• Freitag, 27. April 2012

"Antikapitalistische Walpurgisnacht"

Demo in der Nacht zum 1. Mai im Wedding

  • Antikapitalistische Walpurgisnacht
    Demonstranten bei der "Antikapitalistischen Walpurgisnacht" in Friedrichshain 2011. Traditionell wird die Demonstration auch 2012 wieder in der Nacht zum ersten Mai stattfinden – diesmal allerdings im Wedding. Foto: dapd - ©Nigel Treblin/dapd

Noch dreimal schlafen, dann starten erhitzte Gemüter wie jedes Jahr in die "antikapitalistische Walpurgisnacht". Dieses Jahr ist der Wedding Schauplatz des Protests. Viele Anwohner sind besorgt.

Das Poster hat diese gewisse Wirkung irgendwo zwischen Revolutionsromantik und Reggae-Konzert und, wer möchte, der kann nahe den Totenschädeln im Lichtschein hinter den schemenhaften Gestalten und den Gitarren sogar angezündete Barrikaden erkennen. "Reclaim da Streets", so der Schlachtruf im englischen Slang, "holt euch die Straßen zurück", die deutsche Entsprechung, etwas freier: "Nimm, was dir zusteht!" Die Rede ist vom jährlichen Aufruf zur "Antikapitalistischen Walpurgisnacht".

Im Grunde nichts Spezielles. Aber die Walpurgisnacht, die im vergangenen Jahr noch in Friedrichshain begangen wurde, soll 2012 im Wedding zelebriert werden, zwischen der Wohngegend um die Brüsseler Straße und der Müllerstraße. Diese Erweiterung der Kampfzone hat rund um die Brüsseler Straße – der Tagesspiegel berichtete – Besorgnis in der Nachbarschaft ausgelöst, denn es wird befürchtet, dass die oftmals mit Gewalttätigkeit einhergehende Tradition der Nacht zum 1. Mai nun auf den Wedding übergeht.

1500 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet

Veranstaltungssprecher gaben am Donnerstag Pressevertretern im "Anti-Kriegs-Museum" in der Brüsseler Straße Auskunft. Sie begegnen dem Vorwurf, Probleme von außen in den Kiez hineinbringen zu wollen, mit schlichter Rhetorik zurück. "Die Probleme sind schon hier!", so Martin Peters.

Aktueller Motor der Demonstration sind die enorm ansteigenden Mietpreise, die als Signal der "Gentrifikation" und als Symptom des plündernden Kapitalismus betrachtet werden. "Wir haben keinen Bock, in Marzahn wohnen zu müssen wegen ein paar Affen, die uns hier die Wohnungen wegnehmen", sagte Peters. Und sein Mitorganisator Martin Steinburg spricht sich für kostenfreie Wohnungen für alle aus. Auch der öffentliche Raum, so seine Ansicht, werde unter dem Vorwand der Verschönerung immer stärker umzäunt und privatisiert. Dementsprechend wurde die Route der Demo, die um 21 Uhr am Weddinger Bahnhof starten soll, durch so viele Wohnstraßen wie möglich gelegt, da man auf die Unterstützung entrechteter Mieter hofft. 1500 Teilnehmer wurden im Voraus bei der Polizei angekündigt.

Veranstalter distanzieren sich vom "MyFest"

Der Kampfruf "Nimm, was dir zusteht" sei in diesem Sinne als Appell aufzufassen, sich an dem antikapitalistischen Protest zu beteiligen, hieß es. Die Veranstalter äußerten, dass sie nicht mit Ausschreitungen rechnen. Andererseits könnten sie aber nicht jeden einzelnen Teilnehmer überwachen und seien nicht verantwortlich für Dinge, die nach dem offiziellen Ende der Demonstration passierten.

Zudem ist es Teil der Argumentationskette, auf den angenommenen gewalttätigen Charakter des Kapitalismus zu verweisen. Der Widersacher ist Besitzer von Immobilien, Betreiber von Banken, zugleich aber auch Vertreter der Staatsbürokratie. "Die Weddinger Jugend hasst das Jobcenter Müllerstraße", so Peters, der unterstreicht, er könne sehr gut verstehen, wenn das Gebäude bei dieser Gelegenheit "eingefärbt" werde.

Vom Kreuzberger "MyFest" distanzieren sich die Organisatoren. Es habe "monströse Ausmaße" angenommen, so Birgit Westermann, dort müsse man für jeden Toilettengang 50 Cent zahlen. "Das wäre früher in Kreuzberg undenkbar gewesen."

Adresse

Brüsseler Straße
13353 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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