel und schließlich Richard von Weizsäcker sind Namen, die nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland Gewicht hatten und zum Teil darüber hinaus. Seither hat das mit dem Sprungbrett nicht mehr so richtig funktioniert, obwohl es zumindest bei Eberhard Diepgen und natürlich Klaus Wowereit nicht an der Ambition mangelte.

Erst einmal regieren

Nun also Michael Müller und wenn es erlaubt ist, einen Rat von der Seitenlinie zu erteilen, so sei es dieser: Erst einmal Berlin regieren und die Ambitionen nach Höherem schnell vergessen. Denn nicht nur scheinen alle bundespolitischen Sprungbretter der Republik auf absehbare Zeit andernorts zu stehen und anderweitig besetzt zu sein, auch die Voraussetzungen haben sich geändert. Befreit von oder wie manche immer noch sagen, beraubt um Hauptstadt- und Randzonenförderung muss Berlin seit der Wende mehr oder minder selbst klarkommen. Und anstatt dies einfach seriös zu tun, haben sich Müllers Vorgänger – der eine mehr, der andere weniger – allzu gern auf die großen Einzelprojekte gestürzt, statt an den Grundlagen zu arbeiten: Präsentieren oder gar Prätendieren ging da oft vor Regieren.

Vom Südkreuz zu BER

Wir erinnern uns: Überbordende Bevölkerungs-Wachstumsprognosen führten zu riesigen und teuren Bahnhofs-Solitären wie Südkreuz und Gesundbrunnen, die wenig bis gar nicht ausgelastet sind. Letzterer wird übrigens tatsächlich nochmals vergrößert. Gleichzeitig besteht Wartungsstau bei den S-Bahnen und die Löcher in den Straßen und Schienenbetten werden auch nicht kleiner. Olympiabewerbungen wurden “gelauncht”, statt die Berliner Bäder in Schuss zu halten und Bankgesellschaft und Wohnungsbau lieferten die passenden Skandale: Hauptsache groß und spektakulär war das Motto und der Gipfel ist nun BER, der vermutlich selbst wenn er jemals fertig wird, nur weitere Kosten statt Gewinne produziert. Es gibt viel zu tun für Michael Müller.

Das Feld der Ehre

Dabei kommt es für eine Stadt wie Berlin nur auf drei Dinge an: Infrastruktur, Infrastruktur, Infrastruktur – und zwar vor allem im Kleinen: Straßen, Bahnen, Schulen, Kitas und die anderen Garanten eines lebenswerten Daseins in einer großen Stadt müssen gehegt und gepflegt werden. Bestandssicherung ist für Michael Müller dabei erste Pflicht, erst dann Ausbau des Bestehenden, schließlich Erweiterung nur da, wo wirklich notwendig. Das ist schwer genug, vor allem aber nicht das Feld der Ehre; Einweihungsbänder sind dabei selten zu zerschneiden.
Und neben der Ambition im Amt ging der Großprojekt-Hasard mit einer tiefer sitzenden Überzeugung einher, mit der ebenfalls aufgeräumt gehört: Berlin muss keineswegs durch ereignishafte Inszenierung und die große Geste attraktiv gemacht werden. Berlin IST bereits Magnet für unzählige Menschen aus dem In- und Ausland, die die Stadt besuchen und hier leben und arbeiten möchten. Weitere Werbung unnötig, das macht die Stadt schon selbst, wenn man sie lässt. Also, Michael Müller, erst einmal regieren; die Arbeit tun, die ansteht, dann wird alles gut.


Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von AusserGewöhnlich Berlin: www.aussergewoehnlich-berlin.de


Quelle: AusserGewöhnlich Berlin

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