• Montag, 18. August 2014
  • von Nikolaus Triantafillou

Kaffee-Unternehmen umgezogen

Braune Bohnen jetzt aus dem Wedding

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  • Coffee Circle Wedding
    So macht man's richtig: Der Barista Hannes Fendrich beim Kaffeebrühen mit einer "Chemex". Foto: QIEZ - ©Triantafillou
  • Coffee Circle Wedding
    Fendrich ist bei Coffee Circle für die Kaffeeauswahl zuständig und betreut die belieferten Cafés. Foto: QIEZ - ©Triantafillou
  • Coffee Circle Wedding
    In den neuen Räumen in der Lindower Straße gibt es reichlich Platz für die 20 Mitarbeiter von Coffee Circle. Foto: QIEZ - ©Triantafillou
  • Coffee Circle Wedding
    Hannes Fendrich führt durch die Lagerräume - Coffee Circle verkauft auch Zubehör zum Kaffeebrühen, unter anderem von japanischen Herstellern. Foto: QIEZ - ©Triantafillou
  • Coffee Circle Wedding
    Hier lagert der versandfertige Kaffee. Foto: QIEZ - ©Triantafillou

Antonkiez – Vor kurzem ist das junge Berliner Unternehmen Coffee Circle von Kreuzberg in den Wedding gezogen. Dort hat es nun mehr Platz für den eigenen Kaffee, den es aus Äthiopien importiert und in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreibt. Auch die eigene Rösterei soll im Gewerbehof in Bahnhofsnähe bald Platz finden. Einkaufsleiter Hannes Fendrich, der auch deutscher 'Brühmeister' ist, hat uns in den neuen Räumlichkeiten herumgeführt.

Ein Hinterhof in der Lindower Straße, die parallel zum S-Bahnhof Wedding verläuft: Hier ist die neue Heimat des vor dreieinhalb Jahren gegründeten Kaffee-Anbieters. Als QIEZ zum Besuch eintrifft, ertönt gerade ein Aufruf des Muezzins der benachbarten Moschee. Den hipperen Standort hatte Coffee Circle am Schlesischen Tor, doch im Wedding stehen dem von fast ausschließlich jungen Leuten geführten Unternehmen größere Räume zu günstigeren Konditionen zur Verfügung. Und da das Interesse an erlesenem Kaffee und dessen bestmöglicher Zubereitung nicht nur in Berlin steigt, scheint die flächenmäßige Expansion Sinn zu machen.

Hannes Fendrich, der QIEZ zum Rundgang begrüßt, ist während des Studiums in Köln in die Kaffee-Szene geraten. "Ich habe festgestellt, was für eine Wissenschaft dahintersteckt", erzählt der geprüfte Barista, der bei Coffee Circle unter anderem für die Auswahl der Bohnen und die Betreuung der belieferten Cafés zuständig ist. Im letzten Jahr hat er den "Brewers Cup", die deutsche Meisterschaft im Kaffeebrühen, gewonnen und danach bei der WM in Rimini immerhin den 20. Platz belegt.

So gelingt der Kaffee

Natürlich rät Fendrich zu frisch gemahlenem Kaffee. Eine halbe Stunde nach dem Mahlen seien bereits 50 Prozent der Aromen verschwunden, erklärt er. Wenn man das Pulver lagern wolle, dann am besten dunkel, etwa in einer Schublade, und nicht im Kühlschrank – wegen den Fremdgerüchen. Einfrieren sei ebenfalls eine Möglichkeit. Dann kommt Fendrich zur Zubereitung: "Gefiltertes Wasser lässt die Aromen besser durch. Ansonsten schmeckt der Kaffee schnell mal überdeckt", empfiehlt der Experte. Dass es zur Not auch mit normalem Leitungswasser geht, beweist der spätere Geschmackstest, denn noch fehlt selbst Coffee Circle ein Wasserfilter in der eigenen Küche.

Fendrich brüht den Kaffee in einem gläsernen Filtersystem namens Chemex, das zunächst vorgespült wird. Der Tipp des Barista zur idealen Pulvermenge gilt übrigens für alle Sorten: rund 60 Gramm pro Liter. Zunächst gießt Fendrich nur so viel heißes Wasser ein, dass das Pulver knapp bedeckt ist. Nach dem ersten 'Befeuchten' gibt er mehrmals so viel hinzu, dass der Pegel ein bis zwei Zentimeter über dem Kaffee steht. Der Geschmack gibt ihm Recht. Es verwundert nicht, dass der Barista beim Trinken auf Milch und Zucker verzichtet. Eine klare Meinung hat Fendrich auch zur neu entwickelten 'All-inclusive-Kaffeemaschine' eines Berliner Unternehmens, die nicht nur Mahlen und Brühen, sondern auch das Rösten der Bohnen in einem Vorgang erledigt. Kaffee sollte nach der Röstung entgasen und daher fünf bis sieben Tage ruhen, sagt er – sonst seien Säure und Bitterkeit zu dominant.

Fair gehandelt, nicht ganz billig

Beim Rundgang durch die Büro- und Lagerräume von Coffee Circle erklärt Fendrich das Geschäftsmodell des Unternehmens. Der Kaffee kam bisher ausschließlich aus Äthiopien – künftig soll es auf Kundenwunsch hin auch Mischungen geben. Die Gründer haben bei den Verträgen mit den Bauern großen Wert auf Fairness gelegt. Außerdem geht von jedem verkauften Produkt ein Euro an soziale Projekte in dem ostafrikanischen Land. Der Kunde kann online mitbestimmen, welches Projekt er unterstützen will. Coffee Circle bietet gemahlenen und nicht gemahlenen Kaffee sowie selbstverständlich Espresso an. Dazu kommen inzwischen auch Kapseln und Zubehör. Die hohe Qualität der Arabica-Sorten hat allerdings ihren Preis: Mit knapp 10 Euro für eine 350-Gramm-Packung ist man dabei.

In Berlin gehören 10 bis 15 Cafés zu den Coffee Circle-Abnehmern, vor allem in Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg. Die rund 20 Mitarbeiter im Großraumbüro auf der Weddinger Fabriketage hoffen, dass bald auch Partner aus ihrem neuen Kiez hinzukommen. Immerhin holen Vertreter des Nachbarschaftsgartens Himmelbeet bereits Kaffeepulver als Dünger ab. Und beim Kunst-Event "Diorama" am 14. September in den Panke-Höfen ist Coffee Circle mit einer Espresso-Bar vertreten.

Die Produkte von Coffee Circle gibt es in den Filialen von LPG und künftig bei Kaiser’s/Tengelmann zu kaufen. Weitere Infos auf der Webseite des Unternehmens.

Adresse

Lindower Straße 18
13347 Berlin

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Quelle: QIEZ
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