• Freitag, 22. Mai 2015
  • von Fabian Lamster

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Paul Bokowski: Auf 'ne Made in den Wedding

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    Zum Kiezspaziergang durch den Wedding traf sich Paul Bokowski mit uns im Café Dujardin am Pankeufer. Für mehr Fotos klick' dich durch! Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Für manche ein Schandfleck, doch Paul Bokowski findet den Betonklotz in der Gottschedstraße sympathisch. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Der Satiriker mag das ExRotaPrint-Gelände, das vielen sozialen und kulturellen Dingen ein Zuhause bietet. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Auf dem Gelände des alten Krematoriums in der Gerichtstraße finden zum Beispiel Veranstaltungen wie die Pictoplasma statt. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
  • Paul Bokowski mag das Grün seines Kiezes, zum Beispiel auf dem Sparrplatz.jpg
    Das Gründungsmitglied der Lesebühne "Fuchs & Söhne" mag das Grün seines Kiezes, zum Beispiel auf dem Sparrplatz. Foto: QIEZ
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    Der Gelegenheits-Poetry-Slammer und sein kleines Wunder vom Wedding: der Madenautomat in der Tegelstraße. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Bringt viel Leben und Energie in den Wedding: die Beuth Hochschule für Technik Berlin. Foto: QIEZ
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    Im Wedding passiert jede Menge. Das sieht man auch am Zeppelinplatz, der heute deutlich ansehnlicher daherkommt als noch vor einigen Jahren. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Neu und alt nebeneinander: Diese Kombination passt nicht immer, wie man an der Antwerpener Straße Ecke Brüsseler Straße sieht. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Das frisch gebraute Bier, das die Vagabund Braucherei in der Antwerpener Straße anbietet, gefällt dem gebürtigen Mainzer sehr. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Der Buchautor findet die Vielfalt der Müllerstraße klasse, auch weil sich die Kaffee-Experten von Coffee Star hier befinden. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster

Brüsseler Kiez - Mehr oder weniger zufällig ist der Autor und "Brauseboy" Paul Bokowski im Kiez rund um die Müllerstraße gelandet und dem Wedding seitdem treu geblieben. Mit uns hat der aufmerksame Berlin-Beobachter über seine Lieblingsorte, Nachtrodeln in den Rehbergen mit Freunden und einen Madenautomaten gesprochen.

"Der Wedding ist einfach meine Heimat geworden. Deshalb drehen sich auch die meisten meiner Geschichten um den Kiez hier", sagt Paul Bokowski, dessen neuestes Buch "Alleine ist man weniger zusammen" am 18. Mai erscheint. Zwar sei der Wedding darin nicht mehr so stark vertreten wie in seiner Kurzgeschichtensammlung "Hauptsache nichts mit Menschen" von 2012, aber weiterhin ein sehr wichtiger Bestandteil des Buches.

Nach dem Zivildienst zieht es Bokowski 2003 zum Studieren nach Berlin. Medizin soll es sein. Und tatsächlich: Im Nachrückverfahren bekommt der gebürtige Mainzer einen Studienplatz und braucht von heute auf morgen eine Bleibe. Wenig später wohnt er in einer Altbauwohnung in der Guineastraße, damals noch ganz ohne Bewerberansturm: "Das war total easy. Ich habe sie besichtigt und direkt auf dem Küchenherd meinen Mietvertrag unterschrieben."

Die Müllerstraße als Aushängeschild des Weddings

Seitdem ist Bokowski drei Mal umgezogen. "Aber nie weiter als einen Steinwurf entfernt und immer nur näher an die Müllerstraße". Mit ihrer gastronomischen Vielfalt repräsentiert sie für ihn das Multikulturelle am Wedding insgesamt: "Hier gibt es Koreaner, Chinesen, Polen, Libanesen und die höchste Dönerdichte nördlich des S-Bahn-Rings. Quasi die große weite Welt im Kleinen. Man hat das Gefühl, dass man gar nicht weit reisen muss, um fremde Länder kennenzulernen." Dieser Umstand ist für den Buchautor von besonderer Bedeutung, immerhin hat auch seine Familie einen polnischen Migrationshintergrund.

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In der Müllerstraße befindet sich mit der Kaffeerösterei Coffee Star einer seiner Lieblingsläden, wenn er den morgendlichen Koffeinkick sucht. Auch Läden wie das Café Cralle, eine der "urigsten und herzlichsten Kiezkneipen", das Café Dujardin, das "fast immer einen Platz an der Sonne" bietet, oder die Vagabund Brauerei, eine "tolle Mikrobrauerei mit fantastischem Pale Ale", sind dem gelegentlichen Poetry-Slammer ans Herz gewachsen.

Zudem kann Bokowski sich im Kiez prima erholen. Zum Entspannen sei der Schillerpark eine feine Sache. An Sommerabenden zieht es das Gründungsmitglied der Lesebühne "Fuchs & Söhne" auch regelmäßig mit Freunden zum Baden an den Plötzensee. Außerdem mag er die Rehberge, die er mit einer kleinen Tradition verbindet: "Nach dem ersten Schnee krame ich mit Freunden Sitzschalen und Schlitten heraus, um mitten in der Nacht Rodeln zu gehen. Das machen wir seit vielen Jahren so." Im Sommer könne man hier wunderbar grillen, joggen, Fußball oder Federball spielen, Wildschweine mit Kastanien füttern und fernab der trubeligen Müllerstraße ungestört die Zeit verstreichen lassen.

Mit Gästen ‘ne Schachtel Maden ziehen

Freunden und Bekannten zeigt der Satiriker sehr gerne sein persönliches "kleines Wunder vom Wedding". Damit meint Bokowski den Madenautomaten in der Tegeler Straße, "bei dem man für’n Euro einfach mal ‘ne Schachtel Maden ziehen kann". Das macht er besonders gerne mit ortsfremden Besuchern. Sie wissen dann oft gar nicht, was sie mit den kleinen Biestern anfangen sollen und entlassen sie wenig später in die Freiheit. Der Automat gehört zum Angelhaus Koss, das die Maden für Anglerfreunde und allen anderen Neugierigen anbietet: "Die sind schon genial. Frittiert schmecken die bestimmt super", schätzt Bokowski.

Gerade weil der Buchautor den Wedding bereits seit 2003 kennt und sich hier ein soziales Umfeld aufgebaut hat, sind ihm einige Veränderungen aufgefallen. "Man merkt die Wohnungsnot sehr deutlich. Hier setzen bereits äußerst unschöne Verdrängungsmechanismen ein. Meine ehemaligen türkischen Nachbarn beispielsweise mussten nach vielen Jahren ausziehen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten konnten. Und auch der Rentnerin von nebenan könnte es bald schon ähnlich gehen."

Zudem seien hier einige hippe Orte wie das Stattbad Wedding entstanden, Clubs, Bars und Restaurants, die immer mehr junge Leute anziehen. Dafür sorgt auch die Beuth-Hochschule mit ihren Technik-Studenten, die hier leben und sich amüsieren. Für Bokowski alles andere als ein Problem, da "der Kiez noch weit davon entfernt ist, ein homogener Stadtteil zu sein".

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Und die Drogenkriminalität, die viele mit dem Wedding verbinden? "Die ist doch für einen Kiez mit drei U-Bahnlinien gar nicht so ungewöhnlich. Zumal sie mir als Durchschnittsbürger deutlich lieber ist als Gewaltkriminalität." Im Laufe der Jahre sei Bokowski nie bedroht oder Zeuge einer Schlägerei geworden.

Das begegne ihm eher in einem Partykiez wie Friedrichshain. "Mag sein, dass hier Leute mit dicken Strafakten zu Hause sind, aber trotzdem erlebe ich den Wedding als ziemlich friedlichen Familienkiez."

Mit offenen Augen durch den Kiez

Themen wie Arbeitslosigkeit, Bildungsproblematik oder gesellschaftliche Konflikte sieht der Künstler eher als Grundproblem Berlins und nicht als Alleinstellungsmerkmal vom Wedding. Trotz der starken Kiezverbundenheit bleibt Bokowski aber realistisch und geht weiter wachsam durch sein Viertel: "Denn bei allen Sympathien sollte man niemals die Augen vor den offensichtlichen Problemen verschließen."

Für seinen Kiez wünscht sich Bokowski, dass er seinen multikulturellen Charme beibehält und auch die liebenswürdige kleinbürgerliche Struktur erhalten bleibt. Natürlich ist die Veränderung nicht aufzuhalten, aber wenn, dann soll sie nicht von heute auf morgen, sondern gemächlich und gemütlich vonstattengehen. "Ich lebe hier mittlerweile länger, als jemals anderswo", verrät der Buchautor. Ein weiterer Grund, warum der gebürtige Mainzer nicht daran denkt, dem Wedding den Rücken zu kehren.

Paul Bokowski ist seit acht Jahren Teil der Lesebühne "Brauseboys" im La Luz, die jeden Donnerstag um 20.30 Uhr ihre Türen öffnet. Darüber hinaus ist er Gründungsmitglied der Lesebühne "Fuchs & Söhne", die seit März 2014 jeden vierten Mittwoch im Monat "auswärts" im Gemeindesaal Moabit zu lustigen Geschichten einlädt. Sein neuestes Buch "Alleine ist man weniger zusammen" findet man seit 18. Mai mit einem Preisschild von 12,99 Euro im gut sortierten Buchhandel. 

Café Dujardin

Uferstraße 12
13357 Berlin

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Quelle: QIEZ
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