• Montag, 25. November 2013

Berliner Polizei

Die Rapper von Abschnitt 36

  • Polizei Rapper Wedding
    Zumeist in Sepia-Farben wird die "Hood", Wedding, in Bilder eingefangen. Ergänzt werden die selbstgedrehten Videoaufnahmen durch Fotos beschlagnahmter Drogen und Waffen. Foto: QIEZ - ©Kevin Grünstein

Drogen, Schusswaffen, Blaulicht und Beats: Weddinger Polizisten haben ein Musikvideo im Hip-Hop-Stil gedreht. Unter den Beamten gibt es Lob. Auch Innensenator Frank Henkel hat dazu eine Meinung.

Verwackelte Kamera, schnelle Videoschnitte, Bilder von Blaulicht, Waffen, Drogen – das sind seit 20 Jahren die Ingredienzien von Rap-Videos. Und meist besingen Rapper darin den täglichen Kampf um Respekt und Reviere. Die Polizei kommt in den Liedern traditionell schlecht weg. Seit zwei Tagen nun ist im Internet ein Rap-Video zu sehen – die Polizei kommt darin ausgesprochen gut weg. Ein Polizist vom Abschnitt 36 rund um die Weddinger Pankstraße hat den Song geschrieben. Den Clip dazu – wie gehabt, schnelle Kameraschnitte, Blaulicht, Waffen – haben Kollegen gedreht.

"Alles nur für die Gerechtigkeit"?

Ausstellung "Wanted WItches"

Vorsicht, heiß!

Wedding
Die offenbar aus Weddinger Polizisten bestehende Combo "Cop Thirty-Six“ hat den Rap-Song "Wild Wedding“ genannt. Und, um es mal passend im Jargon auszudrücken, die Beamten schieben durchaus eine Welle: "Jeden Tag rocken wir durch den Bereich, das alles nur für die Gerechtigkeit“, heißt es darin etwas holprig gereimt. "Wir sind die Macher in unserem Revier“, rappt die Polizistenstimme aus dem Off, um noch schnell die im Kiez nötige "Eigensicherungspflicht“, sprich die Hand an der Waffe, anzusprechen.

Ist das nun erfrischend, amüsant? Oder einfach unpassend, weil der Beruf des Polizisten ein ernster ist, der nichts mit Hip-Hop-Gepose gemein haben sollte? Das Polizeipräsidium kennt das HipHop-Video. Es sei auf Eigeninitiative entstanden, heißt es. Ein Beamter habe den Song für eine Betriebsfeier des Abschnitts geschrieben. Die Kollegen sollen begeistert gewesen sein, sie haben dazu aus selbst gedrehten Szenen und offenbar echten Einsatzaufnahmen das Video gedreht, das auf der Plattform Youtube zu sehen ist.

Die Polizeispitze hatte das Lied genehmigt

Vor der Veröffentlichung im Netz hätten sie die Behördenleitung um Erlaubnis gefragt. "Insgesamt transportiert das Lied eine positive Dienstauffassung“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Freitag. Dienstrechtliche Konsequenzen habe der Clip nicht. Die Gesichter mutmaßlicher Verdächtiger sind in dem Video nicht zu sehen.

Es gebe unzählige Songs von Rappern über die Polizisten, sagte Redlich, nun gebe es eben mal einen von Polizisten. Und ein Sprecher von Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, der Senator habe das Lied vor Veröffentlichung kurz gesehen, er fände es gut. "Das ist ein engagiertes Bild des harten Polizeialltags in Brennpunktbezirken“, sagte Innensprecher Stefan Sukale.

Schon ein bisschen kitschig, sagen einige

Ein bisschen kitschig sei das Lied schon, sagten in den Behörden einige. Aber alle Befragten waren sich einig, "Wild Wedding“ sei deutlich besser gelungen als der musikalische Auftritt der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Dort hatte die Behörde kürzlich ein Werbevideo mit Zeilen wie diesen drehen lassen: "Du hattest dich beworben, Torben, auf ’nen tollen Job / Heute teilen wir dir mit: Du bist ab sofort ein Cop / Hey, Torben. Ho, Torben.“ Für dieses Video gab es viel Spott. Auch intern hatte es Kritik von Beamten gegeben, die Berufsethos und Selbstverständnis verletzt sahen. Hinzu kommt, dass das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen für die Nachwuchswerbung 11000 Euro ausgegeben hat.

Wie berichtet sucht die Berliner Polizei ebenfalls geeignete Bewerber, will den Weddinger Song aber nicht als Werbung verstanden wissen.

"Welten" besser als das Polizei-PR-Video aus Nordrhein-Westfalen

Angetan äußerten sich am Freitag auch Vertreter der Polizeigewerkschaften. Das Lied sei "gar nicht schlecht“, sagte Michael Purper, Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, spricht ebenfalls von „offenbar engagierten Polizisten“. Das Lied sei besser als der Song aus Nordrhein-Westfalen: "Da liegen Welten zwischen“, sagte Pfalzgraf. Er räumte allerdings umgehend ein, kein Rap-Experte zu sein.

Adresse

Pankstraße 29
13357 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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