Mascha fragt nach

Weihnachten für Singles und Paare: Reichlich kompliziert

Weihnachten für Singles und Paare: Reichlich kompliziert
Ein paar Umarmungen? Die könnten viele an Weihnachten gut gebrauchen.
Kolumnistin Mascha ist nicht die einzige, die mit Weihnachten und dem Gefühlsdusel drumherum so ihre Probleme hat. Auch viele Singles und Paare in ihrem Umfeld berichten von Diskussionen, Ärger und eigentlich unnötigem Stress, der mit dem "Fest der Liebe" einhergeht.

Über meine persönlichem Emo-Attacken zum „Fest der Liebe“ (haha) habe ich ja bereits in der Vergangenheit geschrieben. Doch ich habe das Gefühl, dass immer mehr Menschen in meinem Umfeld vor und zu Weihnachten unter Komplikationen leiden – emotionaler und organisatorischer Natur. Entweder frustet sie, wie mich, die Single-Reise zu den Eltern und das Beobachten all der fröhlichen Pärchen dort – oder aber sie sind in einer Beziehung und müssen sich mit Fragen rumschlagen wie: „Fahren wir zu seinen oder meinen Eltern? Wieso ist ihm Weihnachten egal, mir aber nicht – und wieso streiten wir uns Weihnachten eigentlich immer?“ Deswegen lohnt sich auch hier die Rubrik Mascha fragt nach – mit einer kleinen Umfrage. Was stresst Singles und Paare an Weihnachten denn, verdammt nochmal, so? Und wenn diese mehr oder weniger dramatischen Leidensgeschichten zumindest dazu beitragen, dass sich alle gemeinsam ein wenig besser fühlen – geteiltes Leid usw. – ist ja auch schon etwas gewonnen.

Weihnachten: Singles und Paare haben es nicht leicht

Raffa*, 27, seit 2 Jahren mit Lisa zusammen

„Schon kurz nachdem wir zusammengekommen sind, hat mir Lisa klar gemacht: Ihr ist es SEHR wichtig, dass wir uns Weihnachten sehen. Als sie noch mit ihrem Ex zusammen war, hätte es an den Feiertagen fast immer Streit gegeben wegen der Planungen. Und danach, als Single, habe sie sich oft sehr einsam gefühlt hat, bei ihrer Familie und all den Pärchen Zuhause. Zu ihrer Familie müsse sie aber, das sei sonst komisch. Mir ist relativ egal, wo ich Weihnachten verbringe, mal bin ich bei meinen Eltern, manchmal bin ich mit Freunden in Berlin geblieben. Weil es Lisa aber so wichtig war, habe ich gesagt, okay, und bin am 1. Weihnachtstag zu ihrer Familie nach Rheinland-Pfalz gefahren. Darüber hat sie sich extrem gefreut, sie war ganz fassungslos, wie nett und unkompliziert es sein kann. Deswegen werde ich ihr auch dieses Jahr den Gefallen tun. Auch, wenn das bedeutet: Ich fahre, schon wieder, erst Heiligabend zu meinen Eltern, am 25. Dezember mehrere Stunden Zug zu Lisas Familie – um eine Nacht dort zu sein und am nächsten Tag wieder vier Stunden im Zug zurück nach Berlin zu sitzen. Lisa wäre auch zu meinen Eltern gekommen, sagt sie, aber erst am 2. Weihnachtstag. Und da ist bei meiner Familie schon alles vorbei. Aber es macht sie glücklich. Und zusammen Zug fahren finden wir beide ganz lustig.“

 

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Ein Beitrag geteilt von Lena (@lenacatelan) am Dez 18, 2018 um 6:19 PST

Katja*, 32, Single

„Für mich ist Weihnachten eine ziemliche Horror-Zeit. Meine Eltern leben in Mainz und sind seit vier Jahren getrennt, ich muss also schauen, wann ich wen besuche. Und wenn einer von beiden das Gefühl hat, er kommt zu kurz, lassen sie mich das auch spüren. Gleichzeitig finde ich es in der neuen Familienkonstellation mit den neuen Partnern auch nicht gerade angenehm, ein schönes Fest mit der ganzen Familie und guter Stimmung ist das einfach nicht mehr. Dieses Jahr werde ich Heiligabend bei meiner Mutter und am 1. Weihnachtstag bei meinem Vater sein. Und zwischendurch versuchen, viele Freunde zu sehen. Als Single ist das alles doppelt ätzend, mir fehlt eine Bezugsperson, die da auch emotional an meiner Seite ist. Und ein Mann ist gerade so gar nicht in Sicht. Ich freue mich schon auf Silvester – da feiere ich mit Freunden. Und das sind nicht nur Pärchen!“

Weihnachten: Für die Liebe oft recht unangenehm

Roman*, 29, seit fünf Jahren mit Max zusammen

„Seit wir ein Paar sind, nervt mich die Frage jedes Jahr spätestens im November: Wo feiern wir dieses Jahr – bei seinen oder meinen Eltern? Und: Müssen wir überhaupt immer zu den Eltern fahren? Ich finde Weihnachten wahnsinnig anstrengend, ich mag weder die Lieder, die pseudo-besinnliche Stimmung und das zwanghafte Geschenke kaufen noch das ewige Zuhause rumsitzen, fernsehen und essen. Und, ganz ehrlich, mit Max’ Eltern muss ich auch nicht länger als einen Tag verbringen. Deswegen gibt es fast jedes Jahr Diskussionen, weil er findet, nur zu zweit bei uns Zuhause in Berlin bleiben wäre Quatsch, schließlich sei doch Weihnachten. Jetzt haben wir sündhaft teure Zugtickets nach NRW gebucht, um für zwei Nächte zu meiner Familie zu fahren. Aber immerhin: Wir sind bei meinen Eltern, seine sind dieses Jahr auf Reisen – das hat uns zumindest eine Entscheidung abgenommen.“

Charlotte*, 34, frisch getrennt

„Es hat sich lange angebahnt, jetzt habe ich mich entschieden: Ich werde mich von meinem Freund trennen. Also, eigentlich habe ich das schon. Wir waren sechs Jahre zusammen und haben einen vierjährigen Sohn – und jetzt höre ich von allen Seiten: Krass, und das so kurz vor Weihnachten? Ich habe da natürlich auch drüber nachgedacht denn wir wohnen ja noch zusammen und werden unserem Kind zuliebe natürlich auch die Feiertage zusammen verbringen. Aber die Trennung konnte nicht künstlich weiter hinausgezögert werden. Aber deswegen ist Weihnachten gerade für mich doppelt schlimm. Mal sehen, wie wir das alles regeln. Ich würde das Ganze gerne ausfallen lassen, aber mit Kind geht das natürlich nicht. Deswegen ist jetzt die Devise: Zumindest für unseren Sohn soll es schön werden! Und dann, nach Weihnachten, gehen wir weitere Schritte. Schon verrückt, welchen Einfluss Feiertage haben …“

Und am Ende sind es doch auch nur ein paar Tage in einem sehr langen Jahr. Und auch die gehen vorbei. Und werden, wer weiß, vielleicht ja auch überraschend nett. Unabhängig von den Zahlen, die im Kalender stehen und den Ideen, die uns andere Menschen für Weihnachten aufbrummen wollen: Ich wünsche jedem, dass er die Rosinchen im Kuchen des Jahres herauszupicken vermag. Ganz unabhängig vom vermaledeiten Beziehungsstatus.

Insofern, gut, dass ich da mal nachgefragt habe.

Ein schönes Restjahr, ob mit oder ohne Weihnachtsstimmung,

eure Mascha

 

*Auch hier: Namen und Orte von der Kolumnistin geändert – es ist ja doch sehr privat

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