Ateliers in Weißensee

Das Stern-Radio Gelände beherbergt jetzt Künstler

Das Stern-Radio Gelände beherbergt jetzt Künstler
Pinsel und Werkbänke werden gerade von Künstlern in ihre noch leeren, neuen Arbeitsräume in Weißensee geschafft.
Die berühmten Stern-Radios werden in Berlin längst nicht mehr gebaut. Ihre alten Produktionsräume entwickeln sich gerade zum Atelierhof Weißensee. Dort können Künstler preiswert arbeiten. Das ermöglicht ein Modell-Projekt, bei dem auch die Kunsthochschule Weißensee mitmischt ...

Ateliers für Künstler und Künstlerinnen sind in Berlin knapp und teuer. Neben dem Lebensunterhalt auch noch einen eigenen Arbeitsraum zu finanzieren, das können sich viele nicht leisten. Immerhin zeigte eine Studie des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE), dass nur jeder Zehnte von seiner Kunst leben kann. Künstler verdienen laut der Erhebung rund 12.000 Euro im Jahr, Künstlerinnen sogar nur bis zu 8.000 Euro. Besonders schwer tun sich diejenigen, die sich auf dem Kunstmarkt erst noch beweisen müssen – wie die Absolventen der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Darum hat sich die Kunsthochschule mit dem Arbeitsraumprogramm vom Berliner Senat zusammengetan. Das Ergebnis sind zwölf neue Ateliers in Weißensee, die preiswert an Künstlerinnen und Künstler vergeben werden. Die weisen gleich drei Besonderheiten auf: Sie liegen in einem Gebäude mit Geschichte, sind zum Teil noch viel preiswerter als andere geförderte Ateliers und es gibt geteilte Arbeitsräume für etablierte Künstler und Künstlerinnen sowie für ehemalige Studierenden aus Weißensee.

Die neuen Ateliers sind auf dem denkmalgeschützten Areal von Stern-Radio entstanden. Also in einem Gebäudekomplex, der schon vor 110 Jahren eröffnet wurde, in dem zu DDR-Zeiten Radios und Fernseher der VEB Stern-Radio Berlin entstanden und das heute unter Denkmalschutz steht. Nun wird das Gebäude von der Atelierhof Weissensee Kunst-Medien-Handwerk GmbH gestaltet. Die hat sich auch dazu entschieden, mal nicht nur aufs Geld zu schauen, sondern einige Räume tollen Künstlern zu überlassen. Dabei sind insgesamt zwölf Atelierräume entstanden, finanziert aus dem Arbeitsraumprogramm der Berliner Senatsverwaltung. Wer einziehen darf, entscheiden Jurymitglieder.

In den Ateliers werden neue Konzepte erprobt

Neun Einzelateliers werden von der Atelierförderung Berlin an die Freie Szene vergeben. Drei weitere Großraumateliers teilen sich insgesamt 22 Absolventinnen und Absolventen der Kunsthochschule in Weißensee, die eine hauseigene Jury auswählt. So kann die Schule nun erstmals ihre Studierenden auch beim Einstieg in den Künstlerberuf unterstützen. Maximal drei Jahre lang dürfen sie auf dem Stern-Radio-Areal arbeiten und zahlen dafür zwischen 100 und 150 Euro im Monat. Künstler der Freien Szene dürfen acht Jahre bleiben, sofern ihr Einkommen die ganze Zeit über so niedrig ist, dass es den Richtlinien für die Förderung entspricht. Neu ist auch: Während lange Zeit nur Ateliers für Bildende Kunst gefördert wurden, werden die Ateliers nun auch für die Arbeit von Designern oder andere Formen der Kunst vergeben.

Helle Räume, Ausblick ins Grüne: dieses Großraumatelier wird von Absolventen der Kunsthochschule bezogen.

 

Henry Kocina zum Beispiel schafft Rauminstallationen und richtet sich gerade in einem der Großraumateliers ein. Aus der Zeit an der Berliner Kunsthochschule kennt er viele Nachbarn an seinem neuen Arbeitsplatz. Dass der so weit draußen liegt – mitten in Weißensee und direkt nur mit dem Bus zu erreichen – stört ihn nicht. „Früher oder später geht eh alles in die Peripherie“, sagt er und könnte sich auch vorstellen, direkt vom Görlitzer Park nach Weißensee umzuziehen. Von der Installationskünstlerin Ana Hupe hören wir Ähnliches. Wie Henry ist auch sie heute mit dem Rad aus Friedrichshain-Kreuzberg nach Weißensee gekommen. „Es ist voll geil hier. Gestern habe ich auf dem Weg noch am Weißen See angehalten und bin eine Runde geschwommen.“ Ein Blick in Richtung ihrer großen Fenster spricht für sich. Durch sie dringt nicht nur viel Tageslicht herein, Ana überblickt auch viel Grün und die Backsteinmauern der alten Fabrik.

Ob wir die Künstler auch mal in Weißensee besuchen dürfen, etwa im Rahmen einer Ausstellung, bleibt noch offen. Aktuell wird geprüft, welche weitere Nutzung auf dem Areal des Industriedenkmals möglich ist. Dass hier auf anderen Etagen noch mehr Räume für Künstler freigegeben werden, ist auf jeden Fall eine Option.

Das Stern-Radio Gelände beherbergt jetzt Künstler, Liebermannstraße 75, 13088 Berlin

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