Urban Gardening

Wohin mit dem Himmelbeet?

Wohin mit dem Himmelbeet?
Konzert unter freiem Himmel: So bunt wie der Kiez zeigt sich auch das Himmelbeet.
Auf dem Areal des Gemeinschaftsgartens Himmelbeet soll Deutschlands erstes Fußballbildungszentrum entstehen. Bis zum Baubeginn im Oktober 2019 dürfen die Kiezgärtner bleiben, danach muss das Himmelbeet umziehen. Ob sie einen Alternativ-Standort finden, ist noch ungewiss.

Die Zukunft des Himmelbeets ist ungewiss. Der urbane Gemeinschaftsgarten am Leopoldplatz muss umpflanzen, wie der Bezirksstadtrat von Berlin-Mitte, Carsten Spallek diese Woche bekannt gab. Der Grund: Ab Oktober 2019 wird das gemeinnützige Fußballprojekt Amandla auf dem Areal ein Bildungszentrum für benachteiligte Kinder und Jugendliche bauen. Die Himmelbeetler werden schließlich eine neue Bleibe suchen müssen.

Mitten im Wedding, zwischen Bohnen, Salat und summenden Bienen liegt seit über fünf Jahren das Himmelbeet ein grüner Ort, an dem Jung und Alt beim Gärtnern, Bauen und Kochen zusammenfinden. Außerdem wird mit der Arbeit im Garten die Inklusion von Menschen mit Behinderung und die Integration von Geflüchteten umgesetzt. Das interkulturelle Gartenprojekt zeigt also, dass menschlich zusammenwächst, was zusammen gehört. Und dass gesundes Gemüse und frische Kräuter auch direkt vor der großstädtischen Haustür wachsen können.

Seit einiger Zeit ist nun aber bekannt, dass die gemeinnützige Organisation Amandla an, die von der Oliver-Kahn-Stiftung gefördert wird, auf der Fläche des Himmelbeets ein Fußballausbildungszentrum errichten will. Eigentlich auch eine gute Sache, denn hier soll Fußballsozialarbeit geleistet werden, um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Grundsätzlich begrüßt das Himmelbeet natürlich Initiativen wie diese und eine gemeinsame Flächennutzung wäre sicher ein starkes Zeichen an die Zivilgesellschaft. So haben sich die Himmelbeetler stets kooperativ gezeigt.

Ursprünglich strebte das Himmelbeet eine einvernehmliche Lösung mit Amandla Edu und dem Bezirk an. Unter dem Label Green.Urb.Lab sollte ein „Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft“ entstehen, wie es in einer Petition hieß, die das Himmelbeet zum Erhalt der Gärten startete. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in Mitte hatte diese Projektidee als Ziel zunächst übernommen und im Mai 2016 einen entsprechenden einstimmigen Beschluss zur Unterstützung gefasst. Doch statt gemeinschaftlichem Wirken für die guten Zwecke und dem geplanten Garten auf dem Dach der Sporthalle, sah es nach einem Alleingang aus. „Über die Nutzung der Fläche wurde ohne uns verhandelt“, sagte Felix Lodes, der Geschäftsführer des Himmelbeets, damals.

 

Und nun ist es eben amtlich: Zu Wochenbeginn unterschrieb der Bezirk einen Pachtvertrag mit Amandla. Ab Oktober kommenden Jahres soll dann auf dem Areal des bisherigen Gemeinschaftsgartens „Himmelbeet“ ein sogenanntes Safe-Hub entstehen, ein sozialer Knotenpunkten zur Förderung und Integration von jugendlichen Mädchen und Jungen jeglicher Herkunft. Dieser Safe-Hub umfasst drei zusammenhängende Fußballplätze und ein Bildungszentrum, das Raum bietet für Funktionsräume, für den Sportbetrieb, Café, Veranstaltungsraum, Workshop-Räume, Büroflächen und einen Bewegungsraum – frühestens 2021 soll alles fertig sein. Die Kosten werden auf vier Millionen Euro geschätzt.

Und so verdrängt ein soziales Projekt das andere. Unklar bleibt nämlich, wie es mit dem Himmelbeet weitergeht. Der Bezirk versicherte den Hobbygärtnern zwar, dass sie bis mindestens Ende Oktober 2019 am jetzigen Standort bleiben dürfen und somit ausreichend Zeit für die Suche eines Alternativstandortes hätten. Dennoch wird es eine große Herausforderung bleiben, eine geeignete Fläche im Kiez zu finden.

Himmelbeet Wedding, Ruheplatzstraße 12, 13347 Berlin

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