• Dienstag, 05. Februar 2013
  • von Joachim Faust

QIEZ-Blogger: Weddingweiser

Hochprozentiges aus der Spirituosen-Manufaktur

  • Preußische Spirituosen-Manufaktur Wedding
    Sieht aus wie vor 100 Jahren: Die Kupferkessel und -rohre der Preußischen Spirituosen-Manufaktur in der Seestraße. Foto: Weddingweiser - ©Weddingweiser

Mit verstaubten Exponaten hinter Vitrinen lassen sich Geschmacksrichtungen schlecht erlebbar machen. Wenn aber mit museumsreif aussehenden Kupferkesseln, seltsam anmutenden Destillierapparaturen und Steinkrügen nach 140 Jahre alten Rezepten Spirituosen von Hand hergestellt werden, die man probieren und käuflich erwerben kann, handelt es sich um eine besonders kuriose Form der Traditionspflege im Berliner Stadtteil Wedding.

Wer den unscheinbaren Zweckbau im Hof der Seestraße 13 betritt, erwartet an dieser Stelle ganz bestimmt keine Sammlung origineller technischer Geräte. Zur Sicherheit steht an der Klingel der Spirituosenmanufaktur im Treppenhaus eine Telefonnummer, denn die Destillateure könnten sich ja im Kellergewölbe befinden, wo die Destillation stattfindet. Bereits im Jahr 1874 wurde die Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation eingerichtet – der preußische Staat dachte damals ganz praktisch an die Weiterverwertung eventueller Kartoffel- oder Getreideüberschüsse in Form von Alkohol. Der auf die Tradition weisende Schriftzug "Institut für Gärungsgewerbe" prangt jedenfalls noch heute auf dem über hundert Jahre alten Backsteingebäude, zur verkehrsumtosten Seestraße hin.

Das Institut gibt es in anderer Form noch immer, doch seine historischen Apparaturen werden seit 2008 von einem Vier-Personen-Betrieb verwendet, der "Preußischen Spirituosen-Manufaktur" (PSM). Die Räumlichkeiten des kleinen, aber traditionsreichen Betriebs kann man übrigens nach Voranmeldung und gegen Eintritt besichtigen und eine Verkostung einiger Spirituosensorten gehört selbstverständlich zum Besuchsprogramm. Schon der erste Institutsleiter, Max Delbrück, stellte mit seinen Studenten Liköre und Obstbrände her und verewigte die Ergebnisse seiner Experimente im "Brevier der flüssigen Freuden".

Historische Rezepte, neu interpretiert

Über 80 Rezepte, darunter das Urrezept für den "Adler-Gin" und den "Adler-Wodka", und auch viele Apparaturen stammen aus dieser Zeit. Doch die beiden Betreiber der Manufaktur, Ulf Stahl, Professor für Mikrobiologie, und Gerald Schroff, langjähriger Barmann, prägen die geerbten Rezepturen für die Verfeinerung traditioneller hochprozentiger Getränke mit ihrem eigenen Sachverstand. Eine Destillateurin und ein Auszubildender komplettieren das Experten-Quartett.

Die Bandbreite der von Hand hergestellten Spirituosen ist enorm: Kräuter-, Obst-, Rosen- und Zimtliköre, Magenbitter, Danziger Goldwasser, Getreidekümmel, Wodka – und der Delbrücksche Adler Gin in der charakteristischen Flasche. Da traf es sich gut, dass die beiden Geschäftsführer ausgesprochene Liebhaber des Wacholderschnaps’ Gin sind -  ihr gemeinsames Interesse haben sie allerdings erst nach einem schmerzhaften Zusammenstoß auf einer Skipiste abends an einer österreichischen Hotelbar entdeckt. Das Ergebnis dieses Crashs war ein Glücksfall für den Wedding.

Der Alkohol als Grundlage wird in der PSM übrigens nicht selbst hergestellt. Dort konzentriert man sich eher auf die Herstellung der Pflanzenessenzen, Mazerate und Destillate. Etwa 200 verschiedene "Drogen" stehen für die Weiterverarbeitung zur Verfügung. Durch Hinzugabe von Alkohol entstehen daraus die 35 verschiedenen Spirituosen, die die PSM im Angebot hat.

Diese Tradition im Wissenschaftsviertel zwischen Amrumer Straße und Seestraße bleibt uns hoffentlich noch eine Weile erhalten!

Weitere Informationen zur PSM unter www.psmberlin.de

Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt von weddingweiser.wordpress.com

 

Weitere Artikel vom Weddingweiser:

Die Freunde von "Victoria Lacrosse"

Von Hand gemacht im nördlichen Wedding

Beer4Wedding: Biere mit lokalem Aroma

Preussische Spirituosen Manufaktur

Seestraße 13
13353 Berlin

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Quelle: Weddingweiser
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